Grenzah

Dienstag, 15. September 2026

© 2026 Grenzah

Teil der GruppeMosaic Media

Entwickelt vonSponge — digital & design

Militärischer Abschirmdienst warnt vor russischen Auftragsagenten in Deutschland

Der MAD-Jahresbericht 2025 warnt vor zunehmender Spionage, Sabotage und hybriden Angriffen. Deutschland bleibt priorisiertes Ziel russischer Aufklärung, auch China und Rechtsextremismus geraten stärker in den Fokus.

Der Militärische Abschirmdienst (MAD) warnt vor einer weiter verschärften hybriden Bedrohungslage in Deutschland. In seinem Jahresbericht für 2025 stellt der Militärgeheimdienst fest, dass die Bundesrepublik «priorisiertes Aufklärungsziel russischer Spionageaktivitäten» bleibt. Als Gründe nennt der Dienst die geostrategische Lage Deutschlands in Europa und der Nato, den Aufwuchs der Bundeswehr sowie die Einführung neuer Waffensysteme.

Besondere Sorge bereitet dem MAD der Einsatz sogenannter «Low-Level-Agents». Dabei handelt es sich um angeworbene Auftragsagenten, die Sabotageakte verüben sollen. Das Bedrohungspotenzial durch diese Einsätze habe «erheblich zugenommen», heißt es in dem Bericht. Konkrete Vergleichszahlen werden für 2025 nicht genannt, um gegnerischen Diensten keine Rückschlüsse zu ermöglichen. Hybride Angriffe kombinieren militärische, wirtschaftliche, geheimdienstliche und propagandistische Mittel, um andere Staaten zu destabilisieren. Dazu zählen Cyberattacken, Drohnenangriffe, Versuche politischer Einflussnahme sowie Störangriffe auf Verkehr, Energieanlagen und Telekommunikation.

Als zentrales Instrument der russischen Informationsbeschaffung im Ausland nennt der MAD sogenannte Legalresidenturen. Das sind getarnte Stützpunkte russischer Nachrichtendienste in Botschaften oder halbstaatlichen Vertretungen, zu denen der Bericht ausdrücklich auch Presseagenturen zählt. Mit Sorge beobachtet der Dienst zudem Reisen von Bundeswehrsoldaten nach Russland und Belarus. Trotz der angespannten Sicherheitslage seien in den vergangenen Jahren zahlreiche Angehörige der Bundeswehr dorthin gereist und dabei in das Blickfeld der dortigen Nachrichtendienste geraten. Häufig handele es sich um Soldaten mit verwandtschaftlichen Beziehungen in diese Länder. Daraus ergebe sich eine besondere Gefährdung für Erpressungen und Bedrohungen durch die dortigen Sicherheitsbehörden.

Der Bericht benennt auch Spionageversuche aus China. Der MAD geht davon aus, dass zumindest einige der Ausspähungen militärischer Infrastruktur auf chinesische Nachrichtendienste zurückzuführen sind. Dazu zählen Drohnenüberflüge und das Eindringen in Liegenschaften der Bundeswehr. Die chinesischen Dienste setzten dabei auch Teile der chinesischen Diaspora ein.

Neben der Abwehr äußerer Bedrohungen registriert der MAD eine wachsende Zahl von Extremismusverdachtsfällen innerhalb der Bundeswehr. Für 2025 verzeichnet der Dienst 610 neu aufgenommene Fallbearbeitungen, nach 524 im Jahr 2024. Der Schwerpunkt liegt auf Rechtsextremismus: In diesem Phänomenbereich wurden 519 neue Fälle bearbeitet, gegenüber 413 im Vorjahr. Das entspricht einem Anstieg um rund 26 Prozent. Als Rechtsextremisten eingestuft wurden im vergangenen Jahr elf Menschen, ebenso viele wie 2024. Bei 21 Personen lagen Erkenntnisse vor, die den Verdacht fehlender Verfassungstreue begründen, nach 26 im Jahr 2024.

Der Bericht verweist auf die Vorfälle um sexualisiertes Fehlverhalten, Drogen und Extremismus bei Fallschirmjägern in Zweibrücken, die wiederholt Schlagzeilen auslösten. Diese Fälle hätten «einen signifikanten Einfluss auf die Erhöhung der Anzahl der Neuaufnahmen» gehabt. Darüber hinaus stellt der MAD eine anhaltende «Entgrenzung» des Rechtsextremismus fest. Positionen der extremen Rechten würden zunehmend «normalisiert», die Grenze des Sagbaren verschiebe sich weiter. Seit Mitte 2024 beobachtet der Dienst vermehrt neue rechtsextremistische Jugendgruppierungen, die sich über soziale Medien im virtuellen Raum etabliert haben. Namentlich nennt der Bericht «Jung & Stark», «Deutsche Jugend Voran» und «Der Störtrupp». Es konnten Bezüge einiger Angehöriger des Geschäftsbereichs zu diesen Gruppen festgestellt werden. Sie traten wiederholt durch rechtsextremistische Störaktionen gegen öffentliche Veranstaltungen zum Christopher Street Day oder durch Angriffe auf politische Gegner in Erscheinung. Auch die Verfolgung vermeintlich pädophiler Personen, das sogenannte «Pedo-Hunting», zählt zu ihren Aktionsformen.

Zum Stichtag 1. Dezember 2025 verfügte der MAD über rund 1600 Bedienstete. Der Dienst bereitet weitere Standorte im Inland vor, über die bestehenden acht Dienststellen hinaus. Zudem wurden im vergangenen Jahr die Planungen für eine permanente MAD-Stelle in Litauen abgeschlossen. Dort will die Bundesregierung eine gefechtsbereite Panzerbrigade zum Schutz der Nato-Ostflanke stationieren. Für die Brigade fehlen allerdings noch hunderte Spezialisten; die Versetzung ins Baltikum wird inzwischen auch angeordnet, nachdem Freiwilligkeit allein nicht ausreichte.

Franziska Thielmann

Autor

Reporterin

Franziska Thielmann berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

Weiter im RessortNachrichten