Dobrindt: Organisierte Kriminalität bietet zunehmend Gewalt als Dienstleistung an
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hat bei der Vorstellung der Lagebilder zur organisierten Kriminalität und Rauschgiftkriminalität auf einen wachsenden Servicecharakter hingewiesen. Die Ermittlungsverfahren erreichten 2025 den höchsten Stand seit 2021, die Gewaltbereitschaft krimineller Gruppen nimmt deutlich zu.
Die organisierte Kriminalität in Deutschland entwickelt sich zunehmend zu einem Dienstleistungsgeschäft. Bei der Vorstellung der aktuellen Lagebilder zur organisierten Kriminalität und zur Rauschgiftkriminalität wies Bundesinnenminister Alexander Dobrindt auf einen wachsenden Servicecharakter der Straftaten hin. Gewalttaten würden immer häufiger wie eine Dienstleistung bestellt und von eigens dafür rekrutierten Tätern ausgeführt, sagte der CSU-Politiker. Das Prinzip beschrieb er mit den Worten: «Einer plant, einer bezahlt, einer schlägt zu.»
Nach Angaben des vom Bundeskriminalamt erstellten Bundeslagebildes zur organisierten Kriminalität für das Jahr 2025 stieg die Zahl der Ermittlungsverfahren auf 683 und damit auf den höchsten Wert seit 2021. Die Zahl der Tatverdächtigen wuchs um mehr als 13 Prozent auf 7.988 – der höchste Stand der vergangenen fünf Jahre. Unter den Ermittelten waren 2.722 deutsche Staatsbürger, 664 Menschen mit türkischem Pass, 402 Syrer, 281 Albaner und 258 Personen mit polnischer Staatsangehörigkeit.
Besonders auffällig ist die gestiegene Gewaltbereitschaft der Gruppierungen. Im vergangenen Jahr registrierte das Lagebild 20 vollendete Tötungsdelikte und 100 Fälle vollendeter Körperverletzung im Bereich der organisierten Kriminalität. Im Vorjahr waren es 13 vollendete Tötungsdelikte und 77 Fälle von Körperverletzung. In 31 Ermittlungsverfahren ging es primär um Gewaltkriminalität, nach elf entsprechenden Komplexen im Vorjahr. Das Bundeskriminalamt nennt als Beispiel eine Serie von Explosionen und Schussabgaben im Großraum Köln seit Sommer 2024, die auf den Diebstahl einer Rauschgiftlieferung zurückzuführen ist.
Ein vergleichsweise neues Phänomen ist die Anwerbung von Tätern über soziale Medien. Nach Feststellungen des Bundeskriminalamts werden für Gewalttaten teils sogar 13-Jährige rekrutiert. Da sich diese Entwicklung «sehr dynamisch» vollziehe, sei ein fortlaufender Austausch mit den Service-Providern notwendig. Auftraggeber und ausführende Täter begegnen sich dabei oft überhaupt nicht.
Zum dritten Mal in Folge stieg 2025 der Anteil der bewaffneten Tatverdächtigen. Er lag bei 5,8 Prozent. In 30,3 Prozent der gemeldeten OK-Verfahren stieß die Polizei auf bewaffnete Tatverdächtige, nach 28,4 Prozent im Vorjahr. Drei Viertel der insgesamt 556 im OK-Kontext aufgefundenen Waffen waren illegal. Die erhöhte Verfügbarkeit von Schusswaffen hängt laut Bundeskriminalamt auch mit Fälschungen zusammen, die vor allem aus der Türkei in die Bundesrepublik geschmuggelt werden, unter anderem nach Berlin. Die oft täuschend echten Nachbauten sind funktionstüchtig, weisen aber in der Regel technische Mängel auf.
Das Bundeskriminalamt beobachtet zudem eine veränderte Selbstdarstellung krimineller Akteure. Während Abschottung lange ein Kennzeichen der organisierten Kriminalität war, inszenieren insbesondere jüngere Täter – die sogenannte «Gen-Z-Mafia» – Macht, Status und Gewalt zunehmend in den sozialen Medien.
Rauschgiftkriminalität machte im Berichtsjahr erneut den mit Abstand größten Teil der OK-Ermittlungsverfahren aus, gefolgt von Kriminalität im Kontext des Wirtschaftslebens, Steuer- und Zolldelikten, Schleuserkriminalität, Eigentumsdelikten und Geldwäsche. Mit 2.150 registrierten Drogentoten lag die Zahl der Todesfälle durch Rauschgift im vergangenen Jahr in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Ein Anstieg zeichnete sich laut Bundeslagebild Rauschgiftkriminalität bei den Todesfällen im Zusammenhang mit dem Verkauf über das Internet ab.




