Die anhaltende Dürre in Mitteleuropa setzt der Donau schwer zu: Wegen des Niedrigwassers bleiben Kreuzfahrtschiffe auf dem Fluss stecken, mehrere Atomkraftwerke entlang der Donau müssen ihre Leistung drosseln oder vom Netz gehen. Betroffen sind sowohl die Passagierschifffahrt als auch die Energieerzeugung. Die Lage hat sich in den vergangenen Tagen weiter zugespitzt, nachdem es in weiten Teilen des Einzugsgebiets seit Wochen kaum geregnet hat.
Der Wasserstand der Donau ist vielerorts auf ein kritisches Niveau gefallen. Schiffe können zahlreiche Fahrrinnen nur noch mit erheblichen Einschränkungen passieren, an manchen Stellen ist eine Durchfahrt für große Fahrgastschiffe unmöglich. Betroffen sind vor allem Flusskreuzfahrten, die in der Sommersaison eigentlich Hochsaison haben. Viele Schiffe liegen derzeit in Häfen fest oder müssen ihre Fahrt vorzeitig beenden. Reiseveranstalter müssen Routen umplanen, einzelne Häfen werden aus dem Programm genommen. Für viele Passagiere bedeutet das, dass geplante Landgänge entfallen oder Ausflüge anders organisiert werden müssen.
Die Donau ist eine der wichtigsten Wasserstraßen Europas. Nicht nur Kreuzfahrtschiffe, sondern auch Güterschiffe und Fähren sind auf den Fluss angewiesen. Sinken die Pegel, können viele Schiffe weniger Ladung aufnehmen oder müssen im Hafen bleiben. Für Unternehmen, die ihre Waren über die Donau transportieren, wird das Niedrigwasser damit auch zu einem wirtschaftlichen Problem.
Besonders problematisch ist die Lage für die Energieversorgung. Atomkraftwerke an der Donau sind auf ausreichend Kühlwasser angewiesen. Sinkt der Pegel weiter, kann die Kühlwasserentnahme nicht mehr zuverlässig sichergestellt werden. Die Kühlung ist für den sicheren Betrieb der Anlagen essenziell. In der Folge müssen die Betreiber die Leistung der Anlagen reduzieren oder die Reaktoren vorsorglich abschalten. Damit wird die Trockenheit auch für die Stromversorgung in der Region zu einem ernsthaften Risiko. Wie lange die Kraftwerke noch am Netz bleiben können, hängt maßgeblich von der weiteren Wetterentwicklung ab.
Das Niedrigwasser hat aber auch ungewöhnliche Folgen: In der Donau werden historische Wracks sichtbar, die sonst unter der Wasseroberfläche liegen. Dazu gehören Schiffe aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Sie waren am Ende des Krieges im Fluss versenkt worden und sind jahrzehntelang von der Strömung bedeckt geblieben. Die EU hat begonnen, die sogenannte alte Wehrmachtflotte aus dem Fluss zu räumen. Die Arbeiten sind Teil eines Projekts, das die Donau sicherer machen soll. Die Wracks liegen zum Teil nur knapp unter der Wasseroberfläche und können bei weiter sinkendem Pegel zu Hindernissen werden.
Kreuzfahrten auf der Donau gehören zu den beliebtesten Flussreisen in Europa. Die Strecken führen durch mehrere Länder, darunter Deutschland, Österreich, Ungarn und Rumänien. Die aktuelle Niedrigwasserlage zeigt, wie verwundbar dieser Tourismuszweig gegenüber extremen Wetterereignissen ist. Für die Region ist die Flusskreuzfahrt ein bedeutender Wirtschaftszweig; Anlegestellen, Restaurants und Ausflugsanbieter profitieren von den Gästen. Schon in den vergangenen Jahren hatten Hitzewellen und Trockenheit wiederholt für Beeinträchtigungen auf Flüssen wie der Donau und dem Rhein gesorgt. Reedereien und Häfen entlang des Flusses müssen sich immer häufiger auf solche Extremsituationen einstellen.
Eine schnelle Entspannung ist in der Region vorerst nicht in Sicht. Zwar sind örtliche Gewitter möglich, doch für eine nachhaltige Erholung der Pegelstände wäre anhaltender Regen über einen längeren Zeitraum nötig. Die Pegelstände hängen entscheidend vom Wetter im gesamten Einzugsgebiet ab. Solange der Regen ausbleibt, bleiben die Bedingungen für Kreuzfahrtschiffe und Frachtschiffe angespannt. Viele Schiffe, die noch unterwegs sind, fahren mit reduzierter Geschwindigkeit und müssen vorsichtig manövrieren.
Die Behörden der Anrainerstaaten beobachten die Lage genau. Die Schifffahrt auf der Donau ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, gleichzeitig muss die Sicherheit der Fahrgäste an oberster Stelle stehen. Solange die Fahrrinne nicht wieder durchgängig sicher ist, gilt auf vielen Abschnitten eine eingeschränkte Navigation. Für Kreuzfahrtgäste bedeutet das: Flexibilität ist gefragt, kurzfristige Programmänderungen sind möglich.
