Reeperbahn-Festival bangt nach Kürzungen um Bundesförderung
Kurz vor dem Start des 21. Reeperbahn-Festivals kämpft Festivalchef Alexander Schulz um die finanzielle Unterstützung des Bundes. Die Mittel wurden von 6,27 Millionen Euro auf rund 4,5 Millionen Euro gekürzt, für das kommende Jahr sind nur noch drei Millionen Euro vorgesehen. Schulz und Hamburgs Kultursenator Brosda warnen vor einer Schwächung des Musikstandorts Deutschland.
Kurz vor dem Start des 21. Reeperbahn-Festivals in Hamburg kämpft Festivalchef Alexander Schulz um die finanzielle Förderung des Branchentreffs der Musikwirtschaft. In einem Schreiben an Mitglieder des Bundestags bittet er diese, sich im Rahmen der laufenden Haushaltsverhandlungen für eine «sachgerechte und zukunftsorientierte Lösung bei der Bundesförderung» einzusetzen. Das Festival, das kommende Woche beginnt, steht damit unter dem Eindruck erheblicher Mittelkürzungen durch den Bund.
Im vergangenen Jahr hatte der Bund das Festival noch mit 6,27 Millionen Euro gefördert. Für dieses Jahr wurden die Mittel laut Angaben der Hamburger Kulturbehörde auf rund 4,5 Millionen Euro gekürzt. Der vom Bundeskabinett beschlossene Haushaltsentwurf für das kommende Jahr sieht sogar nur noch Fördermittel in Höhe von drei Millionen Euro vor. Schulz warnt in seinem Schreiben an die Mitglieder von drei Bundestagsausschüssen: «Diese erneute radikale Reduzierung in dieser kurzen Zeit birgt akut die konkrete Gefahr, den internationalen Marktplatz auf ein regionales Niveau zurückzuführen und Deutschlands Vorreiterstellung in diesem Bereich aufzugeben.» Er bittet darum, die Bundesförderung nicht durch eine weitere drastische Kürzung zu gefährden und eine Übergangslösung auf Basis des Haushaltsansatzes 2026 zu ermöglichen.
Schulz verweist dabei auch auf die politische Lage. Gerade nach dem Ausgang der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, bei der die AfD klar stärkste Kraft wurde, sei die geplante kulturpolitische Ausrichtung ein fatales Signal. Kulturelle Veranstaltungen wie das Reeperbahn-Festival seien Orte, an denen Menschen unterschiedlicher Herkunft und Haltung zusammenkämen – und damit ein wichtiger Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD) hofft ebenfalls, dass der Bund die Bedeutung der Musikwirtschaft und des Reeperbahn-Festivals als eine der global wichtigsten Musikveranstaltungen und als Leuchtturm der deutschen und europäischen Musikbranche anerkennt. Er sieht vor allem das zuständige Kulturstaatsministerium in der Pflicht. «Wenn die bisherigen Entscheidungen des Bundes nicht korrigiert werden, droht eine empfindliche Schwächung des ganzen Musikstandorts Deutschland», sagte Brosda. «Es bleibt die Hoffnung, dass sich in der Beratung des Bundeshaushalts noch Möglichkeiten ergeben, eine bessere Finanzierung des Bundes sicherzustellen.»
Hintergrund der Kürzungen ist, dass sich künftig Hamburg finanziell stärker beteiligen soll, da die Stadt auch Nutznießer des Festivals ist. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer erklärte im Juli, wer von der Strahlkraft des Festivals profitiere, solle auch Verantwortung für seine Finanzierung übernehmen. Deshalb erwarte er, dass sich die Stadt Hamburg künftig deutlich stärker beteiligen werde.
Das Reeperbahn-Festival startet am Mittwoch kommender Woche in seine 21. Auflage. Bis Samstag werden wieder Hunderte Bands, Musiker und Künstler zu dem viertägigen Musik-Spektakel rund um den Hamburger Kiez erwartet. Ob die Förderung für die kommenden Jahre gesichert werden kann, bleibt angesichts der laufenden Haushaltsberatungen offen.




