Deutsche sparen trotz Inflationsängsten und halten ihr Geld zusammen
Die Konsumlaune in Deutschland bleibt schwach. Viele Haushalte haben kaum finanzielle Reserven, und größere Anschaffungen werden aufgeschoben, wie aktuelle Umfragen von Debeka, YouGov sowie der Konsumklimastudie von GfK und NIM zeigen.
Die Deutschen halten ihr Geld zusammen, und größere Ausgaben werden aufgeschoben. Die Tendenz zum Sparen ist weiterhin hoch, die Lust auf Anschaffungen dagegen gering. Mehrere aktuelle Umfragen zeichnen dasselbe Bild einer verunsicherten Verbraucherschaft.
Besonders deutlich wird dies an einer alltäglichen Frage: Elf Prozent der Menschen in Deutschland sagen, sie könnten sich im Ernstfall keinen neuen Kühlschrank leisten, wenn das bisherige Gerät kaputtginge. Das Meinungsforschungsinstitut YouGov hat diese Frage gestellt. Nur gut die Hälfte, konkret 51 Prozent, antwortete, eine Neuanschaffung sei problemlos möglich. 21 Prozent würden sich dann im Alltag einschränken müssen, zehn Prozent sogar stark. Die Befragten zeigen damit, wie eng der finanzielle Spielraum vieler Haushalte geworden ist.
Auch die finanziellen Reserven sind laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Debeka-Versicherung knapp bemessen. Demnach könnten nur 51 Prozent der erwachsenen Bürger ihre laufenden Ausgaben mindestens drei Monate lang decken, falls das regelmäßige Haushaltseinkommen wegfiele. 22 Prozent kämen nur einen Monat lang aus, ein knappes Viertel, also 23 Prozent, käme ein halbes Jahr zurecht. Rentner wurden bei dieser Fragestellung nicht berücksichtigt.
Schon einzelne unerwartete Rechnungen stellen viele Haushalte vor Probleme. 37 Prozent der Befragten gaben an, eine unerwartete Ausgabe von 3.000 Euro nicht kurzfristig begleichen zu können, ohne in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten. Besonders betroffen sind laut der Studie jüngere Menschen im Alter zwischen 18 und 29 Jahren. Nur etwa jeder Siebte wäre bereit, notfalls auf die Altersvorsorge zurückzugreifen.
Wenn der Druck steigt, reagieren die meisten Menschen zuerst beim eigenen Konsum. Laut der Debeka-Studie nennen 54 Prozent das Reduzieren von Ausgaben als wichtigste Maßnahme. Die langfristige Absicherung bleibt dagegen weitgehend unangetastet: Nur 14 Prozent würden bei einer größeren finanziellen Belastung ihre Sparbeiträge oder ihre Vorsorge kürzen.
Auch die aktuelle Konsumklimastudie der Nürnberger Institute GfK und NIM zeigt eine anhaltend gedämpfte Stimmung. Die Konsumstimmung liegt deutlich unter dem Vorjahresniveau, wie die Forscher festhalten. Zwar steigen die Konjunkturerwartungen, und die Wirtschaftsforscher prognostizieren wieder Wachstum. Die Sparneigung der Verbraucher sinkt leicht. Gleichzeitig gehen jedoch die Anschaffungsneigung und, wegen wachsender Inflationssorgen, auch die Einkommenserwartungen zurück. Letztere waren vor einem Monat regelrecht eingebrochen und gaben nun erneut leicht nach.
Der NIM-Konsumexperte Rolf Bürkl kommentierte die Ergebnisse so: „Die Verbraucher blicken zwar zunehmend optimistischer auf die wirtschaftliche Entwicklung, doch beim Blick in den eigenen Geldbeutel überwiegt weiterhin die Skepsis.“ Der erneut eingeführte Tankrabatt verbessere die Gesamtsituation nicht signifikant. „Wachsende Inflationssorgen und verhaltene Einkommensaussichten bremsen die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen, auch wenn die Sparneigung etwas sinkt“, sagte Bürkl. „Die Hoffnung auf einen wirtschaftlichen Aufschwung ist da, aber die Bereitschaft, mehr Geld auszugeben, zieht bislang noch nicht mit.“
Die Konsumklimastudie wird laut den Forschern seit 1974 regelmäßig erhoben. Die jüngsten Befunde deuten darauf hin, dass sich die Kaufzurückhaltung der Verbraucher trotz einzelner Lichtblicke vorerst nicht auflöst.
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