Iran hat nach Darstellung des US-Militärs mehrere ballistische Raketen auf US-Truppen im Nahen Osten abgefeuert – und dies erstmals, ohne zuvor von den USA oder Israel selbst angegriffen worden zu sein. Alle Geschosse seien abgefangen worden, teilte das US-Regionalkommando Centcom mit. Das Ziel der Raketen blieb zunächst ungenannt, doch US-Medienberichten zufolge flogen sie in Richtung eines US-Stützpunktes in Jordanien.
Der Angriff erfolgte nur wenige Stunden, nachdem US-Präsident Donald Trump die Luftangriffe auf Ziele im Iran vorerst gestoppt hatte, um laufenden Verhandlungen mit Teheran eine Chance zu geben. Der Iran-Experte Hamidreza Azizi wertete den Beschuss als bewusstes Signal: Teheran habe zeigen wollen, dass es eine Eskalation nicht scheue, aber mit älteren Raketentypen möglicherweise nur eine Warnung ohne unmittelbare Eskalationsabsicht ausgesendet habe. Der Zeitpunkt – parallel zum Besuch des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu im Weißen Haus – sei wohl kein Zufall gewesen. Der Angriff könnte als Warnung an die USA gedacht gewesen sein, sich keiner neuen militärischen Kampagne gegen den Iran anzuschließen oder eine solche selbst zu beginnen.
Die USA hatten zuvor fast zwei Wochen lang jede Nacht Ziele im Iran angegriffen. Die Entscheidung, die Angriffe vorerst auszusetzen, begründete Trump mit dem Wunsch, den Verhandlungen eine weitere Chance zu geben. Medienberichten zufolge könnte jedoch auch eine schwindende Munitionsreserve der USA eine Rolle gespielt haben, insbesondere bei Luftabwehrraketen wie den Patriot-Systemen. Während die USA im Iran pausieren, griffen sie gemeinsam mit Saudi-Arabien im Irak an: Amerikanische und saudi-arabische Kampfjets bombardierten mehrere Logistik- und Waffenlager einer nicht näher genannten, Iran-nahen Gruppierung. Dies sei eine Reaktion auf mehr als 30 von den iranischen Revolutionsgarden angeordnete Drohnenangriffe in den vergangenen 72 Stunden gewesen, die teils auf US-Truppen in Saudi-Arabien und teils auf Energieinfrastruktur des Landes gezielt hätten. Die Angriffe auf US-Streitkräfte seien erfolglos geblieben.
Netanjahu und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatten sich am Dienstag separat mit Trump im Weißen Haus getroffen. Trump lobte die Gespräche, ohne konkrete Inhalte zu nennen. Der Besuch Netanjahus war der erste seit Beginn des iranisch-israelischen Krieges Ende Februar, den die USA gemeinsam mit Israel begannen. Medienberichten zufolge dürften Trump und Netanjahu unterschiedliche Positionen vertreten haben: Während Israel einen entschlossenen Kriegskurs verfolgen wolle, dränge Trump auf eine diplomatische Lösung. Netanjahu selbst bezeichnete das Treffen als eines der besten, das man je gehabt habe. Selenskyj hingegen bat um Unterstützung für die ukrainische Flugabwehr gegen russische Raketenangriffe. Trump soll der Ukraine die Lizenzen zur Herstellung von Patriot-Abfangraketen zugesagt haben, um die Produktion zu beschleunigen.
Netanjahu und Selenskyj waren nach Washington gereist, um an der Trauerfeier für den verstorbenen US-Senator Lindsey Graham teilzunehmen. Graham, der Mitte Juli im Alter von 71 Jahren an den Folgen einer Gefäßerkrankung gestorben war, galt als einflussreicher Unterstützer Israels und der Ukraine. In seiner Trauerrede würdigte Trump Graham als geliebten Freund und prägende Figur des US-Senats. Die Gästeliste der Trauerfeier unterstrich die immense Bedeutung des Senators für die Weltpolitik.
