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Dienstag, 1. September 2026

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Alle 74 Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz bleiben erhalten – sieben werden Regiokliniken

Rheinland-Pfalz hält an allen 74 Krankenhausstandorten fest. Sieben Häuser werden zu Regiokliniken umgewandelt, die für Alltagsnotfälle und ambulante Versorgung ausgelegt sind. Der neue Krankenhausplan sieht zudem die Zuweisung von Leistungsgruppen vor, über die ab September entschieden wird.

Rheinland-Pfalz hält an allen 74 Krankenhausstandorten im Land fest. Sieben von ihnen sollen künftig als sogenannte Regiokliniken firmieren, die vor allem für Alltagsnotfälle, ambulante Behandlungen und bis zu 50 Betten ausgelegt sind. Das sieht der neue Krankenhausplan vor, den Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) im Landtagsausschuss vorgestellt hat. „Wir wollen alle Krankenhausstandorte in diesem Land erhalten“, sagte Hoch. Nun folgt das Anhörungsverfahren, die Zu- und Absagen für die einzelnen Leistungsgruppen sollen noch im September an die Kliniken verschickt werden.

Rheinland-Pfalz ist damit das erste Bundesland, das die Krankenhausreform des Bundes mit den sogenannten Leistungsgruppen umsetzt. Die 61 verschiedenen Leistungsgruppen sind ein zentraler Baustein der Reform, mit der die medizinische Versorgung in der Fläche und eine qualitativ hochwertige Behandlung gesichert werden sollen, erläuterte der Minister. Sie betreffen unter anderem die allgemeine Innere Medizin, Geburtshilfe, Endoprothetik von Hüfte und Knie sowie Krebsoperationen. Die Krankenhäuser haben insgesamt 1.325 Leistungsgruppen beantragt. Der Medizinische Dienst habe bei seinen Prüfungen rund 79 Prozent, also 1.065, als positiv entschieden. Das Land lehne 220 der beantragten Leistungsgruppen ab, davon 165 negativ begutachtete. Die Einschätzung des Medizinischen Dienstes bezieht sich grundsätzlich auf die Lage im ersten Quartal 2025; zu den Qualitätsanforderungen gehören vor allem die Ausstattung mit Personal und Geräten.

Als Standorte für die sieben neuen Regiokliniken nannte Hoch Bernkastel-Kues, Bingen, Boppard, Bad Dürkheim, Frankenthal, Hermeskeil und Kirn. Sie sollen Anfang 2027 an den Start gehen. Früher hatte der Minister von acht bis zehn solcher Häuser gesprochen. „Kein Standort wird wie der andere, regionale Gegebenheiten werden immer abgebildet“, erläuterte Hoch das Konzept. Die Regiokliniken würden im Bundesgesetz als „sektorenübergreifende Versorger“ geführt. Sie seien vor allem für Alltagsnotfälle wie blutende Schnittwunden oder den Sturz eines Kindes vom Baum ausgelegt. Eine Notaufnahme können sie haben, auch rund um die Uhr besetzt sein. Ein Schockraum für Schlaganfälle oder Herzinfarkte gehöre aber nicht dazu. Beim Verdacht auf einen solchen Notfall empfahl der Minister, die 112 zu wählen.

Für die besonderen Bedürfnisse und Investitionen der neuen Regiokliniken sind pro Haus bis zu 2,5 Millionen Euro extra vorgesehen, sagte Hoch. Er sprach von einem „Zukunftsmodell“. Die Krankenhausgesellschaft stellte fest, das Land habe eine flächendeckende Versorgung der Bevölkerung – insbesondere im Bereich der Geburtshilfe, der Schlaganfallversorgung und der Versorgung von Herzinfarkten – im Blick. Die bestehenden Versorgungsstrukturen blieben weitestgehend erhalten.

Die Arbeitsgemeinschaft der Patientenorganisationen bei der Verbraucherzentrale unterstützt das Reformvorhaben grundsätzlich. „Nach dem Bekanntwerden der Bescheide werden die Träger der Krankenhäuser reagieren, sodass in den nächsten Wochen mit Meldungen über Schließungen oder Umwandlungen von Krankenhäusern zu rechnen ist“, heißt es in einer Mitteilung. Aufgrund der Vielschichtigkeit der Neuordnung werde sich die AG nicht zu einzelnen Trägerentscheidungen positionieren. Es sei mit einem mehrjährigen Umbau der Krankenhauslandschaft zu rechnen. Dabei werde sich zunehmend verändern, welches Krankenhaus welche Behandlung anbiete und wie weit Verbraucher dafür fahren müssten. Bei den Regiokliniken seien zwar noch Fragen zur Finanzierung und den notwendigen Übergangsphasen offen, die Umwandlung von Krankenhäusern in ein solches Haus biete aber eine „zukunftsfähige Perspektive“.

Elena Mertens

Autor

Nachrichtenredakteurin

Elena Mertens berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

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