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Montag, 28. September 2026

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Studie: Übergewichtige Eltern stehen unter besonderem Erwartungsdruck

Eine Frankfurter Forscherin hat zehn Eltern mit hohem Körpergewicht befragt. Viele berichten von Ausgrenzung, Rechtfertigungsdruck und der Sorge, den eigenen Kindern peinlich zu sein.

Eltern mit hohem Körpergewicht erleben in ihrem Alltag eine besondere Form der gesellschaftlichen Beobachtung. Zu diesem Ergebnis kommt die Frankfurter Wissenschaftlerin Judith Pape-Greif von der Frankfurt University of Applied Sciences. Für ihre Dissertation im Fachbereich Soziale Arbeit hat sie sechs Mütter und vier Väter interviewt und nach Gemeinsamkeiten in ihren Erzählungen gesucht. Das berichtet der «stern».

Pape-Greif wählte für ihre Forschung eine in der Wissenschaft eher ungewöhnliche Methode: Sie ließ die Menschen einfach erzählen. «Es wird viel über dicke Eltern gesprochen und geschrieben — ich wollte mit ihnen sprechen und nicht über sie», sagte die 35-Jährige. Nach Abschluss ihrer Dissertation ging sie in Elternzeit; im kommenden Jahr will sie ihre Arbeit als Buch veröffentlichen.

In den Gesprächen entdeckte sie ein breites Spektrum an Erfahrungen, aber auch viele gemeinsame Erfahrungen von Ausgrenzung. «Eltern mit hohem Körpergewicht stehen unter besonderer Beobachtung», fasst Pape-Greif zusammen. «Ihre Erziehungs- und Fürsorgekompetenzen werden aufgrund ihres Körpergewichts oft infrage gestellt.» Daraus entstehe ein besonderer Druck, gesellschaftliche und moralische Standards guter Elternschaft zu erfüllen.

Eine der Befragten ist Jolyn Muijsers, 44 Jahre alt, geboren in den Niederlanden, Psychologie- und Pädagogikstudium, heute Gleichstellungsbeauftragte einer Hochschule. Sie lebt in Flensburg, ist seit der Schulzeit mit ihrem Mann zusammen und hat zwei Söhne im Alter von 15 und 17 Jahren. In ihren schwersten Zeiten wog sie 140 Kilogramm. Heute hat sie 30 Kilo abgenommen, sich ein Rennrad gekauft und ist entschlossen, das Gewicht zumindest zu halten.

Muijsers beschreibt, wie sehr ihr Gewicht ihren Alltag mit den Kindern einschränkt. Bei Fahrradtouren kommt sie kaum hinterher, beim Wandern wollen die Jungen oben angekommen schon wieder hinunter. Noch stärker belastet sie jedoch der Blick anderer auf ihren Körper. «Ich hatte immer den Druck, eine besonders gute Mutter zu sein, weil man mir Muttersein nicht zutraut», sagt sie. Wenn ein Kind im Bus quengelte, spürte sie die Blicke der Fahrgäste und dachte: «Ich habe keine Kontrolle über mein Gewicht, also habe ich auch keine Kontrolle über meine Kinder.»

Hinzu kommt die Erfahrung, dass Übergewicht mit sozialer Herkunft gleichgesetzt wird. Bei Elternabenden fragte sich Muijsers, ob sie hingehen solle «oder ob sich die Kinder für mich schämen». Beim Kinderarzt hatte sie das Gefühl, in besonderer Weise für das Gewicht ihrer Kinder verantwortlich zu sein. Wären die Kinder übergewichtig gewesen, wäre es aus ihrer Sicht sicher ihre Schuld gewesen. Weil die Kinder dünn waren, warf der Arzt ihr scherzhaft vor, alle Süßigkeiten selbst zu essen und den Kindern nur das Papier zu überlassen. Dass es als Scherz gemeint war, machte es für sie nicht besser.

Die Forscherin fasst eine weitere Konstante in den Berichten zusammen: Neben offenen Diskriminierungserfahrungen berichten die Befragten von einem erhöhten Rechtfertigungsdruck hinsichtlich ihrer Elternschaft. Das Körpergewicht werde als Attraktivitätsmangel wahrgenommen. Wenn übergewichtige Menschen Kinder hätten, dann «trotz» ihres Gewichts. Eine Familie zu haben, werde daher oft zum «Nachweis der eigenen Normalität».

Muijsers kennt dieses Gefühl aus ihrer eigenen Beziehung. Lange hatte sie Zweifel, dass ihr Mann sie «trotz» ihres Gewichts gut finden könne. Nach zweieinhalb Jahrzehnten Beziehung, Heirat und zwei Kindern sollte das zur Genüge bewiesen sein, doch sie sagt: «Gewicht ist ein großer Faktor. Nicht für ihn, aber für mich.» Ihr frühes starkes Zunehmen führt sie auf ein traumatisches Erlebnis als junges Mädchen zurück. Phasenweise wog sie nur 85 Kilogramm. Ihr Fazit lautet: «Dünnsein ist keine Leistung, Dicksein kein Versagen.»

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Dominik Zimmermann

Autor

Wirtschaftsanalyst

Dominik Zimmermann berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

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