Zum Inhalt springen
Среда, 05. Август 2026Deutschland · Europa · Welt
Grenzah

Nachrichten über Grenzen hinweg — präzise, nah und im Zusammenhang.

Nachrichten

Autobombe verletzt russischen Drohnenfirmen-Chef schwer

Bei einem Autobombenanschlag nahe Jekaterinburg ist der Chef des Drohnenherstellers Uraldronzavod schwer verletzt worden, sein Fahrer starb. Derweil meldet Kiew nach russischen Raketenangriffen zahlreiche Tote, und ukrainische Drohnen treffen erneut ein Wildberries-Logistikzentrum.

Autobombe verletzt russischen Drohnenfirmen-Chef schwer
Ukraine-Krieg: Autobombe explodiert – russischer CEO schwer verletzt
Grenzah AudioBereit
0:00 / 0:00

Bei einer Autobombenexplosion nahe der russischen Stadt Jekaterinburg ist der Chef eines Drohnenherstellers schwer verletzt worden. Wladimir Tkatschuk, Leiter des Unternehmens Uraldronzavod, liege auf der Intensivstation, meldete die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf einen Insider bei den Rettungsdiensten. Sein Fahrer kam bei dem Anschlag auf den Mercedes des Geschäftsführers ums Leben.

Der Angriff ereignete sich Medienberichten zufolge bereits am Dienstag, wurde aber erst am Mittwoch bekannt. Tkatschuks Firma stellt sogenannte «Vampir»-Drohnen her. Diese werden von einem Piloten über eine Videobrille mit Echtzeitübertragung gesteuert und kommen nach Angaben der russischen Streitkräfte im Krieg gegen die Ukraine in großem Umfang zum Einsatz. Es ist bereits das zweite Attentat auf einen russischen Drohnenentwickler innerhalb einer Woche. Moskau macht die Ukraine regelmäßig für derartige Anschläge auf hochrangige Militär- und Rüstungsvertreter verantwortlich. Eine Stellungnahme aus Kiew lag zunächst nicht vor.

Unterdessen hat die russische Armee die ukrainische Hauptstadt Kiew und ihre Umgebung in der Nacht erneut mit ballistischen Raketen angegriffen. Nach Angaben des ukrainischen Rettungsdienstes wurden dabei 14 Menschen getötet und 27 weitere verletzt. Die Zeitung «Kyiv Independent» berichtete unter Berufung auf Behörden von 15 Toten und 51 Verletzten. Die ukrainische Luftwaffe erklärte, Russland habe insgesamt 98 Drohnen und 28 Raketen eingesetzt; abgefangen worden seien nur die Drohnen, keine einzige Rakete. Kiew klagt seit Längerem über einen Mangel an Abwehrraketen für die Luftverteidigung.

Bei dem Angriff wurden nach ersten Berichten mindestens sieben Bezirke beschädigt. Im Bezirk Holossijiw seien zwei Verletzte aus den Trümmern eines Lagergebäudes geborgen worden, teilte Bürgermeister Vitali Klitschko mit. Eine Such- und Rettungsaktion habe zunächst angedauert, da weitere Menschen unter den Trümmern vermutet wurden. Im Bezirk Obolon brachen mehrere Brände aus, im Bezirk Desna geriet ebenfalls ein Lagerhaus in Brand; Trümmerteile einer Rakete fielen nahe eines Wohngebiets zu Boden.

In der russischen Region Tula hat ein ukrainischer Drohnenangriff nach Angaben des Gouverneurs ein Logistikzentrum des Onlinehändlers Wildberries in Brand gesetzt. Ein Mensch wurde verletzt, wie Gouverneur Dmitri Miljajew auf Telegram mitteilte. Der russische Marktführer Wildberries bestätigte den Angriff: Die Beschäftigten seien in Sicherheit gebracht worden, die Lieferströme würden umgeleitet. Seit Mitte Juli haben die ukrainischen Streitkräfte mehr als ein Dutzend Wildberries-Anlagen mit Drohnen angegriffen und teils erheblich beschädigt. Miljajew zufolge wurden außerdem zwei Industrieanlagen in Nowomoskowsk und im Gebiet Uslowaja sowie zwei Wohnhäuser beschädigt.

Auf der von Russland annektierten ukrainischen Halbinsel Krim hat ein russischer Soldat nach Behördenangaben mindestens vier Menschen erschossen. Der Soldat habe zunächst das Feuer auf Kameraden eröffnet und dabei einen Militärangehörigen getötet, teilte der von Moskau eingesetzte Gouverneur von Sewastopol, Michail Raswoschajew, mit. Anschließend habe er im Nachbardorf Chmelnizkoje drei Zivilisten getötet und drei weitere verletzt. Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen; zum Motiv machten die Behörden zunächst keine Angaben. Die Schwarzmeer-Halbinsel war bereits 2014 von Russland besetzt und für russisch erklärt worden.

Das russische Verteidigungsministerium meldete zudem, die eigenen Streitkräfte hätten sieben Frachtschiffe mit Drohnen angegriffen. Diese hätten im ukrainischen Hafen von Mykolajiw gelegen oder seien im Schwarzen Meer unterwegs gewesen, berichtete die staatliche Agentur RIA. Russland hat solche Angriffe mehrfach damit begründet, dass Rüstungsgüter für das ukrainische Militär transportiert würden. In Tschornomorsk seien im Zuge der Angriffe eine Fabrik für Autoteile und ein Hafenterminal getroffen worden. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben zum Kampfgeschehen nicht.

Die Ereignisse der vergangenen Tage zeigen eine weitere Eskalation im Luft- und Drohnenkrieg: Während Russland die Ukraine mit Raketen und Drohnen überzieht, zielen ukrainische Angriffe zunehmend auf militärisch genutzte Infrastruktur und Rüstungsbetriebe auf russischem Territorium. Die Ukraine beklagt zugleich, dass ihre Luftverteidigung angesichts der intensiven russischen Angriffswellen an ihre Grenzen gerät.