Merkel ruft bei Biermann-Abend zur Verteidigung der Demokratie auf
Angela Merkel hat in Berlin an die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann 1976 erinnert und die Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, Demokratie und ihre Werte aktiv zu verteidigen. Biermann, der am 15. November 90 Jahre alt wird, saß in der ersten Reihe.
Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bei einer Veranstaltung im Berliner Kino International dazu aufgerufen, Demokratie und ihre Werte aktiv zu verteidigen. Anlass war die Erinnerung an die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann aus der DDR im Jahr 1976. Veranstaltet wurde der Abend von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.
Biermann war am 13. November 1976 nach einem Konzert in Köln aus der DDR ausgewiesen worden. Eine Rückkehr in die DDR wurde ihm verwehrt, zudem wurde ihm die Staatsbürgerschaft aberkannt. Die Ausweisung löste in der Kulturszene der DDR Proteste und Solidaritätsaktionen aus. Betroffen war ein Künstler, der 1936 in Hamburg geboren wurde und mit 16 Jahren in die DDR übersiedelte. Dort geriet er wegen seiner kritischen Lieder in Konflikt mit der regierenden SED und erhielt über Jahre ein Auftrittsverbot. Die Ausweisung markierte damit einen Wendepunkt im Verhältnis zwischen dem Staat und einem der bekanntesten Liedermacher des Landes.
Merkel, die 1976 selbst 22 Jahre alt war und in der DDR aufgewachsen ist, erinnerte in ihrer Rede daran, dass sie das Konzert in Köln damals im westdeutschen Fernsehen verfolgte. Sie war zu dieser Zeit in ihre Heimatstadt Templin gereist. Die Lieder Biermanns verstand sie, so ihre Darstellung, als Ermutigung zum Handeln. Die Bürgerinnen und Bürger sollten sich nicht darauf verlassen, dass andere die Demokratie schützen, sondern selbst aktiv werden. Ihre Rede rahmte Biermanns Werk damit nicht nur als künstlerische Leistung, sondern als politischen Appell, der über die Zeit der deutschen Teilung hinaus gilt.
Biermann selbst saß in der ersten Reihe des Saals. Er wird am 15. November 90 Jahre alt. Im Gespräch verteidigte er Merkel und bezeichnete sie als Freundin, obwohl beide in manchen Fragen unterschiedlicher Auffassung seien. Zugleich erinnerte er an die Zeit der Staatssicherheit, die in den 1960er-Jahren die Premiere des DEFA-Films «Spur der Steine» in genau diesem Kino gestört hatte. Der Film war damals ebenfalls ein Ort der kritischen Auseinandersetzung mit der DDR-Gesellschaft gewesen, und die Störung der Premiere zeigte, wie früh der Staatsapparat auf unabhängige künstlerische Stimmen reagierte.
Die Veranstaltung verband so die Erinnerung an einen konkreten Eingriff des SED-Staates in die Kunst mit der Frage, wie demokratische Werte heute verteidigt werden können. Dass die Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur den Abend ausrichtete, unterstreicht den Anspruch, die Geschichte der DDR nicht nur wissenschaftlich, sondern auch im öffentlichen Gedenken wachzuhalten. Merkels Auftritt und Biermanns Anwesenheit machten dabei deutlich, wie eng persönliche Biografien und die Geschichte der deutschen Teilung miteinander verwoben sind.
Quelle: t-online.de
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