Edmund Stoiber feiert 85. Geburtstag ohne große Feier
Der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber wird 85 Jahre alt. Aus gesundheitlichen Gründen fällt die große Feier in diesem Jahr aus. CSU und Staatsregierung würdigen seine Lebensleistung, öffentliche Auftritte sind selten geworden.
Edmund Stoiber, der frühere CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident, begeht an diesem Montag seinen 85. Geburtstag. Anders als in früheren Jahren muss die große Feier jedoch ausfallen. Der Gesundheitszustand des Politikers erlaube derzeit keine derartigen Veranstaltungen, heißt es sowohl aus der CSU als auch aus der Staatsregierung. Vor fünf Jahren hatte Stoiber seinen 80. Geburtstag noch mit einem regelrechten Feier-Marathon begangen, mit einem Fest im Kreise der Familie, Empfängen der Staatsregierung, von CDU und CSU sowie einer großen Feier mit annähernd 100 Freunden aus Politik, Wirtschaft und Sport.
In den vergangenen Monaten sind öffentliche Auftritte Stoibers eine Seltenheit geworden. Selbst an den Sitzungen des CSU-Vorstands in der Münchner Parteizentrale hat er schon länger nicht mehr teilgenommen. Im Februar 2026 gab er nach Jahrzehnten an der Spitze des Verwaltungsbeirats des FC Bayern München seinen Abschied. Aus gesundheitlichen Gründen musste er sich mehreren Operationen unterziehen. Aus seinem Umfeld heißt es, es gehe ihm den Umständen entsprechend, die Operationen seien gut verlaufen, aber es brauche einfach alles seine Zeit. Möglicherweise sei ausgerechnet die Geduld eine Tugend, die Stoiber jetzt pünktlich zu seinem Geburtstag lernen und aushalten müsse.
Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder würdigt die «einzigartige Lebensleistung» seines politischen Ziehvaters. «Edmund Stoiber gehört zu den prägendsten Figuren des Freistaats. Zusammen mit Franz Josef Strauß und Alfons Goppel ist er Vater des modernen Bayern», so Söder. Von seinen Weichenstellungen profitiere Bayern bis heute. Der Verzicht auf neue Schulden im Staatshaushalt gelte ebenso als «Stoibers Erbe» wie die Schwerpunktausrichtung auf Hightech und Hochschulausbau. Söder weiter: «Alles erdenklich Gute zum 85. Geburtstag – mit besten Wünschen für die Gesundheit und herzlichem Dank für eine einzigartige Lebensleistung. Bis heute schätze ich seinen Rat und seinen Weitblick. Die Stimme und Meinung von Edmund Stoiber haben in ganz Bayern bis heute großes Gewicht. Er ist und bleibt ein gefragtes und geachtetes Vorbild.»
Stoiber blickt auf eine außergewöhnliche politische Karriere zurück. Von 1974 bis 2008 war er Mitglied des bayerischen Landtags, CSU-Generalsekretär und Staatssekretär unter seinem Mentor Franz Josef Strauß, Innenminister, Leiter der Staatskanzlei und 14 Jahre Ministerpräsident. 2002 war er nach Strauß im Jahr 1980 der zweite Unionskanzlerkandidat der CSU und – angesichts des gescheiterten Machtkampfes von Söder gegen den damaligen CDU-Chef Armin Laschet im April 2021 – auch der bislang letzte. Auch nach seinem unfreiwilligen Abgang 2007 absolvierte Stoiber in den unterschiedlichen Rollen und Funktionen ein Pensum, welches so mancher aktive Politiker kaum erreicht. Unter anderem leitete er von 2007 bis 2014 ehrenamtlich eine Arbeitsgruppe zum Bürokratieabbau in der Europäischen Kommission. Auch in Talkshows war er nicht zuletzt wegen seines emotionalen und gerne von Kabarettisten imitierten Redestils ein gerne gesehener Gast.
In den vergangenen Jahren hat Stoiber ein Kunststück geschafft, welches vielen Politikern nicht gelingt – Glück und Zufriedenheit auch ohne politisches Spitzenamt zu verspüren. Als er zu seinem 80. Geburtstag in München bei einem Festempfang der CSU eine Rede hielt, kam er erst zum Ende auf die Politik und die kurz zuvor erlittene Pleite der Union bei der Bundestagswahl zu sprechen. Vielmehr nutzte er die Bühne für eine Liebeserklärung an seine Frau Karin, mit der er seit 1968 verheiratet ist. Getreu dem Motto «Man hat ja nur ein Leben». «Ich hatte nie vor, Politiker zu werden», sagte Stoiber damals, um so dankbarer müsse er sein, dass seine Frau Karin, die einen Rechtsreferendar geheiratet habe, dieses nicht planbare Leben mitgemacht habe, bei dem so oft die privaten Interessen zurückstehen. Wer wie er eine so glückliche Ehe führen dürfe und drei Kinder sowie acht Enkel habe, könne nur tiefe Dankbarkeit spüren.
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