In Nürnbergs Gärten herrscht derzeit Alarmstimmung: Tausende Ameisen haben Grundstücke befallen und treiben Eigentümer zur Verzweiflung. Betroffene berichten von ganzen Kolonien, die Rasenflächen, Terrassen und sogar Hausfundamente durchziehen. «Ich fühle mich hilflos», zitiert ein lokaler Bericht einen Anwohner. Die Ursache ist die invasive Ameisenart Tapinoma magnum, die sich in mehreren deutschen Städten rasant ausbreitet und erhebliche Schäden verursacht.
Tapinoma magnum, auch als Große Ameise bekannt, stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum. Die Art wurde vermutlich durch Pflanzenimporte nach Deutschland eingeschleppt. Anders als heimische Ameisen bildet sie keine kleinen Erdnester, sondern riesige Superkolonien mit Millionen von Tieren. Die Arbeiterinnen sind klein, unauffällig – und extrem aggressiv bei der Nahrungssuche. Sie dringen in Häuser ein, nagen Kabel an und können durch ihre Massen sogar Betonfundamente unterhöhlen. In Nürnberg haben sich die Tiere in mehreren Stadtteilen festgesetzt, insbesondere in Gärten mit älteren Gebäuden und lockeren Böden.
Doch nicht nur in Nürnberg ist die Plage ein Thema. In Pirmasens (Rheinland-Pfalz) wurde kürzlich der erste Verdachtsfall von Tapinoma magnum gemeldet. Die örtliche Behörde warnt vor möglichen Schäden an der Bausubstanz. Auch in Haßfurt (Unterfranken) ist die invasive Ameise angekommen. Laut einem Bericht der Main-Post untergräbt die Art dort bereits Gebäude. Anwohner werden aufgefordert, ihre Grundstücke genau zu beobachten und bei Verdacht die Schädlingsbekämpfung zu informieren. Die massive Ausbreitung in kurzer Zeit beunruhigt Kommunen und Schädlingsbekämpfer gleichermaßen.
Die Bekämpfung von Tapinoma magnum gestaltet sich äußerst schwierig. Herkömmliche Hausmittel wie Kaffeepulver oder Backpulver wirken kaum. Auch handelsübliche Ameisenköder sind oft wirkungslos, weil die Kolonien so riesig sind und sich die Königinnen tief im Erdreich oder in Mauerspalten verstecken. Fachleute empfehlen eine professionelle Schädlingsbekämpfung mit speziellen Fraßgiften, die die gesamte Kolonie erreichen. Zudem ist Vorbeugung wichtig: Risse in Fundamenten abdichten, Mülltonnen dicht verschließen und keine Essensreste im Garten liegen lassen. Kommunen wie Nürnberg haben bereits Arbeitsgruppen eingerichtet, um das Problem zu kartieren und koordinierte Gegenmaßnahmen zu entwickeln.
Die Lage ist für viele Hausbesitzer existenzbedrohend. Einige befürchten Wertverluste ihrer Immobilien, wenn die Ameisen sich nicht vertreiben lassen. Hinzu kommt die psychische Belastung: Das Gefühl, in seinem eigenen Zuhause nicht mehr Herr über die Schädlinge zu sein. Die Stadtverwaltung Nürnberg beruft sich vorerst auf die Eigenverantwortung der Eigentümer, prüft aber Unterstützungsmöglichkeiten. In anderen betroffenen Regionen wie Haßfurt fordern Anwohner finanzielle Hilfen oder zumindest eine kostenlose Beratung. Die invasive Ameisenart ist inzwischen ein wachsendes Problem in ganz Deutschland – und ein Beispiel dafür, wie der globale Warenverkehr heimische Ökosysteme und private Lebensräume durcheinanderbringt.
Experten raten, bei Befall sofort zu handeln, da sich die Kolonien sonst unkontrolliert ausbreiten. Einige Gemeinden starten in Kürze Aufklärungskampagnen, um über die Erkennungsmerkmale der invasiven Ameise zu informieren. Betroffene sollten die Tiere nicht selbst bekämpfen, sondern einen Kammerjäger hinzuziehen. Die Hoffnung ruht auf neuen biotechnischen Bekämpfungsmethoden, die gezielt die Königinnen ausschalten könnten. Bis dahin bleibt den Eigentümern in Nürnberg, Pirmasens und Haßfurt vor allem eines: Wachsamkeit und Geduld.
