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Montag, 28. September 2026

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Nobelpreis-Vergabe 2026 beginnt: Jurys unter Beobachtung nach Trumps Medaillen-Geste

Die diesjährige Nobelpreis-Saison startet am 5. Oktober. Nach der umstrittenen Ehrung von María Corina Machado und ihrer symbolischen Weitergabe der Medaille an Donald Trump steht die Frage im Raum, ob das norwegische Komitee diesmal einen weniger kontroversen Preisträger wählt. Auch der Literaturnobelpreis bleibt unvorhersehbar.

Die Bekanntgabe der diesjährigen Nobelpreisträger beginnt am 5. Oktober – und rückt die Entscheidungen der Jurys erneut in den Fokus. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Friedensnobelpreis, nachdem die Vergabe des vergangenen Jahres einen spektakulären Nachhall hatte: Die venezolanische Oppositionsführerin María Corina Machado, die 2025 für ihren Einsatz für Demokratie in Venezuela geehrt wurde, schenkte ihre Preis-Medaille im Januar symbolisch Donald Trump. Der US-Präsident, der den Nobelpreis nicht erhalten hatte, sah darin einen natürlichen Schritt – er fand ohnehin, er hätte die Auszeichnung verdient gehabt.

Das norwegische Nobelinstitut hatte allerdings klargestellt, dass ein Preisträger die Auszeichnung nicht weitergeben kann. Trump muss auf seinen eigenen Nobelpreis also weiter warten. Die Geste hinterlässt dennoch einen bizarren Beigeschmack: Der Preis für den Kampf für Demokratie in Venezuela wurde plötzlich zur Bühne für Trump. «Ich glaube jedenfalls, dass das Komitee darauf achten wird, welche ungünstige Wirkung der Preis haben könnte», sagt Haakon Gjerløw, Leiter des Osloer Friedensforschungsinstituts Prio. Er ist überzeugt, dass sich das Komitee in diesem Jahr für einen weniger kontroversen Preisträger entscheiden dürfte. «Das könnte für jemanden sprechen, der im humanitären Bereich arbeitet.»

Schon vor der Vergabe 2025 hatten etwa die Emergency Response Rooms im Sudan Aufmerksamkeit auf sich gezogen – lokale Netzwerke, die seit Beginn des Krieges humanitäre Hilfe in Form von Lebensmitteln, medizinischer Versorgung und Notunterkünften organisieren. Zugleich bleiben die Entscheidungen der Nobeljurys jedes Mal schwer vorauszusagen. Das gilt nicht nur für die Kategorie Frieden, sondern insbesondere für den Literaturnobelpreis. «Es ist reine Kaffeesatzleserei, das muss man bei einigen hundert Schriftstellern, die infrage kommen, zugeben», sagt Literaturkritiker Denis Scheck. Die Schwedische Akademie, Hüter des Nobelgeheimnisses in dieser Kategorie, lässt sich nicht in die Karten gucken – und will sich auch von Proporz-Denken nicht leiten lassen. Gleichwohl sind zuletzt immer abwechselnd ein Mann und eine Frau ausgezeichnet worden – im vergangenen Jahr der Ungar László Krasznahorkai.

Für die diesjährige Vergabe hat Scheck klare Favoritinnen: Die Kanadierin Margaret Atwood, die US-Amerikanerin Siri Hustvedt oder die Chinesin Can Xue hätten den Preis verdient, meint er. «Alle Drei haben ein beeindruckendes Werk.» Can Xue war bereits 2025 als Favoritin gehandelt worden. «Sie schreibt verblüffende Erzählungen und Romane, in denen Tiere eine große Rolle spielen», sagt der Literaturkritiker. Sollte der Preis an einen Mann gehen, plädiert Scheck dafür, «endlich Salman Rushdie auszuzeichnen». Wir lebten in einem Zeitalter des politischen und religiösen Totalitarismus, sagt er – und in Rushdies Werk sei der Widerstand gegen beides eingeschrieben.

Der Nobelpreis-Bilanz, könnte mancher meinen, wäre es zu wünschen, dass es eine Frau wird: Denn Männer dominieren die Nobelgeschichte massiv. Nur 67 Frauen haben einen der begehrten Preise bekommen – von fast 1.000 Preisträgern. Daran rasch etwas zu ändern, ist bei wenigen Preisträgern pro Jahr nicht einfach. Bewusst sind sich die Nobelinstitutionen des Problems. Doch gerade in den Naturwissenschaften schließt sich die Lücke nur langsam. In den Kategorien Physik und Chemie gab es seit der ersten Vergabe der Nobelpreise vor 125 Jahren weniger als zehn Preisträgerinnen. Den Wirtschaftspreis haben sogar nur drei Frauen bekommen. Den Medizinpreis, dessen Bekanntgabe den Nobelpreisreigen eröffnet, immerhin 14.

Woran das liegt, machte der frühere Ständige Sekretär der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften, Göran K. Hansson, schon 2017 in einem Interview fest: Nicht nur die historische Unterrepräsentation von Frauen in wissenschaftlichen Karrieren sei ausschlaggebend – oft werden die Preise für Entdeckungen und Erfindungen vergeben, die viele Jahrzehnte zurückliegen. Auch die Nominierenden waren lange überwiegend männlich. Immerhin in einer Hinsicht wird der Nobelpreis definitiv weiblicher: An der Spitze der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften, die die Preise für Medizin (5.10.), Physik (6.10.), Chemie (7.10.) und Wirtschaftswissenschaften (12.10.) vergibt, steht seit Januar die gebürtige Belgierin Ellen Moons. Das ist historisch, denn sie ist die erste Frau in diesem Amt seit der Gründung der Akademie 1739. Zum ersten Mal überhaupt werden die Nobelpreisträger in den drei Kategorien von einer Frau verkündet. Die bezeichnet es im schwedischen Radio als eine «natürliche Entwicklung», dass nicht nur die Preise, sondern auch die Nobel-Institutionen weiblicher werden. Auf ihre neue Aufgabe freut sie sich: «Das wird aufregend.» Nicht nur für Moons: Anfang Oktober wird die Weltöffentlichkeit wieder gespannt nach Stockholm und Oslo blicken.

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Franziska Thielmann

Autor

Reporterin

Franziska Thielmann berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

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