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Montag, 31. August 2026

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Wirtschaftsweise Grimm rät bei Gasspeichern zum Abwarten

Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm sieht trotz halbleerer Gasspeicher in Deutschland keinen akuten Handlungsbedarf. Sie plädiert für Geduld und langfristige Vertragsstrukturen, warnt aber vor einer starken Abhängigkeit vom Spotmarkt und von US-Importen.

Angesichts der nur zu knapp 52 Prozent gefüllten Gasspeicher in Deutschland rät die Wirtschaftsweise Veronika Grimm der Bundesregierung von kurzfristigen staatlichen Eingriffen ab. „Ich halte es für sinnvoll, jetzt noch abzuwarten“, sagte die Ökonomin den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Zwar sei die Sorge vor steigenden Preisen berechtigt, doch müsse klar sein, dass hohe Mindestfüllstände genau wegen der daraus resultierenden hohen Preise abgeschafft worden seien.

Die niedrigeren Füllstände schüren derzeit die Sorgen um die Versorgungssicherheit im kommenden Winter und um die Preisentwicklung. In der Gaskrise 2022 nach Russlands Angriff auf die Ukraine hatte die Bundesregierung verpflichtende Vorgaben für die Speicherbetreiber eingeführt. Im Jahr 2025 wurden diese Vorgaben jedoch abgesenkt. Derzeit gilt für die meisten Speicher, dass sie zum 1. November zu mindestens 80 Prozent gefüllt sein müssen. In vielen Fällen ist das Erreichen dieser Zielvorgabe bereits kaum noch möglich.

Werden die Ziele nicht erreicht, kann der Staat die Befüllung beauftragen. Eine Befürchtung ist, dass Gasverkäufer genau auf diesen Fall spekulieren, da der Staat dann wohl zu jedem Preis einkaufen würde. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) lehnt einen solchen staatlichen Eingriff jedoch ab. „Die Ministerin und auch das Wirtschaftsministerium gehen derzeit davon aus, dass der Markt weiter befüllt. Das ist die Aufgabe des Marktes“, bekräftigte eine Sprecherin am Freitag in Berlin. „Das hat auch immer so funktioniert.“

Grimm plädierte stattdessen dafür, die Gasversorgung auf längerfristige Verträge umzustellen und die Vertragsstrukturen zu diversifizieren. „In der öffentlichen Diskussion geht es viel um die kurzfristigen Maßnahmen. Die langfristigen Maßnahmen schiebt man gerne vor sich her“, sagte sie. Es gebe eine starke Abhängigkeit vom Spotmarkt-Preis, der in Krisen „auch mal massiv nach oben gehen“ könne. Zudem sei Deutschland beim Flüssigerdgas (LNG) stark von den USA abhängig.

„Wir müssten wirklich etwas tun, um uns mittelfristig resilienter aufzustellen – sonst sind wir dauernd im Krisenmodus“, warnte die Wirtschaftsweise. Die aktuelle Diskussion um die Speicherfüllstände lenke von dieser grundlegenden Herausforderung ab. Aus ihrer Sicht brauche es eine strategische Neuausrichtung der Energiebeschaffung, um die Verwundbarkeit gegenüber externen Preisschocks und geopolitischen Risiken zu verringern. Die kommenden Monate würden zeigen, ob die Marktakteure die Speicher rechtzeitig auffüllen können oder ob der Staat doch noch eingreifen muss.

Franziska Thielmann

Autor

Reporterin

Franziska Thielmann berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

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