9/11: Zweiter Turm des World Trade Centers stürzt ein
Der Nordturm des World Trade Centers ist nach dem Südturm zusammengebrochen. Eine schwarze Staubwolke zieht über Manhattan, Einsatzkräfte suchen nach Überlebenden. Unter den fast 3.000 Toten des 11. September 2001 sind auch elf Deutsche.
Der Nordturm des World Trade Centers ist zusammengefallen. Eine schwarze Staubwolke rollt über Manhattan, Einsatzkräfte suchen in den Trümmern nach Überlebenden. Damit ist das markante Wahrzeichen der New Yorker Skyline nach dem Südturm vollständig eingestürzt. Der Terroranschlag vom 11. September 2001 hat die Vereinigten Staaten und die Welt in einem Ausmaß verändert, das bis heute nachwirkt.
Am Morgen des 11. September hatten 19 Terroristen der islamistischen Organisation al-Qaida vier Passagiermaschinen entführt. Zwei von ihnen steuerten sie in die Türme des World Trade Centers in New York, eine in das Pentagon bei Washington. Die vierte Maschine stürzte in Pennsylvania ab, nachdem sich Passagiere und Besatzung gegen die Entführer gewehrt hatten. Um 9.58 Uhr stürzte zunächst der Südturm ein, eine halbe Stunde später brach auch der Nordturm zusammen.
Die Bilder dieses Tages kennt fast jeder. Die Namen der deutschen Opfer dagegen nur wenige. Fast 3.000 Menschen starben bei den Anschlägen, darunter elf Deutsche. Einige lebten in den USA, andere waren nur vorübergehend dort. Sie arbeiteten im World Trade Center, hatten an diesem Morgen einen Geschäftstermin oder saßen in den entführten Flugzeugen. 25 Jahre später sind ihre Geschichten kaum bekannt.
Sebastian Gorki aus Iserlohn hatte nach dem Wirtschaftsabitur und einer Ausbildung Karriere gemacht. Über die Deutsche Bank in Frankfurt am Main führte sein Weg nach New York, wo er in der Aktiensparte der Bank arbeitete. Am Morgen des 11. September war er bei einem Termin im Südturm des World Trade Centers. Seine Freundin Paula Bellini war im zweiten Monat schwanger. Am Morgen fühlte sie sich nicht wohl und ging nicht zur Arbeit. Nach dem Einschlag der ersten Maschine in den Nordturm telefonierte der 27-Jährige noch einmal mit ihr: «Mir geht es gut, mach dir keine Sorgen.» Es waren seine letzten Worte an sie.
Klaus Sprockamp erhielt 1996 die Diagnose Hautkrebs. Eine Medizinerin half dem Finanzvorstand eines Heidelberger Biotechnologieunternehmens im Kampf gegen die Krankheit. Später wurde sie seine Frau, die beiden bekamen zwei Söhne. Am Morgen des 11. September war der 42-Jährige für einen Termin im World Trade Center, gemeinsam mit Sebastian Gorki, der für die Deutsche Bank mitgekommen war. Sprockamp starb wie Gorki im Südturm. Sein Leichnam wurde später nahezu vollständig gefunden und in Deutschland beigesetzt.
Ingeborg Joseph hatte Deutschland schon früh verlassen. Sie wuchs als ältestes von sechs Geschwistern in Berlin auf, lebte später unter anderem in Paris, London, Barcelona und Brüssel und zog 1967 in die Vereinigten Staaten. Joseph sprach fünf Sprachen, liebte Opernbesuche, klassische Musik und Literatur. Seit 1997 arbeitete sie für eine Hamburger Schiffsspedition im World Trade Center. Ein Kreditkartenbeleg dokumentiert nach Angaben ihrer Familie, dass die 60-Jährige am Morgen des 11. September um 8.40 Uhr noch in einer Drogerie im Erdgeschoss einkaufte. Sechs Minuten später traf das erste entführte Flugzeug den Nordturm. Joseph überlebte zunächst. Erst rund eineinhalb Tage später erfuhren ihre Angehörigen, dass Freunde sie in einem Krankenhaus gefunden hatten. 80 Prozent ihrer Haut waren verbrannt. Sie lag im künstlichen Koma. Am 9. Oktober 2001 starb Ingeborg Joseph an den Folgen ihrer Verletzungen, ohne noch einmal das Bewusstsein erlangt zu haben. Ihre Familie brachte sie zurück nach Berlin. Auf der Grabplatte in Frohnau steht: «Terroropfer vom 11. September 2001 in New York.»
Heinrich Ackermann wollte das Gasthaus seiner Eltern im Münsterland nicht übernehmen. Sein Weg führte stattdessen nach New York, wo er als Versicherungswirt arbeitete. Sein Büro lag im 101. Stock des Südturms. Seinen Fußballfreunden in Deutschland hatte er versprochen, mit 40 Jahren zurückzukehren. Er wurde 38 Jahre alt. Christian Wemmers war erst 16, als er während eines Schüleraustauschs die Vereinigten Staaten kennenlernte. Später arbeitete der Mann aus Ahrensburg in Schleswig-Holstein als Softwareentwickler, zog nach San Francisco und leitete zuletzt das Produktmanagement einer Softwarefirma. Er wanderte gern, spielte Tischfußball und bestieg Berge in Nepal. Für eine Fachmesse im World Trade Center war der 42-Jährige nach New York gereist, er starb im Nordturm. Sigrid Wiswe war bereits 1973 gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Schwester aus Offenbach in die Vereinigten Staaten ausgewandert.




