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Gold-Reserven: Niederlande holen 86 Tonnen aus den USA zurück

Niederlande holen 86 Tonnen Gold aus den USA zurück

Die niederländische Zentralbank hat zwischen März und August 86 Tonnen Gold aus New York abgezogen. Als Grund nennt sie geopolitische Unruhen und den Wunsch nach stärkerer Krisenvorsorge. Beobachter werten den Schritt als Misstrauenssignal gegenüber der US-Regierung.

Die niederländische Zentralbank hat in den vergangenen Monaten große Teile ihrer Goldreserven aus den USA abgezogen. Zwischen März und August wurden 86 Tonnen des Edelmetalls aus New York verlegt, wie die Bank am Mittwoch mitteilte. Als Begründung nannte sie „zunehmende geopolitische Unruhen“ und den Wunsch, die „Krisenvorsorge“ zu verstärken. Konkrete Angaben dazu, welche Ereignisse den Schritt ausgelöst haben, machte die Bank nicht.

Von insgesamt 313 Tonnen Gold, die derzeit in den USA und in Kanada lagern, wurden nach Angaben der Zentralbank 86 Tonnen abgezogen. Der überwiegende Teil stammt aus New York: Während aus der kanadischen Hauptstadt Ottawa lediglich 1,2 Prozent des gesamten niederländischen Goldbestands abgezogen wurden, waren es aus den USA fast 13 Prozent. Die Bank versuchte in ihrer Mitteilung den Eindruck zu vermitteln, dass Gold aus beiden Standorten gleichermaßen verlegt worden sei.

Beobachter werten den Schritt als deutliches Misstrauenssignal gegenüber der Regierung von US-Präsident Donald Trump. Dessen zweite Amtszeit ist geprägt von einer konfrontativen Wirtschafts- und Finanzpolitik: Seit Monaten verhängt Trump immer wieder neue Zölle gegen zahlreiche Staaten und die Europäische Union. Durch den Iran-Krieg sind zudem Öl, Gas und Benzin deutlich teurer geworden. Die US-Staatsschulden haben kürzlich die Rekordmarke von 40 Billionen Dollar überschritten.

Goldbarren gelten für viele Staaten als eine Art Notgroschen, der vor allem in Krisenzeiten als stabile Wertanlage dient. „Wir gehen davon aus, dass wir sie nie benötigen werden, aber wir müssen unsere Widerstandsfähigkeit und Vorsorge stärken“, sagte der Chef der niederländischen Zentralbank, Olaf Sleijpen, zu dem Umzug. Viele Staaten lagern nur Teile ihres Goldes im eigenen Land. Die Verteilung auf mehrere Standorte soll sicherstellen, dass im Falle eines Krieges nicht die gesamten Goldvorräte verloren gehen können. Zudem lagern viele Länder größere Mengen dort, wo mit dem Edelmetall besonders viel gehandelt wird – etwa in London oder New York.

Laurent Schwartz, Präsident des französischen Edelmetallhändlers „Comptoir National de l'Or“, bestätigte, dass die bessere Handelbarkeit in London ein Grund für Umschichtungen sein kann. Er fügte jedoch hinzu: „Der aktuelle politische Kontext in den Vereinigten Staaten könnte auch dazu führen, dass bestimmte Zentralbanken andere Lagerorte bevorzugen.“

Die US-Regierung setzt zudem den Verwalter der Goldreserven, die US-Notenbank Fed, unter Druck. Trump pocht seit seinem erneuten Einzug ins Weiße Haus darauf, dass die Leitzinsen gesenkt werden. Zunächst griff er den damaligen Fed-Chef Jerome Powell öffentlich an, unter anderem wegen angeblich zu hoher Renovierungskosten für die Zentrale in Washington. Das Justizministerium leitete zeitweise ein Verfahren gegen Powell ein, das dieser als politisch motiviert bezeichnete. Die Ermittlungen wurden erst eingestellt, nachdem sie die turnusmäßige Suche nach einem Nachfolger behindert hatten.

Auch unter Powells Nachfolger Kevin Warsh fordert Trump weiterhin Zinssenkungen. „Senkt die Zinsen, oder ich breche den Handel mit Ländern ab, mit denen wir ein Defizit haben“, schrieb Trump am Freitag auf der Plattform „Truth Social“. Bislang hat Warsh die Zinsen nicht gesenkt; die Fed agiert in dieser Frage unabhängig von der Regierung.

Die turbulenten Zeiten haben den Goldpreis in die Höhe getrieben: Seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus ist der Preis pro Feinunze Gold um mehr als 60 Prozent gestiegen. Viele Zentralbanken weltweit erwägen, ihre Goldbestände aufzustocken. Eine Umfrage des World Gold Council und des Meinungsforschungsinstituts YouGov unter 74 Zentralbanken im Juni ergab, dass 45 Prozent der Befragten planen, ihre Goldreserven im kommenden Jahr zu vergrößern.

Christoph Reichert

Autor

Politischer Korrespondent

Christoph Reichert berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

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