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Montag, 31. August 2026

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Russlands Ressourcen sind gewaltig, doch Wohlstand bleibt geografisch ungleich

Zwischen Moskau und Tuwa lag 2024 beim Pro-Kopf-Einkommen ein Faktor von rund 4,27. Die großen Distanzen prägen den wirtschaftlichen Nutzen der Rohstoffe.

Russlands Rohstoffreichtum ist kein Mythos. Die EIA schätzt die nachgewiesenen Ölreserven auf 58 Milliarden Barrel und die Gasreserven auf 1.559 Billionen Kubikfuß. 2024 wurden rund 9,2 Millionen Barrel Rohöl pro Tag gefördert. Nach USGS-Angaben stammten im selben Jahr 41 Prozent des weltweiten Palladiums und 30 Prozent der natürlichen Schmuckdiamanten aus Russland.

Auch das Naturkapital an der Oberfläche ist enorm. Die FAO veranschlagte die russischen Wälder in ihrer Bewertung von 2020 auf rund 815 Millionen Hektar — ungefähr ein Fünftel der globalen Waldfläche. Die Weltbank beziffert das russische BIP 2025 auf etwa 2,56 Billionen Dollar.

Trotzdem unterscheiden sich die regionalen Lebensverhältnisse deutlich. Das durchschnittliche monatliche Geldeinkommen pro Kopf lag laut Rosstat 2024 landesweit bei 63.959 Rubel. Moskau erreichte 143.171 Rubel, die Republik Tuwa 33.541,6 Rubel. Das Moskauer Durchschnittseinkommen war damit etwa 4,27-mal höher.

Die Armutsquote lag in den revidierten nationalen Zahlen bei 7,1 Prozent, in Tuwa bei 20,4 Prozent. Die Aussage daraus lautet nicht, dass das gesamte Land außerhalb Moskaus arm sei. Russland besitzt wirtschaftlich starke Regionalzentren und wohlhabende Fördergebiete. Sie zeigt vielmehr, wie stark das geografische Gefälle innerhalb eines einzigen Wirtschaftsraums sein kann.

Für deutschsprachige Leser in Deutschland und der Schweiz ist der Maßstab besonders auffällig. Der russische Föderationskreis Ferner Osten allein ist 6,95 Millionen Quadratkilometer groß und umfasst 40,6 Prozent des Landes, aber nur 5,38 Prozent seiner Bevölkerung. In Mitteleuropa verdichten Grenzen, Städte und Märkte die Infrastruktur; in Russland muss sie große Leerräume überbrücken.

Die Weltbank beschreibt diese räumlichen Disparitäten als Ergebnis einer besonderen Wirtschaftsgeografie: weit verstreute Bevölkerung im Landesinneren, große Marktdistanzen, sowjetische Standortentscheidungen und die Geografie der Rohstoffgewinnung. Ein Vorkommen schafft daher nicht automatisch einen breit aufgestellten regionalen Wirtschaftsraum.

Das zeigt auch die Konzentration des Gasgeschäfts. Rund 90 Prozent der russischen Gasproduktion und 78 Prozent der Reserven entfallen laut EIA auf den Autonomen Kreis der Jamal-Nenzen. Enorme Wertschöpfung ist damit an wenige, weit entfernte Produktionsräume gebunden.

Russlands unausgeschöpftes Potenzial liegt folglich weniger im bloßen Entdecken weiterer Rohstoffe als in der Verbindung der vorhandenen Ressourcen mit Verarbeitung, Zulieferern, Verkehr, Bildung und dauerhaft attraktiven Städten. Der Abstand zwischen Rohstoffwert und Lebensstandard ist vor allem ein Problem der wirtschaftlichen Vernetzung.

Dominik Zimmermann

Autor

Wirtschaftsanalyst

Dominik Zimmermann berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

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