Großinsolvenzen in Deutschland erreichen neuen Höchststand
Die Zahl der Großinsolvenzen in Deutschland steigt weiter. Besonders betroffen ist die Automobilbranche. Der Kreditversicherer Allianz Trade erwartet auch 2026 keine Entspannung.
Die Zahl der Großinsolvenzen in Deutschland hat einen neuen Höchststand erreicht. Im ersten Halbjahr wurden 33 Firmenpleiten von Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 50 Millionen Euro registriert, wie eine Untersuchung des Kreditversicherers Allianz Trade ergab. Das sind zehn Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Bereits im gesamten Jahr 2025 gab es mit 94 Großinsolvenzen den höchsten Wert seit Beginn der Auswertungen im Jahr 2015. Zum Vergleich: 2024 waren es 87 Großpleiten, 2023 lag die Zahl bei 64.
Besonders stark betroffen ist die Automobilbranche, die im ersten Halbjahr sieben Großinsolvenzen verzeichnete. Dahinter folgen der Einzelhandel mit fünf Fällen sowie der Maschinenbau und der Dienstleistungssektor mit jeweils vier Großpleiten. Der wirtschaftliche Schaden wächst parallel zur Zahl der Insolvenzen: Der kumulierte Jahresumsatz der betroffenen Großunternehmen stieg im ersten Halbjahr um drei Prozent auf 4,5 Milliarden Euro. Allerdings sank der durchschnittliche Umsatz insolventer Großfirmen um knapp sieben Prozent auf rund 137 Millionen Euro, was darauf hindeutet, dass zuletzt etwas kleinere Unternehmen in die Schieflage gerieten.
Milo Bogaerts, Deutschland-Chef von Allianz Trade, rechnet auch im weiteren Jahresverlauf nicht mit einer nachhaltigen Entspannung. „Es gibt auch 2026 keine Verschnaufpause bei den Großinsolvenzen“, sagte er. Der Negativtrend aus dem Vorjahr verfestige sich und zeige, dass der Anpassungsdruck in vielen Branchen weiterhin enorm sei. Besonders anfällig für finanzielle Schieflagen blieben Branchen mit hohen Investitions- und Energiekosten sowie Unternehmen mit geringer Preissetzungsmacht.
Großunternehmen stünden häufig im Zentrum komplexer Wertschöpfungsketten, erklärte Bogaerts. „Fällt ein Marktteilnehmer dieser Größenordnung aus, geraten oftmals auch Zulieferer, Dienstleister und andere Geschäftspartner unter Druck.“ Die Folgen einer Großinsolvenz reichten damit weit über das einzelne Unternehmen hinaus und könnten ganze Regionen und Branchennetzwerke belasten.
International zeigt sich ein ähnlicher Trend. Weltweit gab es im ersten Halbjahr 247 Großinsolvenzen – 13 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die meisten Firmenpleiten verzeichneten der Einzelhandel, der Dienstleistungssektor sowie das Baugewerbe. „Die Zahl der Großinsolvenzen steigt in vielen Regionen der Welt“, sagte Maxime Lemerle, Leiter der Insolvenzforschung bei Allianz Trade. Westeuropa bleibe jedoch besonders betroffen und stehe für mehr als 60 Prozent aller erfassten Fälle.
Die anhaltend hohe Zahl an Großinsolvenzen dürfte auch die deutsche Wirtschaft insgesamt belasten. Arbeitsplätze in Großunternehmen und deren Zulieferbetrieben stehen auf dem Spiel, während Kommunen und Bundesländer mit sinkenden Steuereinnahmen und höheren Sozialausgaben rechnen müssen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob sich der Negativtrend fortsetzt oder ob Konjunkturprogramme und strukturelle Reformen eine Kehrtwende einleiten können.




