Amthor-Strandkorb verlässt das Kanzleramt: Verkäufer nennt Kritik übertrieben
Nach öffentlicher Kritik an einem Strandkorb im Bundeskanzleramt wird das Möbelstück nach Mecklenburg-Vorpommern zurückgebracht. Der Lieferant Dirk Mund verteidigt den Kauf als private Entscheidung von Staatsminister Philipp Amthor und spricht von einem einfachen Modell für rund 1600 Euro.
Der Strandkorb, der im Bundeskanzleramt für Diskussionen gesorgt hat, wird nach Mecklenburg-Vorpommern zurückgebracht. Ein Regierungssprecher bestätigte in der Bundespressekonferenz, dass Staatsminister Philipp Amthor die an ihn gerichtete Kritik sehr ernst nehme und deshalb entschieden habe, den Korb abtransportieren zu lassen. Zuvor hatte die Ausstrahlung der zweiten Staffel der ZDF-Dokumentation «Inside CDU» die Lieferung des maritimen Möbelstücks einer breiteren Öffentlichkeit gezeigt und in den sozialen Netzwerken teils Spott und kritische Reaktionen ausgelöst.
Der Verkäufer des Strandkorbs, der freiberufliche Vertriebler Dirk Mund, bezeichnet die Aufregung als «völlig übertrieben». Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur sagte er, die Fakten seien bislang zu kurz gekommen. Amthor sei es wichtig gewesen, dass es sich um ein ganz einfaches Modell handele – «ein Stück Heimat, so wie er am Strand steht». Dementsprechend habe der Staatsminister «wirklich das Einfachste und Schlichteste gekriegt». Bei dem Modell handelt es sich um den «Original Heringsdorfer», der auf der Hersteller-Website mit einem Kaufpreis von rund 1600 Euro zuzüglich Versandkosten geführt wird. Amthor habe den Korb selbst bezahlt, betonte Mund. Einen Sonderpreis habe es nicht gegeben.
Der Strandkorb war ursprünglich für das Digitalministerium in Berlin gedacht, wo Amthor als Staatssekretär tätig war. Nach seiner Ernennung zum Staatsminister für die Bund-Länder-Beziehungen im Kanzleramt sei das Möbelstück dann dorthin geliefert worden. Mund erklärte, es sei sein zweites Mal im Bundeskanzleramt gewesen; zuvor habe er als Tourist an einer Führung teilgenommen. Amthor kenne die Strandkorbmanufaktur und habe sie besucht, als sie sich noch in Heringsdorf befand. Den Korb habe er telefonisch geordert.
Der Hersteller des Strandkorbs, die Manufaktur Korbwerk, ist nach Angaben von Mund die älteste Strandkorbmanufaktur Deutschlands und der Welt. Von ihr stammte auch der sechs Meter lange Riesenstrandkorb für den G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm, auf dem die Mächtigen der Welt zusammen mit der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel Platz genommen hatten. Allerdings hatte das Unternehmen in der Vergangenheit wiederholt wirtschaftliche Schwierigkeiten und stellte mehrfach Insolvenzanträge. Im Sommer 2024 wurde bekannt, dass die Tischlerei Pohl aus Züssow im Landkreis Vorpommern-Greifswald die Firma übernimmt. Danach war die Produktion von Heringsdorf ins wenige Kilometer entfernte Ückeritz umgezogen.
Mund, der selbst CDU-Mitglied ist, beschrieb Amthor als «sehr umtriebig», «volksnah» und «extrem fleißig». Der Staatsminister halte auch Kontakt in seinen Wahlkreis und sei selbst bei Scheunenfesten und Feuerwehrveranstaltungen mit dabei. Bei der Bundestagswahl 2025 war Amthor seinem AfD-Kontrahenten Enrico Komning unterlegen, aber über die Landesliste in den Bundestag eingezogen. Strandkörbe beschrieb Mund als Rückzugsorte, die Privatsphäre ermöglichen. Es gebe auch Strandkörbe, die als Arbeitsort ausgebaut worden seien. Ob Amthor in seinem Strandkorb bereits gearbeitet habe, könne er nicht sagen. «Ich glaube, dass in Berlin ziemlich viel Hektik ist im Augenblick», sagte Mund.
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