USA und Iran melden neue gegenseitige Angriffe
Die USA haben iranische Ziele nahe der Straße von Hormus angegriffen. Die iranischen Revolutionsgarden kündigten Vergeltung an. Trump droht mit einer Ausweitung der Angriffe.
Die militärische Auseinandersetzung zwischen den USA und dem Iran hat sich erneut verschärft. Beide Seiten meldeten in der Nacht neue gegenseitige Angriffe. US-Präsident Donald Trump bestätigte, dass amerikanische Streitkräfte iranische Ziele nahe der Straße von Hormus ins Visier genommen hätten. Kurz darauf erklärten die iranischen Revolutionsgarden über mehrere Staatsmedien, eine Vergeltungsaktion habe begonnen. Demnach sollten US-Stützpunkte in der Region mit Raketen und Drohnen beschossen werden. Mehrere Staatsmedien berichteten, Ziel seien erneut US-Basen in Jordanien gewesen, zudem sei eine Einrichtung in Bahrain attackiert worden.
Die Angriffe folgten auf eine Eskalation in der Nacht zum Montag, als es erstmals seit Ende Juli wieder zu gegenseitigen militärischen Schlägen gekommen war. Das US-Militär hatte nach eigenen Angaben Einheiten der Revolutionsgarden attackiert, die Minen in der Straße von Hormus verlegen wollten. Der Iran feuerte daraufhin Raketen auf US-Stützpunkte in Jordanien, die jordanischen Angaben zufolge abgefangen wurden. Die erneuten Angriffe zeigen, dass eine dauerhafte Beilegung des Konflikts auch mehr als sechs Monate nach seinem Beginn nicht in Sicht ist.
Trump bezeichnete die neuen US-Angriffe als „große und gewaltige“ Vergeltung für den gescheiterten Versuch der Iraner, Seeminen in der Meerenge zu verlegen. Er bekräftigte die US-Darstellung, dass es in der für den globalen Handel mit Öl, Gas und Dünger wichtigen Route aktuell keine Seeminen gebe. Zugleich stellte er die Angriffe als Reaktion auf den jüngsten iranischen Raketenbeschuss auf US-Stützpunkte in Jordanien dar. Der Präsident drohte dem Iran für den Fall weiterer Vergeltung mit einer deutlichen Ausweitung der Militärschläge: „Sollte die gescheiterte Nation Iran auf diesen völlig gerechtfertigten Angriff reagieren, wird sie erneut noch viel härter und in größerem Umfang getroffen werden.“
Das US-Militärkommando Centcom teilte mit, die Angriffe hätten um 12.00 Uhr US-Ostküstenzeit begonnen und sich gegen Ziele der Revolutionsgarden im Iran gerichtet. Nähere Angaben zu den Zielen machten die Streitkräfte zunächst nicht. Iranische Staatsmedien berichteten über Explosionen in mehreren Regionen, darunter die Insel Gheschm, die Großstadt Bandar Abbas an der Straße von Hormus sowie die Hafenstädte Konarak und Tschabahar. Auch von der Insel Lavan im Persischen Golf wurden Explosionen gemeldet.
Medienberichten zufolge kamen bei einem Angriff auf eine Hochzeitsfeier im Raum Sirik vier Menschen ums Leben, darunter ein vierjähriges Kind. Mehr als 50 Menschen seien verletzt worden, berichtete der staatliche iranische Rundfunk unter Berufung auf Rettungskräfte. Die Angaben konnten zunächst nicht unabhängig geprüft werden. Die Revolutionsgarden erklärten, die USA hätten mehrere Orte bombardiert, darunter auch zivile Gebiete. Durch die Angriffe werde die Blockade der Straße von Hormus durch den Iran verschärft.
Die Ölpreise reagierten auf die Zuspitzung mit deutlichen Anstiegen. Der Preis für ein Barrel Rohöl der Sorte Brent kletterte zwischenzeitlich auf den höchsten Stand seit rund zweieinhalb Monaten und erreichte 95,44 Dollar. Die Luftwaffe der Vereinigten Arabischen Emirate reagierte zudem auf eine Drohne, die über den Hoheitsgewässern des Landes entdeckt worden war. Das unbemannte Fluggerät sei aus Richtung des Irans gekommen, teilte das Verteidigungsministerium mit.
Nach Informationen des US-Nachrichtenportals „Axios“ sind die neuen Angriffe Teil eines Plans, den Trump und seine ranghohen Berater in den vergangenen Tagen erwogen hätten. Der Plan sei in der vergangenen Woche von Centcom ausgearbeitet worden und sehe begrenzte Angriffe in der Straße von Hormus vor, um den Iran daran zu hindern, seine Radar- und Raketenkapazitäten zum Angriff auf Schiffe wieder aufzubauen. Ziel sei es, das Risiko iranischer Angriffe auf Öltanker sowie Schiffe und Flugzeuge des US-Militärs zu verringern, zitierte das Portal einen US-Beamten.




