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Sonntag, 20. September 2026

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IW verdreifacht Wachstumsprognose für 2026

IW verdreifacht Wachstumsprognose für Deutschland auf 1,2 Prozent

Das Institut der deutschen Wirtschaft hebt seine Prognose für 2026 deutlich an. Ein starkes erstes Halbjahr und staatliche Infrastrukturinvestitionen treiben die Konjunktur, doch Baukrise und hohe Energiepreise bleiben Risiken.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat seine Wachstumsprognose für das kommende Jahr deutlich nach oben korrigiert. Statt der bislang erwarteten 0,4 Prozent rechnen die Ökonomen nun mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 1,2 Prozent. Das entspricht einer Verdreifachung der ursprünglichen Schätzung. Als Gründe nennt das IW ein überraschend starkes erstes Halbjahr sowie den schuldenfinanzierten staatlichen Infrastrukturtopf, der zusätzliche Impulse setzt.

Die Revision fällt ungewöhnlich kräftig aus. Noch vor Kurzem hatten die Wirtschaftsforscher mit einer deutlich schwächeren Entwicklung gerechnet. Der staatliche Investitionsschub, der unter anderem in Infrastrukturprojekte fließt, dürfte die Binnennachfrage stützen und der Industrie Auftrieb geben. Auch das exportorientierte Verarbeitende Gewerbe profitiert von der anziehenden globalen Nachfrage, wenngleich die Belastungen durch hohe Energiepreise fortbestehen.

Trotz der optimistischen Grundtendenz bleiben erhebliche Risiken. Die Baukrise in Deutschland ist noch nicht überwunden. Gestiegene Finanzierungskosten und hohe Materialpreise bremsen den Wohnungsbau und die gewerbliche Bautätigkeit. Zudem lasten die im internationalen Vergleich hohen Energiepreise auf der Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Branchen. Das IW weist darauf hin, dass die Dynamik im weiteren Verlauf wieder spürbar nachlassen dürfte. Von einer nachhaltigen Trendwende könne keine Rede sein.

Für das laufende Jahr zeigen sich die Ökonomen ebenfalls zuversichtlicher. Zwei Wachstumsjahre in Folge gelten in Fachkreisen bereits als Erfolg, nachdem die deutsche Wirtschaft zuletzt mehrfach stagniert hatte. Die Prognose liegt damit über den Erwartungen anderer Institute, die ihre Schätzungen bislang nur moderat angehoben haben. Ob sich die optimistischere Sicht durchsetzt, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell die staatlichen Mittel tatsächlich in Projekte fließen und ob die Bau- und Energieprobleme eingedämmt werden können.

Die neue IW-Prognose dürfte auch die wirtschaftspolitische Debatte in Berlin beeinflussen. Angesichts der anhaltenden Diskussion über Standortfaktoren, Bürokratieabbau und Investitionsanreize liefert die Zahl von 1,2 Prozent den Befürwortern einer aktiven Fiskalpolitik Argumente. Kritiker warnen jedoch vor einer Überhitzung und einer steigenden Staatsverschuldung. Klar ist: Die deutsche Konjunktur erhält kurzfristig Rückenwind, doch die strukturellen Herausforderungen bleiben bestehen.

Christoph Reichert

Autor

Politischer Korrespondent

Christoph Reichert berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

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