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stern.de

Veganer Lebensstil senkt den Ernährungs-Fußabdruck deutlich

Eine rein pflanzliche Ernährung kann den klimaschädlichen Ausstoß im Bereich Essen laut Forschern des ifeu spürbar verringern. Entscheidend sind jedoch auch Flugreisen, Einkaufswege und politische Rahmenbedingungen.

Wer auf Fleisch, Wurst, Milch, Käse und Eier verzichtet, kann seinen persönlichen Klima-Fußabdruck deutlich verkleinern. Das sagen Experten, die sich mit den Umweltwirkungen von Ernährung befassen. Klimaschutz könne deshalb auch auf dem Teller stattfinden, heißt es in der Einordnung des Themas.

Pflanzliche Lebensmittel verursachen laut Wissenschaftlern weniger Treibhausgase als Fleisch oder Milchprodukte. Für sie werde zudem oft weniger Wasser und Ackerfläche benötigt. Nils Rettenmaier vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) erklärt, wer überwiegend Pflanzenkost wähle, könne seinen CO2-Fußabdruck verkleinern. Der Vorteil ist dabei konkret messbar: Ein Mensch, der vegan lebt, kann nach seiner Schätzung 55 bis 60 Prozent der Treibhausgas-Emissionen im Bereich Ernährung einsparen, verglichen mit einer durchschnittlichen deutschen Ernährungsweise.

Den größten Anteil am ernährungsbedingten CO2-Fußabdruck einer durchschnittlichen Person haben tierische Produkte. Sie machen laut Rettenmaier insgesamt 60 bis 65 Prozent der Emissionen aus, wobei Fleisch etwas stärker ins Gewicht falle als Milchprodukte. Besonders hoch belastet sei Rindfleisch, weil Rinder Methan ausstoßen. Methan wirke rund 25-mal klimaschädlicher als CO2.

Der Experte weist allerdings darauf hin, dass auch andere Lebensbereiche eine Rolle spielen. Wer vegan lebe, aber häufig fliege, schwäche den Klimavorteil wieder ab. Auch per Flugzeug importierte Waren wie Avocados oder Mangos seien pro Kilogramm klimaschädlich in einer Größenordnung ähnlich wie Rindfleisch. Ebenso könne die eigene Einkaufsfahrt ins Gewicht fallen: Eine Autofahrt zum Hofladen, nur um wenige Kilo Gemüse zu holen, habe einen deutlich negativeren Effekt als der Transport im vollen Lkw aus Spanien.

Die Verantwortung liegt aus Sicht des Forschers nicht allein bei den Verbrauchern. Jeder Einzelne trage zwar Verantwortung, doch alles auf die Konsumenten abzuwälzen, sei nicht in Ordnung, sagt Rettenmaier. Die Regierung müsse den Rahmen schaffen, damit sich Verbraucher klimafreundlich verhalten könnten. Als Beispiel nennt er die Mehrwertsteuer: Auf Kuhmilch fallen derzeit 7 Prozent an, auf Haferdrink dagegen 19 Prozent.

Wie viele Menschen in Deutschland sich tatsächlich vegan oder vegetarisch ernähren, ist nicht eindeutig erfasst. Der Ernährungsreport 2025 des Landwirtschaftsministeriums weist rund zwei Prozent der Bevölkerung als vegan und sieben Prozent als vegetarisch aus. Laut dem Nationalen Ernährungsmonitoring des Max-Rubner-Instituts ernähren sich unter den 18- bis 29-Jährigen 2,7 Prozent vegan und knapp acht Prozent vegetarisch. Zudem gibt es in Supermärkten und Discountern immer mehr pflanzliche Produkte, und in vielen Städten öffnen neue vegane oder vegetarische Restaurants.

Auch aus gesundheitlicher Sicht empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung eine Kost auf Basis pflanzlicher Lebensmittel mit weniger tierischen Produkten. Rettenmaier spricht von einem Win-Win für Gesundheit und Klima. Die Kölnerin Lynn, die seit 13 Jahren vegan lebt, nennt als Hauptmotive Tierleid und Klimaschutz; gesundheitliche Aspekte hätten bei ihrer Entscheidung damals keine Rolle gespielt.

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Christoph Reichert

Autor

Politischer Korrespondent

Christoph Reichert berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

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