Spanische Regierung räumt LZB-Ausfall vor Zugunglück bei Toledo ein
Nach dem schweren Zugunglück bei Toledo mit 68 Toten richtet sich der Blick auf die Linienzugbeeinflussung LZB. Das Sicherungssystem war am Unglückstag ausgefallen, ob es die Ursache war, ist noch offen.
Nach dem schweren Zugunglück in der spanischen Provinz Toledo mit 68 Toten richtet sich der Blick auf das Zugsicherungssystem LZB. Es wird auf der Strecke zwischen Madrid und Sevilla genutzt und ist seit Jahren Gegenstand von Kritik. Ob es eine Rolle bei dem Unglück spielte, ist bislang völlig unklar.
Nach Angaben der spanischen Regierung war die LZB am Unglückstag gegen 8.30 Uhr nach einem Computerausfall auf einem 63 Kilometer langen Streckenabschnitt nicht wieder eingeschaltet worden. Wie es anschließend zum Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge kommen konnte, ist nicht abschließend geklärt. Verkehrsminister Óscar Puente hatte den Ausfall bestätigt. Eine erste Erklärung der Regierung liegt zwar vor, Details sind jedoch weiterhin offen. Bis die Ursachen endgültig geklärt sind, dürften nach Einschätzung von Beobachtern Monate, wenn nicht Jahre vergehen. Auch der Bahnverband verwies darauf, dass vor einer gründlichen Untersuchung keine abschließenden Aussagen zu den Unfallursachen möglich seien.
Die Linienzugbeeinflussung soll Züge automatisch zum Stehen bringen, wenn Signale nicht beachtet oder zulässige Geschwindigkeiten überschritten werden. Anders als die punktförmige Überwachung PZB erfasst die LZB die gesamte Strecke und überprüft dauerhaft die korrekte Geschwindigkeit. Sie ist vor allem im Fernverkehr auf Hochgeschwindigkeitsstrecken gefragt.
Gerade dieses System steht in Spanien nun in der Kritik. Der Ingenieur Salvador García-Ayllón sprach gegenüber dem TV-Sender La Sexta davon, die LZB habe im Laufe der Jahre an Widerstandsfähigkeit und Zuverlässigkeit verloren. Er verwies auf „fehlende Investitionen, schlechte Planung und eine jahrelang mangelhafte Steuerung des Systems“. Die Strecke war 1992 eingeweiht worden. Befragte Mitarbeiter des Schienennetzbetreibers Adif sagten der Zeitung „ABC“, die Behörden hätten genau gewusst, dass die Strecke Madrid–Sevilla nicht sicher gewesen sei. Die LZB sei ein veraltetes System, das häufig ausgefallen sei.
Die Madrid–Sevilla-Strecke ist die einzige Hochgeschwindigkeitsstrecke in Spanien, die noch die LZB als Hauptsicherungssystem nutzt. Die Umstellung auf das europäische System ERTMS, zu dem das digitale ETCS gehört, läuft bereits und sollte Ende 2026 abgeschlossen sein. Wenige Wochen vor dem Unglück hatten auf dem betroffenen Abschnitt laut Medienberichten Tests mit der neuen Technik begonnen. Das spanische Verkehrsministerium räumte laut „ABC“ ein, ERTMS sei „sicherer und moderner“. Andere Fachleute halten beide Systeme in Sachen Sicherheit grundsätzlich für gleichwertig. Welche Rolle der Ausfall der LZB und der Umgang damit tatsächlich spielten, müssen die Ermittlungen klären.
In Deutschland ist die LZB nach früheren Angaben einer Sprecherin der Deutschen Bahn seit 2018 auf allen Strecken des rund 33.000 Kilometer großen Netzes verbaut. Daneben ist die punktförmige Zugbeeinflussung PZB flächendeckend im Einsatz. Sie überprüft an bestimmten Stellen per Sensoren an Gleis und Fahrzeug, ob Haltesignale beachtet und Geschwindigkeiten eingehalten werden. In Europa gibt es mehr als 20 verschiedene nationale Systeme, die die EU durch das digitale ETCS ablösen und vereinheitlichen möchte.
Trotz solcher seltenen schweren Unfälle gilt Bahnfahren im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln als sehr sicher. Der Lobbyverband Allianz pro Schiene errechnete, dass das Verletzungsrisiko im Vergleich zum Auto rund 140 Mal geringer ist. Zwischen 2015 und 2024 kamen in Deutschland auf eine Milliarde Personenkilometer im Bahnverkehr 0,03 Tote, im Auto 1,15 und im Bus 0,13. Das letzte größere Unglück in Deutschland ereignete sich im Juli vergangenen Jahres in Riedlingen in Baden-Württemberg, als ein Regionalzug nach starken Regenfällen in einen Hangrutsch fuhr und entgleiste. Dabei starben zwei Bahnmitarbeiter und eine 70-jährige Reisende. Beim Zugunglück von Eschede im Juni 1998, dem bislang größten in der Geschichte der Bundesrepublik, starben mehr als 100 Menschen, als ein ICE bei Tempo 200 entgleiste, nachdem ein Radreifen gebrochen war.
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