Eine russische Raffinerie in Westsibirien ist nach einem ukrainischen Drohnenangriff zum Stillstand gekommen. Wie mit der Angelegenheit vertraute Personen mitteilten, stellte die Raffinerie Tjumen am vergangenen Samstag die Ölverarbeitung ein. Bei dem Angriff fingen eine Anlage zur Diesel-Entschwefelung sowie eine zur Benzinproduktion Feuer. Der Betreiber war zunächst für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Lokalbehörden hatten zuvor lediglich bestätigt, dass ein ukrainischer Drohnenangriff ein Feuer in der Anlage ausgelöst habe.
Die Raffinerie liegt mehr als 2000 Kilometer von der Ukraine entfernt. Branchenschätzungen zufolge werden in ihr jährlich rund sechs Millionen Tonnen Rohöl verarbeitet; die Produktion umfasst etwa eine halbe Million Tonnen Benzin und 2,8 Millionen Tonnen Diesel. Die Ukraine hat in letzter Zeit verstärkt die russische Ölinfrastruktur ins Visier genommen, was in einigen Gebieten zu akuten Treibstoffengpässen geführt hat. Wann die Anlage den Betrieb wieder aufnehmen kann, war zunächst unklar.
Neben dem Angriff auf die Raffinerie meldeten russische Behörden weitere Drohnenangriffe auf zivile Ziele. In der Grenzstadt Schebekino in der Region Belgorod schlug eine Drohne in einen Linienbus ein. Nach Angaben des amtierenden Gouverneurs Alexander Schuwajew wurden dabei 19 Menschen verletzt, sechs von ihnen schwer. In der von russischen Truppen besetzten Stadt Horliwka nahe Donezk verletzte eine ukrainische Drohne fünf Personen, als sie ebenfalls einen Bus traf, wie der Bürgermeister Iwan Prichodjko mitteilte.
Auch Finnland ergriff Maßnahmen wegen möglicher Drohnenaktivitäten. Das Land schloss einen Teil seines Luftraums und schränkte den Seeverkehr vor seiner Südküste nahe der russischen Grenze ein. Ein Militärsprecher erklärte, die Maßnahmen sollten sichere Gegenmaßnahmen und den Schutz von Unbeteiligten ermöglichen, falls eine Drohne in das Gebiet eindringe. Hintergrund sind wiederholte Vorfälle, bei denen ukrainische Militärdrohnen auf dem Weg zu Zielen in Russland in den Luftraum von NATO-Staaten wie Finnland, Estland, Lettland und Litauen eingedrungen sind. Die Ukraine und NATO-Staaten machen russische Störsender für die Kursabweichungen verantwortlich, während Moskau der Ukraine vorwirft, die Drohnen absichtlich über die Grenzen zu steuern.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist unterdessen in den USA eingetroffen. Auf dem Kurznachrichtendienst X bestätigte er seine Ankunft und kündigte ein Treffen mit US-Präsident Donald Trump an. Oberste Priorität hätten die Raketenabwehr und die strategische Zusammenarbeit mit den USA, erklärte Selenskyj. Die Ukraine benötigt zur Abwehr des russischen Angriffskriegs dringend mehr Unterstützung bei der Flugabwehr.
In einer weiteren Entwicklung kündigte die Ukraine an, möglicherweise schon im Herbst ballistische Raketen einsetzen zu können. Denys Schtilerman, Inhaber und Chefkonstrukteur des Rüstungsunternehmens Fire Point, erklärte im Gespräch mit dem Journalisten Dmitry Gordon, entsprechende Raketen befänden sich in der Endphase der Tests. Danach werde das Militär ab Herbst mit dem Einsatz gegen wichtige Ziele in Moskau beginnen.
Die russische Hauptstadt Moskau wurde nach Angaben von Bürgermeister Sergej Sobjanin in der vergangenen Nacht mit mehr als 390 Drohnen angegriffen. Die Drohnen seien größtenteils von der Luftabwehr „lange vor Erreichen der Stadt neutralisiert“ worden, teilte Sobjanin auf Telegram mit. 81 „feindliche“ Drohnen seien zerstört worden, als sie sich Moskau näherten. Der Gouverneur der Region Moskau, Andrej Worobjow, meldete Schäden an Wohnhäusern in der Stadt Tschechow und dem Dorf Waulowo. Die Angriffe erfolgten wenige Stunden vor dem Besuch Selenskyjs in Washington.
Ein wegen eines besonders grausamen Doppelmordes verurteilter Russe ist offenbar an die Front in der Ukraine geschickt worden. Wie das Exilmedium „Meduza“ berichtet, habe Kirill Tscheplygin aus Atschinsk in der Region Krasnojarsk am 9. Juni einen Vertrag mit dem russischen Verteidigungsministerium unterzeichnet. Der 35-Jährige war im Dezember 2025 zu 19 Jahren und zwei Monaten Haft in einer Strafkolonie mit verschärften Bedingungen verurteilt worden. Er hatte seine Ex-Frau Jekaterina und deren neuen Partner im Februar 2025 zunächst in einem Treppenhaus und anschließend auf der Straße mit einem Messer getötet. Die Mutter der Frau musste die Tat von einem Fenster aus mitansehen. Bereits während der Ermittlungen hatte Tscheplygin darum gebeten, an die Front geschickt zu werden, um einer Haftstrafe zu entgehen.
