Ein schwerer Vorfall hat den Christopher Street Day (CSD) in Berlin am Samstag erschüttert. Nach Angaben der Polizei raste ein Lieferwagen in eine Menschenmenge am Rande der Veranstaltung. Dabei kam mindestens eine Frau ums Leben, 16 weitere Menschen wurden verletzt, mehrere von ihnen lebensbedrohlich. Die Behörden gehen von einem mutmaßlichen Anschlag aus und fahnden nach einem Verdächtigen. Wie aus Sicherheitskreisen verlautete, soll der Mann aus der islamistischen Szene stammen.
Nach dem Vorfall wurde der CSD in Berlin sofort abgebrochen. Die Polizei sperrte das weitläufige Areal weiträumig ab. Einsatzkräfte der Berliner Polizei sowie Rettungsdienste waren mit einem Großaufgebot vor Ort. Die Verletzten wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht. Die genauen Umstände der Tat sind noch Gegenstand der Ermittlungen.
Die Polizei veröffentlichte am späten Abend ein Fahndungsfoto des Tatverdächtigen. Es handelt sich um einen 32-jährigen Mann namens Abdul B. Die Ermittler durchsuchten seine Wohnung in Berlin-Mitte und sicherten Spuren. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wird der Verdächtige wegen Mordes und versuchten Mordes gesucht. Die Polizei rief die Bevölkerung auf, Hinweise zu seinem Aufenthaltsort zu melden.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) äußerte sich am Samstagabend zu dem Angriff. In einer live übertragenen Stellungnahme zeigte er sich erschüttert: «Was heute in Berlin passiert ist, ist ein dunkler Tag für die CSD-Community und für unser gesamtes Land. Wir werden alles daran setzen, die Hintergründe dieser Tat vollständig aufzuklären.» Der Minister bekräftigte, dass die Sicherheitsbehörden mit Hochdruck arbeiteten und die Fahndung nach dem Täter oberste Priorität habe.
Die Berliner Innensenatorin Iris Spranger (SPD) sprach den Angehörigen des Opfers ihr tiefes Mitgefühl aus. Sie betonte, dass der CSD ein Symbol für Toleranz und Vielfalt sei. «Wir lassen uns von dieser abscheulichen Tat nicht einschüchtern. Die Feinde unserer offenen Gesellschaft dürfen nicht gewinnen», sagte Spranger. Sie kündigte eine enge Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt an.
Der CSD Berlin hatte zuvor Hunderttausende Teilnehmer und Besucher angezogen. Die Parade zog traditionell durch die Straßen der Hauptstadt und stand in diesem Jahr unter dem Motto «Love Wins». Nach dem Angriff herrschte unter den Besuchern große Bestürzung. Viele verließen die Veranstaltung vorzeitig. In den sozialen Medien kursierten zahlreiche Videos und Bilder von den Rettungsarbeiten.
Die Sicherheitsbehörden hatten vor dem CSD bereits erhöhte Maßnahmen ergriffen, da die Veranstaltung regelmäßig Ziel von extremistischen Gruppen ist. Vergangene Jahre waren vergleichbare Vorfälle ausgeblieben. Die diesjährige Attacke ist die schwerste Gewalttat im Zusammenhang mit einem CSD seit Jahren. Die Ermittlungen konzentrieren sich nun auf die Frage, ob der Verdächtige allein handelte oder in ein Netzwerk eingebunden war. Die Polizei schloss weitere Täter nicht aus.
Politiker aller Parteien reagierten entsetzt. Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner (CDU), sprach von einem «feigen Angriff auf unsere freiheitliche Gesellschaft». Er sagte eine schnelle und lückenlose Aufklärung zu. Auch Vertreter der CSD-Community äußerten sich betroffen: «Wir trauern um die Tote und bitten für die Verletzten», sagte eine Sprecherin des Berliner CSD-Vereins in einer Stellungnahme.
Die Staatsanwaltschaft Berlin hat die Ermittlungen übernommen. Der Generalbundesanwalt prüft nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa, ob die Bundesanwaltschaft die Zuständigkeit wegen der mutmaßlich terroristischen Motivation übernimmt. Ein solcher Schritt wäre möglich, wenn die Tat sich gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung richtet. Die Polizei warnt vor Spekulationen und bittet die Medien, keine Details zu veröffentlichen, die die laufenden Maßnahmen beeinträchtigen könnten.
