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Donnerstag, 17. September 2026

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Jella Haase will mit «Gentle Monster» Tabus brechen

Die deutsche Schauspielerin Jella Haase spricht über ihre Rolle als Polizistin im Pädophilie-Drama «Gentle Monster» und die Verantwortung, die sie mit dem Film verbindet.

Die Schauspielerin Jella Haase hofft, mit dem Film «Gentle Monster» gesellschaftliche Tabus rund um sexualisierte Gewalt an Kindern aufzubrechen. Das sagte die 33-Jährige im Gespräch mit der Nachrichtenagentur spot on news. Der Film der österreichischen Regisseurin Marie Kreutzer kommt am 17. September in die Kinos. Haase spielt darin die Polizistin Elsa, die in pädokriminellen Netzwerken ermittelt.

«Ich hoffe, dass wir lernen, die Dinge klar zu benennen und sensibler für das Thema zu werden», sagte Haase. Im besten Fall helfe das, potenzielle Opfer zu schützen. «Wir müssen darüber sprechen, wie wir Kindern Grenzen vermitteln können. Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen: Kinder können sich nicht selbst schützen. Die Verantwortung liegt bei den Erwachsenen.» Der Film könne ein Bewusstsein dafür schaffen.

Für Haase war die Zusammenarbeit mit Marie Kreutzer der Hauptgrund, die Rolle anzunehmen. Das Thema habe sie jedoch ebenfalls interessiert. «Es ist allgegenwärtig und zugleich stark tabuisiert», sagte sie. Sie finde es wichtig, wenn Filme mutig seien, Fragen stellten und dorthin gingen, wo es unangenehm werde. Bereits zuvor habe sie mit einer befreundeten Theaterregisseurin versucht, sich mit dem Stoff auseinanderzusetzen.

Der Film verweigert einfache Antworten. Diese Ambivalenz habe sie gereizt, so Haase. «Unser Leben ist schließlich auch nicht nur schwarz oder weiß.» Bei diesem Thema sei das besonders wichtig. «Es gibt darauf schlicht nicht für alles eine Antwort.» Je tiefer man einsteige, desto sprachloser werde man manchmal. Auch daraus entstehe diese Ambivalenz.

Der Ursprung des Projekts liegt laut Haase weiter zurück. Marie Kreutzer sei auf einen «Zeit»-Artikel aus dem Jahr 2020 gestoßen, der sich mit einem pädokriminellen Ring beschäftigte. Damals habe sie gedacht, daraus müsse man etwas machen. Später habe die Realität den Film eingeholt, als der Fall des «Corsage»-Darstellers Florian Teichtmeister bekannt wurde. «Das war natürlich erschreckend. Aber ihre Reaktion war eher: Jetzt erst recht», sagte Haase.

Am Set traf Haase auf internationale Stars wie Léa Seydoux und Catherine Deneuve. Seydoux beschrieb sie als «sehr freundlich, herzlich und professionell». Das Thema habe alle stark beschäftigt und verbunden. «Der Stoff bringt eine enorme Schwere mit sich. Gleichzeitig waren wir vom Drehbuch überzeugt und wollten gemeinsam den bestmöglichen Film machen.» Mit Catherine Deneuve hatte sie allerdings keine gemeinsamen Drehtage. «Da muss Marie wohl noch einen neuen Film schreiben», scherzte Haase.

Ihre Figur Elsa beschreibt Haase als «sehr verschlossen, ehrgeizig und idealistisch». Sie habe einen starken moralischen Kompass, schaffe es aber nicht immer, ihm zu folgen. «Gerade das macht sie für mich interessant. Sie kämpft beruflich für das Richtige und ist gleichzeitig privat manchmal allein und überfordert.» Im Kern gehe es um Fragen wie: Wo schauen wir hin? Wo schauen wir weg? Wo entstehen Machtgefälle?

Für die Rolle sprach Haase auch mit Polizistinnen und Polizisten. Dabei habe sie Menschen kennengelernt, die ganz anders gewesen seien als erwartet. Diese Erfahrung habe sie in die Figur einfließen lassen. Der Film zeigt Elsa etwa, wie sie sich mit lautem Hip-Hop auf dem Weg zu einer Verhaftung aufputscht. «Zum Teil entspricht das tatsächlich meinem eigenen Geschmack», sagte Haase. Entscheidend sei aber der Kontrast gewesen.

Die Dreharbeiten mit einem internationalen Ensemble empfand Haase als bereichernd. Kulturelle Unterschiede seien spürbar gewesen, «aber Filmemachen ist überall erstaunlich ähnlich». Ein Set könne größer oder kleiner sein, die Menschen könnten aus verschiedenen Ländern kommen – «die Abläufe bleiben im Kern dieselben. Das finde ich fast romantisch.»

«Gentle Monster» feierte bereits in Cannes Premiere. Haase beschrieb die Erfahrung als «überwältigend». Cannes sei für viele ein Traum, weil dort das Kino so gefeiert werde. «Gleichzeitig konzentriert sich auf kleinstem Raum unglaublich viel Glamour. Und ein paar Meter weiter laufen Menschen ganz selbstverständlich zum Strand.» Diese Mischung habe sie als sehr angenehm empfunden.

Mit dem Film verbindet Haase die Hoffnung, dass das Publikum sensibler wird. Marie Kreutzer habe in Interviews oft gesagt: «Rein statistisch kennen wir alle Täter und Opfer sexualisierter Gewalt.» Dieser Gedanke habe ihren Blick verändert. «Wenn man sich klarmacht, dass auch der beste Freund oder der eigene Partner ein Täter sein könnte, verändert das etwas. Aber dieser Realität muss man sich stellen, wenn man dem Problem wirklich aufrichtig begegnen will.»

Elena Mertens

Autor

Nachrichtenredakteurin

Elena Mertens berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

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