Türkei will Diesel aus umstrittenem US-russischem Abkommen beziehen
Die Türkei plant, einen Teil der Diesel-Lieferungen aus dem jüngsten Abkommen zwischen den USA und Russland zu übernehmen. Energieminister Bayraktar bestätigt entsprechende Pläne. Parallel verdreifacht China seine Dieselexporte, und EZB-Präsidentin Lagarde warnt vor höheren Anleiherenditen.
Die Türkei will einen Teil der Diesel-Lieferungen aus dem jüngsten Abkommen zwischen den USA und Russland beziehen. Das hat der türkische Energieminister Alparslan Bayraktar nach Angaben aus Regierungskreisen angekündigt. Demnach sollen Lieferungen aus dem umstrittenen Deal teilweise in die Türkei umgeleitet werden. Über den genauen Umfang und den Zeitplan machte Bayraktar zunächst keine Angaben.
Das Abkommen zwischen Washington und Moskau hatte in den vergangenen Wochen für Aufsehen gesorgt, weil es russische Diesel-Exporte in die Vereinigten Staaten ermöglicht. Die genauen Konditionen des Deals sind bislang nicht vollständig öffentlich. Die Türkei, die als wichtiger Transitstaat für Energielieferungen zwischen Europa und Asien gilt, prüft nun offenbar, sich an den Lieferströmen zu beteiligen. Bayraktar hatte bereits in der Vergangenheit betont, die Türkei wolle ihre Energieversorgung diversifizieren und gleichzeitig von günstigen Bezugsquellen profitieren.
Unabhängig von den türkischen Plänen sorgt China mit einer deutlichen Ausweitung seiner Dieselexporte für Bewegung auf dem globalen Markt. Das Land hat seine Ausfuhren von Diesel nach Angaben aus Handelskreisen verdreifacht. Die Gründe dafür liegen in einer schwächeren Inlandsnachfrage und zugleich hohen Raffineriekapazitäten. Die gestiegenen chinesischen Exporte könnten den internationalen Dieselpreis unter Druck setzen und damit auch die Einfuhrkosten für Länder wie die Türkei beeinflussen.
Die Europäische Zentralbank beobachtet die Entwicklung an den Energiemärkten mit Sorge. EZB-Präsidentin Christine Lagarde warnte zuletzt vor höheren Anleiherenditen. Steigende Renditen würden die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen und Staaten verteuern und könnten die wirtschaftliche Erholung bremsen. Lagarde verwies auf die Unsicherheit an den Märkten, die auch durch geopolitische Faktoren wie den US-russischen Diesel-Deal und die chinesischen Exporte verstärkt werde. Die EZB behalte die Lage genau im Blick und sei bereit, bei Bedarf zu reagieren.
Für die Türkei ist der geplante Dieselbezug aus dem US-russischen Abkommen ein heikles Unterfangen. Das Land unterhält sowohl zu Washington als auch zu Moskau komplexe Beziehungen. Einerseits ist die Türkei NATO-Mitglied, andererseits pflegt sie enge wirtschaftliche Kontakte zu Russland. Die Regierung in Ankara hat in der Vergangenheit wiederholt betont, sich nicht an westlichen Sanktionen gegen Russland zu beteiligen. Ob der Diesel-Deal mit den USA und Russland mit dieser Haltung vereinbar ist, bleibt offen. Beobachter in Ankara sehen in der Ankündigung Bayraktars jedoch den Versuch, die eigenen Energieimporte zu verbilligen und die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten zu verringern.
Der globale Dieselmarkt ist derzeit von gegenläufigen Entwicklungen geprägt. Während China seine Exporte ausweitet, halten sich andere große Produzenten zurück. In Europa bleibt die Versorgungslage angespannt, nicht zuletzt wegen der Sanktionen gegen russische Ölprodukte. Die Türkei könnte von der neuen Bezugsquelle profitieren, doch die politischen Risiken sind erheblich. Wie sich der US-russische Deal auf die internationalen Märkte auswirkt, hängt auch davon ab, ob weitere Länder ähnliche Ansprüche anmelden. Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob die türkische Ankündigung konkrete Folgen für die Lieferströme hat.
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