Bull und Schwarz Digits wollen europäische KI- und Cloud-Plattform aufbauen
Das französische Unternehmen Bull und der deutsche IT-Spezialist Schwarz Digits planen eine Alternative zu den Angeboten großer US-Anbieter. Die Initiative soll Europa digital unabhängiger machen.
Das französische Unternehmen Bull und der deutsche IT-Spezialist Schwarz Digits wollen gemeinsam eine eigene Plattform für künstliche Intelligenz und Cloud-Dienste schaffen. Ziel ist es, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen in Europa eine Alternative zu den Angeboten US-amerikanischer Anbieter zu bieten. Damit verbindet sich die Hoffnung, dass Europa in einem zentralen Zukunftsfeld weniger abhängig von den USA wird.
Die Frage der digitalen Souveränität hat in den vergangenen Jahren an Gewicht gewonnen. Viele europäische Verwaltungen, Unternehmen und Forschungseinrichtungen speichern ihre Daten und betreiben ihre Anwendungen bislang überwiegend auf der Infrastruktur großer amerikanischer Technologiekonzerne. Daraus ergeben sich Fragen nach Datenschutz, Kontrolle und langfristiger Abhängigkeit, die das neue Angebot beantworten soll.
Die Kooperation zwischen einem französischen Traditionsunternehmen und einem deutschen IT-Dienstleister steht exemplarisch für den Versuch, nationale Stärken zu bündeln. Bull bringt Erfahrung mit Hochleistungsrechnern und sicherheitskritischen IT-Systemen mit, Schwarz Digits verfügt über Know-how bei Cloud-Infrastruktur und Rechenzentren. Beide Partner wollen ihre Kompetenzen so verknüpfen, dass eine leistungsfähige europäische Alternative entsteht.
Die Einordnung des Vorhabens zeigt, wie eng technische und politische Fragen miteinander verknüpft sind. Wer Daten nicht auf Systemen außerhalb des eigenen Rechtsraums verarbeiten möchte, sucht nach Anbietern, deren Infrastruktur in Europa steht und europäischem Recht unterliegt. Eine solche Plattform könnte damit besonders für Behörden und Branchen mit hohen Anforderungen an Vertraulichkeit interessant sein.
Ob das Projekt gelingt, wird sich vor allem daran messen lassen, ob die Plattform im Wettbewerb mit den großen US-Anbietern bei Leistung, Preis und Funktionsumfang bestehen kann. Europäische Initiativen dieser Art stehen seit Jahren vor der Herausforderung, dass amerikanische Konzerne über deutlich größere Investitionsmittel und ein weit verbreitetes Ökosystem an Entwicklern und Anwendungen verfügen. Die Verbindung von Souveränität und technischer Konkurrenzfähigkeit bleibt daher die zentrale Aufgabe des Projekts.
Für Nutzerinnen und Nutzer dürfte entscheidend sein, wie leicht sich bestehende Anwendungen auf die neue Plattform übertragen lassen. Viele Unternehmen haben ihre Software eng an die Dienste amerikanischer Anbieter angepasst, und ein Wechsel ist mit Aufwand verbunden. Ob Bull und Schwarz Digits hier Kompatibilität und Übergangslösungen anbieten, geht aus den bisher vorliegenden Informationen nicht hervor und bleibt abzuwarten.
Quelle: sueddeutsche.de
3




