Nestlé: Russland-Geschäft unter staatlicher Verwaltung
Der russische Staat hat das Russland-Geschäft von Nestlé unter staatliche Verwaltung gestellt. Der Lebensmittelkonzern ist damit nicht das einzige westliche Unternehmen, das von solchen Maßnahmen betroffen ist. Der Vorgang fällt in eine Zeit wirtschaftlicher Unsicherheit, die auch Japans Leitzins und den Stellenabbau bei RTL Deutschland und Sky prägt.
Der russische Staat hat das Russland-Geschäft des Schweizer Lebensmittelkonzerns Nestlé unter staatliche Verwaltung gestellt. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung in ihrem Unternehmens-Liveblog. Die Maßnahme bedeutet, dass die russischen Tochtergesellschaften von Nestlé nicht mehr der Konzernzentrale unterstehen, sondern von staatlich eingesetzten Verwaltern kontrolliert werden. Für Nestlé ist Russland ein bedeutender Markt, auf dem das Unternehmen mit Marken wie Nescafé, Maggi und KitKat vertreten ist.
Die russische Regierung hat in den vergangenen Monaten mehrfach Vermögenswerte westlicher Unternehmen unter staatliche Kontrolle gestellt. Betroffen waren unter anderem Energieunternehmen, Banken und Industriekonzerne. Die Maßnahmen werden von Moskau als Antwort auf westliche Sanktionen dargestellt. Für die betroffenen Unternehmen bedeutet die Zwangsverwaltung einen erheblichen Eingriff in ihre Eigentumsrechte. Nestlé hat sich bislang nicht öffentlich zu den genauen Auswirkungen auf sein Russland-Geschäft geäußert.
Der Vorgang ist Teil einer Reihe wirtschaftlicher Entwicklungen, die derzeit die Unternehmenswelt beschäftigen. So hat die japanische Zentralbank den Leitzins auf ein 31-Jahres-Hoch angehoben. Damit reagiert sie auf eine anhaltende Inflation und eine schwächere Yen-Währung. Die Zinserhöhung könnte globale Kapitalströme beeinflussen und auch europäische Unternehmen treffen, die in Japan engagiert sind.
In Deutschland sorgen unterdessen Stellenstreichungen bei den Sendern RTL Deutschland und Sky für Aufmerksamkeit. Beide Unternehmen wollen rund 500 Stellen abbauen. Die Gründe liegen in der Konsolidierung des Medienmarktes und dem wachsenden Kostendruck durch Streaming-Konkurrenz. Für die betroffenen Beschäftigten bedeutet dies erhebliche Unsicherheit. Die Gewerkschaften haben bereits Widerstand angekündigt.
Ein weiteres Thema im Unternehmens-Liveblog ist der Rückzug des Playmobil-Chefs. Der langjährige Geschäftsführer verlässt das Unternehmen. Die genauen Gründe für seinen Weggang sind nicht bekannt. Playmobil steht seit Jahren unter Druck durch veränderte Freizeitgewohnheiten von Kindern und eine starke Konkurrenz aus dem Ausland. Der Führungswechsel könnte nun eine Neuausrichtung des traditionsreichen Spielwarenherstellers einleiten.
Die österreichische Raiffeisenbank wehrt sich gegen den Leerverkäufer Grizzly. Das Unternehmen sieht sich offenbar mit Spekulationen gegen seine Aktie konfrontiert. Die Bank hat Maßnahmen ergriffen, um sich gegen die Angriffe zu verteidigen. Leerverkäufer setzen auf fallende Kurse und können Unternehmen unter Druck setzen, wenn sie öffentlich Zweifel an deren Geschäftsmodell äußern.
Für Nestlé bedeutet die staatliche Verwaltung in Russland einen Rückschlag in einem ohnehin schwierigen Marktumfeld. Der Konzern hatte nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs angekündigt, sein Russland-Geschäft auf ein Minimum zu reduzieren, sich aber nicht vollständig zurückzuziehen. Nun übernimmt der russische Staat faktisch die Kontrolle über die dortigen Aktivitäten. Ob und in welcher Form Nestlé Entschädigungen erhalten wird, ist unklar. Der Fall dürfte auch andere westliche Unternehmen betreffen, die noch in Russland aktiv sind.




