Selenskyj warnt Fluggesellschaften vor russischem Luftraum
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat internationale Fluggesellschaften vor Überflügen über Russland gewarnt. Der russische Luftraum werde durch Drohnen und Raketen faktisch unberechenbar. Zudem bestätigte Kiew eine Bitte der USA um Angriffspausen auf Moskau und St. Petersburg während des CIA-Besuchs.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat alle internationalen Fluggesellschaften vor Flügen über russischem Territorium gewarnt. In seiner abendlichen Videobotschaft erklärte er, der russische Luftraum werde „vollkommen unsicher“. Die Ukraine drohe dabei jedoch nicht der zivilen Luftfahrt oder einzelnen Flugzeugen. „Es wird einfach so viele Drohnen im russischen Luftraum geben, dass man dies berücksichtigen muss“, sagte Selenskyj. Der Luftraum werde „faktisch“ geschlossen. Erst in der vergangenen Woche hatte er den Einsatz von bis zu 1.000 weitreichenden Drohnen täglich angedroht.
Selenskyj bestätigte zugleich Medienberichte, wonach die USA für die vergangene Woche um eine Unterbrechung von Angriffen auf Moskau und St. Petersburg gebeten hatten. In diesem Zeitraum reiste CIA-Direktor John Ratcliffe unangekündigt nach Moskau. Darüber hinaus habe ein weiterer Staat laut Selenskyj um eine Pause für Angriffe auf Wladiwostok ersucht. In der russischen Großstadt am Pazifik findet von Dienstag bis Freitag ein Wirtschaftsforum mit internationalen Gästen und einem Auftritt von Präsident Wladimir Putin statt. Ukrainische Angriffe in der mehr als 6.000 Kilometer von der Ukraine entfernten Region des Fernen Ostens sind bisher nicht erfolgt.
Bei einem „massiven“ russischen Angriff auf Kiew sind nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko acht Menschen getötet worden. Der nächtliche Angriff habe zudem zahlreiche Verletzte gefordert. Drohnen und Raketen machten den russischen Luftraum unkalkulierbar, während die Ukraine zugleich unter den fortgesetzten russischen Luftschlägen auf ihre Städte leidet. Selenskyj kritisierte in diesem Zusammenhang auch Partnerländer für Urlaube und eine „Diplomatie nach Plan“, ohne ins Detail zu gehen.
Die Ukraine hat die deutschen Maßnahmen gegen Russland nach dem misslungenen Anschlag mit einer Sprengstoff-Drohne auf dem Flughafen Leipzig/Halle positiv bewertet. „Ich begrüße die entschlossene Reaktion Deutschlands auf den russischen Angriff in Leipzig“, schrieb der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksii Makeiev, auf der Plattform X. Kiew stehe in engem Austausch mit Berlin bei der Sicherung kritischer Infrastruktur vor Drohnen, einem koordinierten Vorgehen gegen die russische „Schattenflotte“ und weiteren Sanktionen gegen Russland.
Berlin hatte Moskau offiziell für den Vorfall auf dem Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich gemacht und unter anderem die Schließung des russischen Konsulats in Bonn und des Russischen Hauses in Berlin angekündigt. Aus Regierungskreisen in Berlin hieß es, die Bundesregierung werde als Reaktion auf den mutmaßlich russischen Anschlag neben Sanktionen auch die militärische Hilfe für die Ukraine verstärken. Im September werde man der Ukraine weitere Luftabwehrraketen des Typs Iris-T sowie „zeitnah“ auch mehrere tausend Angriffsdrohnen liefern. Zudem werde die Zusammenarbeit der Geheimdienste mit Kiew weiter verstärkt.
„Die Ukraine war in den letzten Monaten maßgeblich dank deutscher Hilfe militärisch sehr erfolgreich“, hieß es aus Regierungskreisen. Russland habe darauf keine strategische Antwort. Der Strategieersatz für Moskau sei Eskalation, sowohl mit militärischen Schlägen in der Ukraine als auch durch verstärkte hybride Attacken. „Wir müssen uns auf weitere, auch eskalierende hybride Angriffe Russlands einstellen.“ Kanzler Friedrich Merz (CDU) habe wegen der Tragweite des Vorgehens durchgehend eine zentrale Rolle im Prozess gespielt, den Drohnenangriff in Leipzig/Halle Russland zuzuweisen und Gegenmaßnahmen festzulegen. „Er hat dabei politischen Rahmen und Richtung vorgegeben“, hieß es in der Regierung.
Die Ukraine wehrt sich mit westlicher Hilfe seit mehr als vier Jahren gegen die russische Invasion. Deutschland ist inzwischen der größte Einzelunterstützer des osteuropäischen Landes. Die jüngsten Entwicklungen zeigen, dass der Konflikt zunehmend auch hybride Dimensionen annimmt, die weit über das Schlachtfeld in der Ukraine hinausreichen.




