Rund 49.000 Migranten sind binnen 24 Stunden in die spanische Exklave Ceuta gelangt. Das spanische Innenministerium teilte mit, die Menschen seien von Marokko aus auf dem See- und Landweg in das nordafrikanische Gebiet gekommen. Die Lage an der Grenze bleibt angespannt, weiterhin versuchen Menschen, in die Enklave zu gelangen. Marokkanische Sicherheitskräfte setzen Wasserwerfer und Tränengas ein.
Ceuta liegt an der nordafrikanischen Küste und ist immer wieder Ziel von Migranten, die von Marokko aus die Europäische Union erreichen wollen. Nach dem jüngsten Ansturm hat die Regierung in Madrid das Militär zur Unterstützung der örtlichen Polizei geschickt. Auch in der zweiten spanischen Exklave Melilla, die ebenfalls an Marokko grenzt, sind Migranten über die Grenze gelangt. Der Präsident der autonomen Stadt, Juan José Imbroda, sagte dem Radiosender Cope, rund 400 Menschen seien am Donnerstagabend über zwei Grenzübergänge und einen Damm im Süden der Stadt in das Gebiet gekommen. Die Sicherheitskräfte hätten die Lage unter Kontrolle gehalten.
Bei dem Ansturm auf Ceuta sind nach bisherigen Erkenntnissen mindestens 18 Menschen tot geborgen worden. Unter den Ankömmlingen befinden sich zahlreiche Minderjährige, die teilweise ohne ihre Eltern mit Bussen und Sammeltaxis in die Exklave gekommen sein sollen. Die spanische Zeitung «El Mundo» zitierte den 13-jährigen Mohamed aus Tétouan mit den Worten: «Meine Eltern wissen nicht, dass ich hier bin. Ich bin mit vielen Freunden gekommen.» Auf die Frage, ob er nach Marokko zurückkehren wolle, antwortete er: «Es lebe Ceuta, mein Freund! Ich möchte Spanier sein wie du. In meinem Land gibt es nur Hunger.»
Die Europäische Union hat Spanien angesichts des Andrangs Unterstützung angeboten. EU-Migrationskommissar Magnus Brunner schrieb auf der Plattform X, die EU sei bereit, Spanien unter anderem über die Grenzschutzagentur Frontex verstärkt zu unterstützen, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Man stehe zudem in Kontakt mit den marokkanischen Behörden, um sicherzustellen, dass alle notwendigen Anstrengungen unternommen werden, diese gefährlichen Reisen zu verhindern.
Die Behörden in Ceuta stehen vor der Aufgabe, die vielen Migranten zu registrieren und zu versorgen. Spanische Polizei und das entsandte Militär sollen die Lage an der Grenze stabilisieren. Die Lage in der Stadt bleibt angespannt, während marokkanische und spanische Sicherheitskräfte weitere Grenzübertritte verhindern wollen. Ob sich die Zahl der Ankömmlinge in den kommenden Tagen weiter erhöht, ist offen.
Ceuta und Melilla sind spanische Hoheitsgebiete in Nordafrika und grenzen beide direkt an Marokko. Obwohl sie geografisch in Afrika liegen, gehören sie zu Spanien und damit zur Europäischen Union. Für viele Migranten sind die beiden Städte das erste Ziel auf dem Weg in die EU. Immer wieder versuchen dort große Gruppen, die Grenze zu überwinden.
