Zum Inhalt springen
Понедельник, 03. Август 2026Deutschland · Europa · Welt
Grenzah

Nachrichten über Grenzen hinweg — präzise, nah und im Zusammenhang.

Wirtschaft

Israel lehnt Truppenabzug aus Gaza ab

Israel lehnt einen Truppenabzug aus dem Gazastreifen ab. Der Friedensplan steht damit vor dem Scheitern. Zudem meldet die britische Seefahrtbehörde eine Explosion nahe eines Tankers in der Straße von Hormus, während die USA neue Gespräche mit dem Iran ankündigen.

Israel lehnt Truppenabzug aus Gaza ab
Nahost-Krieg aktuell: Israel lehnt Truppenabzug aus Gaza ab
Grenzah AudioBereit
0:00 / 0:00

Israel lehnt einen Rückzug seiner Truppen aus dem Gazastreifen und einen Stopp der Angriffe in dem Gebiet weiterhin ab. Damit droht der international vorangetriebene Friedensplan für den Gazastreifen zu scheitern. Ein ranghoher israelischer Regierungsvertreter sagte: «Israel wird sich nicht von der derzeitigen Linie im Gazastreifen zurückziehen und weiterhin jede Bedrohung für unsere Bürger und Soldaten vereiteln.» Beide Schritte sind zentrale Bausteine des Fahrplans, den der sogenannte Gaza-Friedensrat vorgelegt hat.

Der Fahrplan sieht vor, dass Israel, die Hamas und andere bewaffnete palästinensische Gruppierungen die Kampfhandlungen einstellen. Anschließend soll eine palästinensische Übergangsverwaltung, unterstützt von einer internationalen Stabilisierungstruppe, die alleinige Autorität über Verwaltung und Sicherheit im Gazastreifen übernehmen. Schwere Waffen sollen eingelagert, Waffenlager und Produktionsstätten stillgelegt und Tunnel unbrauchbar gemacht werden. Der gesamte Prozess soll international überwacht und schrittweise umgesetzt werden.

An der Umsetzung des Plans gibt es jedoch erhebliche Zweifel. Die Hamas knüpft die Abgabe schwerer Waffen an mehrere Bedingungen, darunter den Abzug der israelischen Armee aus dem Gazastreifen und die Gründung eines palästinensischen Staates. Israel wiederum betont, ohne eine tatsächliche Entwaffnung der Hamas werde es keinen Rückzug geben. Die Positionen liegen damit weiterhin weit auseinander.

Für zusätzliche Spannungen sorgt ein Vorfall in der Straße von Hormus, einer der strategisch wichtigsten Seerouten der Region. In der Nähe eines Tankers hat sich dort offenbar eine Explosion ereignet. Der Kapitän des Schiffes meldete nach Angaben der britischen Seefahrtbehörde UKMTO, er habe eine «Explosion in unmittelbarer Nähe des Schiffes» gehört. Der Tanker und die Besatzung seien in Sicherheit. Der Vorfall ereignete sich den Angaben zufolge rund 20 Seemeilen nordöstlich der omanischen Stadt Chasab. Die Straße von Hormus verläuft zwischen dem Iran und dem Oman. UKMTO forderte Schiffe auf, die Meerenge mit Vorsicht zu durchfahren und verdächtige Aktivitäten zu melden.

Der Iran hatte am Sonntag erklärt, vor einer Einigung mit dem Oman über eine neue Route durch die Meerenge zu stehen. Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmaeil Bakaei, betonte im Staatsfernsehen jedoch, dies bedeute nicht, dass die Meerenge wiedereröffnet werde.

Im Mittelpunkt der Bemühungen um eine Deeskalation stehen derweil neue Gespräche zwischen den USA und dem Iran. US-Präsident Donald Trump kündigte an, dass beide Seiten am Montag Verhandlungen aufnehmen werden. «Es beginnt morgen Nachmittag», sagte Trump an Bord der Präsidentenmaschine Air Force One. Zuvor hatte er einen vorläufigen Verzicht auf weitere Angriffe auf den Iran verkündet. Die USA und Israel hätten zugesagt, vorerst nicht weiter anzugreifen, weil der Iran und andere Staaten der Golfregion darum gebeten hätten. Trump schrieb von einer Einigung auf «Umrisse einer Vereinbarung». Der Iran wies diese Darstellung zurück. Die Aussage sei «nichts als eine neue Lüge», hieß es unter Berufung auf iranische Militärvertreter.

Der iranische Präsident Massud Peseschkian erklärte derweil, das Rahmenabkommen mit den USA solle zum künftigen Schwerpunkt der Außenbeziehungen seines Landes werden. «Wir müssen alles daran setzen, den Feind dazu zu zwingen, sich an das zu halten, was er unterzeichnet hat», schrieb Peseschkian auf der Plattform X. Die Sicherheit des Iran, der Region und der Verbündeten Teherans werde durch diese Absichtserklärung gestärkt. Die USA und der Iran hatten sich Mitte Juni auf ein Rahmenabkommen zur Beendigung des Krieges geeinigt. In einer Übergangsfrist von 60 Tagen sollten weitere Details ausgearbeitet werden. In der Zwischenzeit kam es immer wieder zu gegenseitigen Angriffen.

Trotz der angekündigten Gespräche geht die Gewalt im Gazastreifen unvermindert weiter. Bei israelischen Luftangriffen sind dort am Sonntag palästinensischen Angaben zufolge mindestens 15 Menschen getötet worden. Es war der zweite Tag in Folge mit Angriffen, obwohl Trump einen Durchbruch bei der Umsetzung der Waffenruhe verkündet hatte. Israelische Kampfjets bombardierten Gaza-Stadt im Norden, Deir al-Balah im Zentrum sowie die Region um Chan Junis im Süden. Unter den Toten waren nach Angaben von Medizinern zwei Ehepaare und zwei Kinder. Die Zahl von 15 Toten binnen eines Tages war nach palästinensischen Angaben die höchste seit Wochen.

Das israelische Militär erklärte, ein Angriff auf eine Wohnung in Deir al-Balah habe zwei Kommandeuren der Hamas-Elitetruppe «Nuchba» gegolten. Auch in Gaza-Stadt und Dschabalia seien militärische Ziele attackiert worden. Trump hatte am Donnerstag erklärt, die Hamas und andere bewaffnete Gruppen hätten einer Entwaffnung zugestimmt. Diese Ankündigung hatte Hoffnungen auf eine Wende in dem Konflikt geweckt.