Tropenmediziner: Malaria-Fälle nahe Flughäfen werden zunehmen
Der Würzburger Tropenmediziner August Stich rechnet mit mehr Malaria-Fällen in Deutschland, warnt aber vor Panik. Nach den Todesfällen im Umfeld des Frankfurter Flughafens ruft er Behörden und Ärzte zu Wachsamkeit auf.
Der Tropenmediziner August Stich rechnet damit, dass Malaria in Deutschland künftig häufiger auftreten wird. Klimawandel, Globalisierung und der zunehmende internationale Reiseverkehr dürften die Fallzahlen steigen lassen, sagte der Schwerpunktleiter für Infektiologie und Tropenmedizin am Universitätsklinikum Würzburg. Das Niveau bleibe jedoch niedrig. Angesichts der jüngsten Malaria-Todesfälle im Umfeld des Frankfurter Flughafens warnte Stich zugleich vor Panikmache: «Man muss die Kirche im Dorf lassen.»
In Frankfurt am Main hatten sich acht Menschen mit Malaria infiziert, ohne zuvor in einem klassischen Malariagebiet gewesen zu sein. Ein Anwohner starb. Das Gesundheitsamt hält das Risiko für die Bevölkerung weiterhin für sehr gering. Die Fälle werden mit eingeschleppten Mücken in Verbindung gebracht, die vermutlich im Frachtraum oder im Radlager von Flugzeugen aus Afrika nach Deutschland gelangt waren.
Stich betonte, es sei nach wie vor «sehr, sehr, sehr, sehr selten», sich in Deutschland ohne vorherigen Aufenthalt in einem Malariagebiet anzustecken. Die Behörden sollten das Phänomen dennoch kennen und ernsthaft zur Kenntnis nehmen. «Aber es ist überhaupt kein Grund zur Panik oder zu einer Katastrophenstimmung», sagte der Mediziner. Verständlicherweise fühlten sich Menschen im Umfeld von Flughäfen nach den Todesfällen in Hessen verunsichert.
Malaria wird durch Parasiten der Art Plasmodium falciparum verursacht, die vor allem durch Mücken übertragen werden. Reisende aus Deutschland infizieren sich meist in tropischen oder subtropischen Ländern. Besonders die schwerste Form, die Malaria tropica, kann tödlich verlaufen. Nach Angaben des Hamburger Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenkrankheiten ist sie für mehr als 95 Prozent der Malaria-Todesfälle weltweit verantwortlich. Diese Variante wurde auch bei den Patienten in Frankfurt diagnostiziert.
Zu den Symptomen zählen neben Fieber Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Magen-Darm-Beschwerden. Betroffene sollten möglichst früh einen Arzt aufsuchen. Das bedeute aber nicht, dass nun jeder vor allem im Herbst und Winter sofort an eine Malaria-Infektion denken müsse, sagte Stich. In der kalten Jahreszeit überlebten Moskitos schlecht, die im Frachtraum oder im Radlager von Fliegern aus Afrika mitgebracht würden. Im Sommer jedoch sollten Erkrankte aufmerksam sein, und vor allem Ärzte sollten diese mögliche Infektion in Betracht ziehen, wenn jemand starke Symptome entwickelt und sich sein Zustand verschlechtert.
Das Tückische an Malaria sei, dass sie sich nicht durch eine körperliche Untersuchung erkennen lasse, erklärte Stich. «Man kann es behandeln und man kann die Malaria auch komplett heilen, wenn man sie früh genug erkennt.» Genau darin liege das Problem: Wenn jemand zuvor nicht in einem Malariagebiet gewesen sei, liege der Verdacht auf die Erkrankung nicht nahe. «Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass solche Ereignisse einfach immer mehr zu unserem Alltag dazugehören.»
Das Robert Koch-Institut warnt in diesem Zusammenhang: «Eine fehlende Tropenreise bei Erkrankten kann dazu führen, dass die Diagnose erst verzögert gestellt wird. Eine verspätete Diagnosestellung erhöht das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf.»
Die sogenannte Airport-Malaria ist in Deutschland nicht neu und tritt immer wieder vereinzelt auf. Deshalb gibt es auch in Bayern im Umfeld von Flughäfen ein Mücken-Monitoring, wie Stich sagte. «Das sind seltene Ereignisse, dass einem so ein Moskito ins Netz geht, aber man muss es machen, um zu sehen, ob jetzt eine Häufung auftritt.»
Der Mediziner geht davon aus, dass bei vielen Infektionskrankheiten im Zuge des Klimawandels mit steigenden Fallzahlen und einer Ausbreitung der Erreger zu rechnen ist. Als Beispiel nannte er das Denguefieber, das vor allem durch die Asiatische Tigermücke und die Ägyptische Tigermücke übertragen wird. Treten Tropenkrankheiten in Deutschland auf, sollten nach Stichs Worten unverzüglich die Gesundheitsbehörden informiert werden.




