US-Inflation steigt im September auf 3,7 Prozent
Die Teuerungsrate in den USA entfernt sich weiter vom Zweiprozentziel der Federal Reserve. Die Anleihemärkte reagieren sofort mit steigenden Renditen. Für Präsident Trump kommt die Entwicklung zu einem politisch heiklen Zeitpunkt.
Die Inflationsrate in den Vereinigten Staaten ist im September auf 3,7 Prozent gestiegen und hat sich damit noch deutlicher als von Analysten erwartet vom Zielwert der US-Notenbank entfernt. Die Federal Reserve strebt eine Teuerungsrate von zwei Prozent an. Die unerwartet hohe Zahl setzte die Finanzmärkte unter Druck: Am Anleihemarkt zogen die Renditen unmittelbar nach der Veröffentlichung der Daten an.
Die Entwicklung fällt in eine Phase, in der die Geldpolitik der USA ohnehin stark im Fokus steht. Die Notenbank hatte in den vergangenen Monaten versucht, die Inflation mit einer restriktiven Zinspolitik zu dämpfen. Der erneute Anstieg der Rate im September dürfte die Diskussion darüber neu entfachen, ob die bisherigen Maßnahmen ausreichen oder ob weitere Straffungen notwendig werden. Höhere Renditen am Anleihemarkt gelten als Signal dafür, dass Anleger mit einer länger anhaltenden Hochzinsphase rechnen.
Für Präsident Donald Trump kommt die Nachricht zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Die Inflation und die daraus resultierenden Lebenshaltungskosten gehören zu den zentralen Themen, die die Wählerinnen und Wähler beschäftigen. Steigende Preise belasten insbesondere einkommensschwächere Haushalte und können die wirtschaftspolitische Bilanz der Regierung überschatten. In der politischen Debatte der USA wird die Inflationsentwicklung daher regelmäßig als Gradmesser für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der amtierenden Administration herangezogen.
Die Reaktion am Anleihemarkt fiel unmittelbar aus. Steigende Renditen verteuern die Finanzierung von Staatsausgaben und können auch die Kreditkosten für Unternehmen und private Haushalte erhöhen. Ob die US-Notenbank auf die neuen Daten mit einer Anpassung ihres Kurses reagiert, ist offen. Beobachter verweisen darauf, dass die Währungshüter die Entwicklung der kommenden Monate abwarten dürften, bevor sie über weitere Schritte entscheiden.
Die September-Zahlen unterstreichen, wie schwierig es derzeit ist, die Inflation dauerhaft auf das angestrebte Niveau zu bringen. Für die europäischen Märkte, einschließlich der Schweiz und Deutschland, sind die US-Daten von erheblicher Bedeutung: Die amerikanische Geldpolitik wirkt über Wechselkurse, Kapitalströme und Handelsbeziehungen auch auf die europäische Wirtschaft. Ein anhaltend hoher Inflationsdruck in den USA könnte den Spielraum der Europäischen Zentralbank beeinflussen und die globalen Finanzmärkte weiter in Bewegung halten.
10




