Grenzah

Dienstag, 15. September 2026

© 2026 Grenzah

Teil der GruppeMosaic Media

Entwickelt vonSponge — digital & design

Kassenärztechef Gassen hält schnellere Facharzttermine in dringenden Fällen für möglich

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung lehnt eine generelle Termingarantie beim Facharzt ab, stellt aber bei objektiv medizinisch dringendem Bedarf schnellere Termine in Aussicht. KBV-Chef Andreas Gassen nennt eine entsprechende Vergütung der Praxen als Voraussetzung.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) lehnt eine von der SPD geforderte generelle Termingarantie beim Facharzt ab. KBV-Chef Andreas Gassen hält es jedoch für möglich, Patienten mit objektiv medizinisch dringendem Bedarf schneller einen Facharzttermin zu vermitteln. Voraussetzung dafür sei eine entsprechende Vergütung der Praxen, sagte Gassen der «Bild»-Zeitung.

Gassen reagiert damit auf die anhaltende Diskussion über lange Wartezeiten auf Facharzttermine in Deutschland. Die von der SPD ins Spiel gebrachte Termingarantie würde aus Sicht der Kassenärzte zu einer Überlastung der Praxen führen, da sie nicht zwischen medizinisch dringenden und weniger dringenden Fällen unterscheide. Statt einer pauschalen Zusage setzt die KBV auf eine Steuerung nach medizinischer Notwendigkeit.

Konkret schwebt Gassen vor, dass Patienten mit «objektiv medizinisch dringendem» Bedarf innerhalb kurzer Zeit einen Termin erhalten. In dringenden Fällen könne die Wartezeit auf eine Woche oder weniger verkürzt werden, wenn die Praxen für den zusätzlichen Aufwand honoriert würden. Eine generelle Garantie für alle gesetzlich Versicherten bewertet der KBV-Chef hingegen skeptisch.

Die Debatte um Facharzttermine ist seit Jahren ein zentrales Thema der Gesundheitspolitik. Viele Patienten berichten von monatelangen Wartezeiten, insbesondere bei Fachrichtungen wie Orthopädie, Augenheilkunde oder Dermatologie. Die Kassenärztlichen Vereinigungen verweisen darauf, dass die Terminvergabe bereits heute über Servicestellen und Vermittlungscodes gesteuert wird, um dringende Fälle bevorzugt zu behandeln.

Die SPD hatte eine Termingarantie gefordert, um den Zugang zur fachärztlichen Versorgung zu verbessern. Aus Sicht der Kassenärzte würde eine solche Garantie jedoch dazu führen, dass Patienten ohne medizinische Dringlichkeit Termine blockieren und die Wartezeiten für alle länger werden. Gassen plädiert daher für eine differenzierte Lösung, die den tatsächlichen Behandlungsbedarf in den Mittelpunkt stellt.

Ob die von Gassen vorgeschlagene Vergütung zusätzlicher dringender Termine umgesetzt wird, ist offen. Die KBV vertritt die Interessen der Vertragsärzte und verhandelt mit den Krankenkassen über Honorare und Versorgungsstrukturen. Eine Einigung über eine finanzielle Honorierung von kurzfristigen dringenden Terminen wäre ein Schritt hin zu einer stärker bedarfsorientierten Terminvergabe.

Für Patienten bedeutet die Haltung der Kassenärzte, dass sie weiterhin auf eine schnelle Terminvergabe hoffen müssen, wenn ihr Fall als medizinisch dringend eingestuft wird. Eine allgemeine Garantie auf einen Facharzttermin innerhalb einer bestimmten Frist wird es nach dem Willen der KBV vorerst nicht geben. Die Diskussion über die Wartezeiten dürfte damit weitergehen.

Franziska Thielmann

Autor

Reporterin

Franziska Thielmann berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

Weiter im RessortGesellschaft