Windkraftbetrüger Holt in Dubai gefasst
Der zu fast neun Jahren Haft verurteilte Hendrik Holt ist nach seiner Flucht aus dem offenen Vollzug in Berlin in Dubai festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück bereitet die Auslieferung vor.
Der als Windkraftbetrüger bekanntgewordene Hendrik Holt ist am Dienstag in Dubai festgenommen worden. Das teilte die Staatsanwaltschaft Osnabrück mit. Der 36-Jährige war Ende August von einem genehmigten Ausgang nicht in die Justizvollzugsanstalt in Berlin zurückgekehrt und hatte sich seitdem der Strafvollstreckung entzogen. Nach ihm war weltweit mit einem europäischen Haftbefehl gefahndet worden.
Holt verbüßte seit Oktober 2024 eine Haftstrafe im offenen Vollzug. Das Landgericht Osnabrück hatte ihn 2022 wegen bandenmäßigen Betrugs, Bestechung und Urkundenfälschung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von fast neun Jahren verurteilt. Er hatte ausländischen Stromkonzernen angeblich existierende Windparks verkauft, die es in Wahrheit nie gab. Gemeinsam mit einem Mittäter und Familienangehörigen soll er über die Firma Holt Holding rund zehn Millionen Euro ergaunert haben. Zudem bestach er nach Überzeugung des Gerichts ausländische Diplomaten, um sich mit einem Diplomatenpass gegen die deutsche Strafverfolgung abzusichern. Einen frei erfundenen Doktortitel trug er nach eigenen Angaben «nur als Witz».
Nach seiner Flucht war bei dem Berliner Gefängnis einen Tag später eine E-Mail eingegangen, in der es sinngemäß hieß, Holt werde nicht wiederkommen. Seine Ehefrau und sein Kind ließ er zurück. Sein Aufenthaltsort blieb zunächst unbekannt. Ein in Medien aufgegriffener Instagram-Post enthielt den Satz: «Liebesgrüße aus Moskau sehr schön hier der Kaviar ist fantastisch». Zur Echtheit des Beitrags machte die Staatsanwaltschaft damals keine Angaben. Ein Sprecher der Behörde, Martin Schanz, erklärte nun, Holt befinde sich noch in Dubai. In einem nächsten Schritt müssten die Auslieferungsunterlagen übermittelt werden. Weitere Details waren zunächst nicht bekannt.
Der Osnabrücker Oberstaatsanwalt Nils Leimbrock hatte den Fall nach der Flucht als «an Absurdität nicht zu überbieten» bezeichnet. Leimbrock hatte Holt bereits einmal ins Gefängnis gebracht und leitete auch diesmal die Fahndung der Staatsanwaltschaft Osnabrück und der Direktionsfahndung der Zentralen Kriminalinspektion Osnabrück. Nach seinem Erfolg im Jahr 2020 hatte der Ermittler wieder mit einer Ergreifung Holts gerechnet. Er war überzeugt, dass der Windkraftbetrüger «Gefallen an dem Licht der Öffentlichkeit gefunden» habe – ein Umstand, der bei der Fahndung hilfreich sein könnte.
In der ARD-Dokumentation «Holt – Der Windkraft-Schwindler» zeigt sich der Inhaftierte als jemand, der gern im Mittelpunkt steht und es seit Kindertagen gewohnt ist, zu bekommen, was er will. Noch immer trug er bevorzugt maßgeschneiderte Anzüge mit Einstecktuch. Vor seiner Festnahme umfasste sein Fuhrpark 18 Luxuswagen, drei Fahrer beschäftigte er. In der Doku beschreibt sich Holt als «Unternehmer und Abenteurer», der in eine Situation geraten sei, in der er sich entscheiden musste, ob er oder «die anderen» gewinnen. «Man muss den Willen zur absoluten Macht haben und auch den gewissen Killerinstinkt», sagt er über sich. Als großes Vorbild nannte er seinen Großvater, der in Haselünne ein Bauunternehmen besaß und andere Menschen wie ein General beim Militär herumkommandiert habe.
Holt stammt aus dem emsländischen Haselünne. Nach Angaben von Oberstaatsanwalt Leimbrock war er unter anderem Sponsor der Münchener Sicherheitskonferenz und hatte ungehinderten Zugang zur Hochpolitik. Die Fahndung nach ihm Anfang 2020 – vor seiner Festnahme und Verurteilung – habe sich zeitweise fast wie im Film angefühlt, erinnerte sich der Ermittler. Mit der Flucht und der Festnahme in Dubai hat der Windkraftbetrüger möglichen Stoff für eine Fortsetzung geliefert.
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