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Dienstag, 15. September 2026

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Europol-Razzia: Rennpferde illegal zu Snacks verarbeitet?

Europol ist in vier Ländern gegen illegale Pferdehändler vorgegangen. Sie sollen tausende abgedankte Rennpferde mit gefälschten Papieren als Schlachtpferde verkauft und das für den menschlichen Verzehr ungeeignete Fleisch zu Snacks verarbeitet haben.

Die europäische Polizeiorganisation Europol ist in vier Ländern gegen illegale Pferdehändler vorgegangen, die tausende abgedankte Rennpferde mit gefälschten Papieren versehen und als Schlachtpferde verkauft haben sollen. Der Verdacht besteht, dass das für den menschlichen Konsum nicht freigegebene Fleisch illegal zu Fleischprodukten verarbeitet wurde. An der Polizeiaktion waren 200 Ermittler in Irland, Frankreich, den Niederlanden sowie Belgien beteiligt, wo die Federführung der Ermittlungen lag.

Wie die belgische Staatsanwaltschaft in Dendermonde mitteilte, ging es den Händlern darum, ausgediente Rennpferde, die häufig Medikamente erhalten hatten und deswegen nicht für den menschlichen Verzehr freigegeben sind, mit gefälschten Mikrochips und Unterlagen dennoch als Schlachtpferde zu deklarieren. Auf diesem Weg erhielt ein zuvor wertloses Pferd einen Handelswert von 1.000 bis 1.500 Euro. Bei Durchsuchungen wurden mehr als 1.000 Pferde überprüft und größtenteils beschlagnahmt. Auch das Schicksal weiterer Pferde wird überprüft. In Belgien wurden mehr als 100.000 Euro Bargeld beschlagnahmt und drei Verdächtige festgenommen.

Nach Angaben der niederländischen Tierschutzorganisation House of Animals soll es sich insbesondere um abgedankte Rennpferde aus Großbritannien und Irland gehandelt haben, die unter erbärmlichen Bedingungen in andere europäische Länder transportiert worden seien und dort in Schlachthäusern gelandet seien. In den Niederlanden soll das Pferdefleisch nach Angaben der Tierschützer zu Snacks wie Fleischbällchen und Kroketten verarbeitet und über den Großhandel vertrieben worden sein.

Bereits 2023 hatte ein Gericht in Marseille in einem Prozess um nicht für den Verkehr geeignetes Pferdefleisch 15 Beteiligte aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden zu Strafen zwischen acht Monaten und vier Jahren Haft verurteilt. Außerdem wurden hohe Geldstrafen verhängt. Wie auch nun wurde das Fleisch unter Nutzung gefälschter Pferdepässe, Stempel und anderer manipulierter Dokumente in Umlauf gebracht. Als Haupttäter machte das Gericht je einen Pferdegroßhändler aus Belgien und den Niederlanden aus.

Die aktuelle Razzia zeigt, dass die illegalen Praktiken offenbar fortbestehen. Die Ermittlungen dauern an. Die Behörden prüfen, welche weiteren Pferde betroffen sind und wie das Fleisch in den Handel gelangen konnte. Verbraucherinnen und Verbraucher in mehreren europäischen Ländern könnten unwissentlich Produkte konsumiert haben, die nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt waren.

Franziska Thielmann

Autor

Reporterin

Franziska Thielmann berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

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