Halbleiterproduzent Vishay investiert Millionen in Standort Itzehoe
Der Halbleiterhersteller Vishay baut seine Produktion in Itzehoe aus und stellt künftig größere Wafer her. Das Land Schleswig-Holstein unterstützt das Vorhaben mit rund 215 Millionen Euro, bis zu 250 neue Arbeitsplätze sollen entstehen.
Der Halbleiterhersteller Vishay investiert einen „hohen dreistelligen Millionenbetrag“ in seine Produktionsstätte in Itzehoe in Schleswig-Holstein. Das Unternehmen will dort künftig Halbleiterscheiben mit einem Durchmesser von 300 Millimetern fertigen, die bisher verwendeten 200-Millimeter-Scheiben werden durch die größeren ersetzt. Die genaue Summe nannte das Unternehmen nicht. Nach Angaben des wirtschaftspolitischen Sprechers der CDU-Landtagsfraktion, Andreas Hein, geht es um rund eine Milliarde Euro.
Für die Erweiterung erhält Vishay eine Förderung von rund 215 Millionen Euro vom Bund und vom Land. Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) übergab den Förderbescheid am Standort. Die Europäische Kommission hat die Hilfe bereits genehmigt, wie im Juli bekanntgegeben wurde. Weitere Mittel fließen in Halbleiterprojekte in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Bayern.
Die größeren Wafer bringen einen wirtschaftlichen Vorteil: Aus einer Scheibe lassen sich mehr Chips und Bauteile herstellen. Vishay will daraus Leistungstransistoren fertigen, sogenannte Power-Mosfets, die auf hohe elektrische Ströme und Spannungen ausgelegt sind. Laut Unternehmen ist die Produktion für die Automobilindustrie sowie für industrielle und kommerzielle Anwendungen vorgesehen, unter anderem in Hochleistungsrechnern für künstliche Intelligenz, in der Telekommunikation und in der IT-Infrastruktur.
Trotz automatisierter Produktionsabläufe sollen am Standort nach Angaben des Unternehmens bis zu 250 neue Arbeitsplätze entstehen. Madsen sagte, die Investition führe zur Ansiedlung von Know-how und Fachkräften, was auch für benachbarte Unternehmen wichtig sei. Das Land bekomme Hochtechnologie, „eine gewisse Souveränität und die Chance für Innovationen“.
Die Mikroelektronik gilt als Schlüsseltechnologie, Mikrochips werden unter anderem für Smartphones, Computer und Autos benötigt. Vishay ist auf sogenannte diskrete Halbleiterelemente spezialisiert, also eher einfache Halbleiter, sowie auf passive Bauelemente wie Widerstände. Markus Keil, Fertigungschef für Waferherstellung bei Vishay, betonte, nur durch staatliche Förderung bleibe das Unternehmen konkurrenzfähig. „Fördern ist dramatisch wichtig, weil die Kosten in Europa deutlich höher sind als in Wettbewerbsstaaten, beispielsweise in Asien.“ Dies liege vor allem an vielfach höheren Lohn- und Baukosten.
Keil zufolge gehören Halbleiter zur kritischen Industrie, und angesichts der geopolitischen Lage sei Eigenständigkeit in der Produktion in Deutschland und Europa wichtig. Auch Madsen verwies auf verwundbare Lieferketten: Man habe in den vergangenen Jahren gesehen, wie Lieferketten durch ein quer liegendes Schiff oder durch Kriege und Krisen unterbrochen würden. Deshalb werde es umso wichtiger, diese Technologien auch in Europa zu haben.
Vishay ist Teil eines norddeutschen Netzwerks zur Förderung der regionalen Chipindustrie. Halbleiterunternehmen und Forschungseinrichtungen aus Hamburg und Schleswig-Holstein gründeten dieses Jahr das Northern Chip Network. Daran beteiligt sind unter anderem die Unternehmen Nexperia, NXP Semiconductors, Semikron Danfoss und X-Fab.
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