Die ukrainische Armee hat erneut ein Logistikzentrum des russischen Online-Händlers Wildberries angegriffen. In einer Anlage in der Region Wladimir sei nach einem Drohnenangriff ein Feuer ausgebrochen, teilte der Konzern am Montag mit. Die Mitarbeiter seien in Sicherheit gebracht worden, die Feuerwehr sei im Einsatz. Zunächst gab es keine Berichte über Verletzte oder Tote.
Um die Belieferung nicht zu unterbrechen, werde die Logistik auf andere Standorte umgeleitet, erklärte das Unternehmen. Das Lager in Wladimir war erst 2024 eröffnet worden und sollte zügig auf eine Lagerfläche von 175.000 Quadratmetern ausgebaut werden. Von dort aus werden nach Angaben der Zeitung «Kyiv Post» die Region Moskau, Zentralrussland und der Nordwesten des Landes versorgt. Auf Videoaufnahmen ist demnach zu sehen, wie mindestens eine Drohne in den Logistik-Hub einschlägt.
Der Angriff ist Teil einer Serie ukrainischer Drohnenoperationen gegen die Versandzentren des russischen Marktführers. Seit dem 18. Juli hat das ukrainische Militär mindestens ein Dutzend Lagerhäuser von Wildberries attackiert. Die Ukraine begründet die Angriffe damit, dass über den Online-Handel auch das russische Militär mit Gütern versorgt werde. Die wiederholten Treffer stören die russische Konsumwirtschaft erheblich.
Erst in der Nacht zuvor war ein weiteres Wildberries-Lager in Nowosemeikino im Südwesten Russlands getroffen worden. In sozialen Medien kursierten Aufnahmen, die gewaltige Rauchwolken und Flammen über der gesamten Anlage zeigten. Offizielle Angaben zu den Schäden gab es zunächst nicht. Das Lager in Nowosemeikino wäre demnach das elfte von 25 Warenlagern des Versandhändlers gewesen, das durch ukrainische Angriffe zerstört oder schwer beschädigt wurde.
Bei gegenseitigen Angriffen der Ukraine und Russlands sind am Sonntag in beiden Ländern insgesamt mindestens 14 Menschen getötet worden. In der Ukraine starben nach Behördenangaben mindestens fünf Menschen, darunter zwei in der Region Dnipropetrowsk sowie je einer in den Regionen Saporischschja und Cherson. In der nördlichen Region Charkiw zerstörte ein russischer Angriff ein Postzentrum; ein Postmitarbeiter kam ums Leben.
Russland meldete seinerseits ukrainische Angriffe tief im eigenen Landesinneren, teils Hunderte Kilometer von der Front entfernt. In der Grenzregion Belgorod wurden vier Todesopfer gemeldet, in der Region Saratow an der Grenze zu Kasachstan zwei. Auch die mehr als tausend Kilometer von der Front entfernte Region Udmurtien wurde getroffen; dort starben drei Menschen. Die russische Luftabwehr gab an, in der Nacht in mehr als einem Dutzend Regionen insgesamt 635 ukrainische Drohnen abgefangen zu haben.
In der ukrainischen Hafenstadt Odessa hat ein Unbekannter in einem Rekrutierungszentrum das Feuer auf Angestellte eröffnet. Vier Männer wurden verletzt, einer von ihnen schwer. Der Schütze flüchtete zunächst, konnte später aber in seiner Wohnung festgenommen werden. Angaben zu seinen Motiven lagen nicht vor.
Im Mittelmeer hat eine von Italien geführte EU-Mission einen Tanker der sogenannten russischen Schattenflotte kontrolliert. Italienische Soldaten betraten das unter der Flagge Kameruns fahrende Schiff «Toa Payoh», nachdem der Kapitän nicht kooperiert hatte. Der unter EU-Sanktionen stehende Tanker war westlich der Insel Pantelleria auf dem Weg von Benin nach Istanbul abgefangen worden. Die EU will mit solchen Kontrollen verhindern, dass Russland die Beschränkungen für seine Ölexporte umgeht.
