Grenzah

Montag, 26. Oktober 2026

© 2026 Grenzah

Teil der GruppeMosaic Media

Entwickelt vonSponge — digital & design

VW-Betriebsratschefin Cavallo kritisiert Audi-Chef Döllner für Auftritt bei Trump

Die Konzernbetriebsratschefin von Volkswagen, Daniela Cavallo, wirft Audi-Chef Gernot Döllner vor, bei einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Donald Trump aktive Wahlkampfhilfe geleistet zu haben. Hintergrund ist die Ankündigung eines neuen Audi-Werks in Georgia.

VW-Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo hat den Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner bei einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Donald Trump scharf kritisiert. In einem internen Interview, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, spricht sie von »etlichen Minuten voller Rassismus, Sexismus, Fremdenhass, Transphobie« und von einer Verächtlichmachung der Demokratie. Wer die Rede gehört habe und wahrnehmen musste, dass Döllner zum aktiven Teil der Veranstaltung geworden sei, müsse vor Scham im Boden versinken, sagte sie.

Auslöser war die überraschende Ankündigung Trumps am Samstag, dass Audi ein Werk im Bundesstaat Georgia bauen wolle. Döllner trat anschließend auf die Bühne und dankte dem US-Präsidenten für dessen Unterstützung. Cavallo sieht darin einen klaren Verstoß gegen interne Leitlinien des Unternehmens: In den drei letzten Monaten vor Wahlen seien öffentlich wirksame Termine mit zur Wahl stehenden Politikern untersagt. Döllner habe diese Prinzipien erst vor wenigen Monaten unterschrieben. Es liege »sicherlich ein klarer Verstoß« vor. Die US-Zwischenwahlen finden am 3. November statt.

Auch der gesamte VW-Konzernvorstand um Oliver Blume bekam Kritik ab. Dieser habe sich »von einer höchst zweifelhaften politischen Figur, die gegen so ziemlich jeden unserer Unternehmenswerte verstößt, zur Marionette in dessen Propaganda-Show machen lassen«, sagte Cavallo. Dass umgehend Vergleiche zur Geschichte von Volkswagen gezogen würden, spreche für sich. Das Unternehmen war in der Zeit des Nationalsozialismus gegründet worden und diente dem Regime Adolf Hitlers als Vorzeigeunternehmen. Cavallo sprach von einem Spiel mit dem Feuer.

Die Pläne für das Werk beurteilt die Betriebsratschefin nüchterner. Audi will in Perry, Georgia, jährlich 200.000 Sportgeländewagen produzieren. Geplant sind Investitionen von vier Milliarden Dollar, rund 3,6 Milliarden Euro, und 4.500 Arbeitsplätze. Als Baubeginn nennt Audi 2027, der Produktionsstart soll Anfang der 2030er-Jahre erfolgen. Es wäre das erste Werk der VW-Premiumtochter in den Vereinigten Staaten. Rein betriebswirtschaftlich könne das Sinn ergeben, sagte Cavallo: Der US-Markt zähle zu den größten und lukrativsten der Welt, der Marktanteil von VW sei dort aber noch viel zu klein. Zugleich seien die Zölle unter Trump hoch und kosteten den Konzern Milliarden.

Offen bleiben aus ihrer Sicht zentrale Fragen. Unklar sei unter anderem, ob es im Gegenzug Zollerleichterungen für den gesamten VW-Konzern gebe, und wie belastbar solche Zusagen über einen möglichen Regierungswechsel hinaus wären. Innerbetrieblich stellt Cavallo klare Bedingungen: Für die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat komme eine neue US-Fabrik, ganz gleich von welcher Marke, nur infrage, wenn Klarheit über die Auswirkungen auf die übrigen Werke, insbesondere in Deutschland, bestehe. »Ohne ein Gesamtbild zur Planungsrunde mit dem Gesamtblick auf alle Standorte geben wir kein grünes Licht. Das heißt im Umkehrschluss, dass eine Entscheidung erst noch aussteht«, sagte sie. Ob die Arbeitnehmerseite der Option für den Neubau am Ende zustimmen werde, sei offen.

8Aufrufe

Christoph Reichert

Autor

Politischer Korrespondent

Christoph Reichert berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

Weiter im RessortWirtschaft