Russland und Ukraine evakuieren gemeinsam Zivilisten aus Oleschky
In einer als historisch bezeichneten Rettungsaktion haben Russland und die Ukraine Dutzende Menschen aus der umkämpften Frontstadt Oleschky in Sicherheit gebracht. Die Waffenruhe wurde durch Vermittlung von Melania Trump und Papst Leo XIV. ermöglicht.
In einer von beiden Kriegsparteien als «historisch» bezeichneten Rettungsaktion haben sich Dutzende Menschen aus der von Russland kontrollierten Frontstadt Oleschky in Sicherheit bringen lassen. Viele verließen die abgeriegelte Zone im von Moskau annektierten Teil des Gebiets Cherson nur mit ein paar Beuteln, einige sogar mit dem Haustier im Käfig. Die Aktion fand unter einer Waffenruhe statt, die weltweit Aufmerksamkeit erregte.
Vermittelt wurde die bislang längste und störungsfreie Waffenruhe samt Evakuierung von der US-First-Lady Melania Trump und Papst Leo XIV. Der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez nannte das Vorhaben einen beispiellosen Kraftakt. Er begleitete die humanitäre Hilfsaktion gemeinsam mit seiner russischen Kollegin Jana Lantratowa. Beide zeigten sich so zufrieden, dass sie sich weitere Missionen in anderen Frontgebieten vorstellen können. Lubinez sagte sogar, solche Schritte könnten den Weg zu einem Frieden bereiten.
Bemerkenswert ist laut Berichten, dass sich beide Seiten gegenseitig lobten, weil sie die Vereinbarungen einhielten. Das ist ein Novum in den sonst aggressiven Wortgefechten der Staatsführungen. Lantratowa erklärte: «Die Mission ist beendet. Aber leider bleiben die Lebensbedingungen in Oleschky äußerst schwierig.» Mit Lubinez habe sie deshalb weitere regelmäßige Hilfsaktionen vereinbart.
Vor dem Krieg lebten in Oleschky rund 24.000 Menschen, heute sind es nach Angaben vor Ort noch deutlich über 1.000. Viele bleiben trotz der Todesgefahr, weil sie andere nicht im Stich lassen wollen oder schlicht zu alt zum Gehen sind. Eine 71-Jährige erzählte, sie bleibe, weil sie zu alt sei, um zu gehen; sie kümmere sich zudem um ihren 22 Jahre alten Enkel, der ein Bein verloren hat. Der russische Staat zahle eine Rente von 31.000 Rubel, etwa 344 Euro monatlich, deutlich mehr als in der Ukraine.
Die Versorgung in der Stadt hängt derzeit stark von Hilfslieferungen ab, die Lebensmittel, Medikamente, Hygieneartikel und Kraftstoff umfassen. Strom liefern vielerorts Solaranlagen, oft neben den Häusern aufgestellt, weil die Dächer durch Drohneneinschläge zerstört sind. Manche Bewohner leben von der eigenen Ernte auf dem fruchtbaren Boden oder aus Gewächshäusern. Dennoch bleibt die Gefahr allgegenwärtig, von einer Drohne getroffen zu werden oder auf eine Mine zu treten.
Die Menschen konnten beim Abschied zwischen weißen Bussen mit der Aufschrift Ukraine oder Russland wählen. Wer unter ukrainischer Führung leben wollte, konnte nicht den kurzen, aber verminten Weg über den Dnipro nehmen. Stattdessen führte der Weg über die Krim und die russische Schwarzmeerstadt Anapa. Vier russische Militärmaschinen flogen Lubinez und die Geretteten nach Gomel in Belarus, von dort ging es mit Bussen weiter in die Ukraine. Der älteste Flüchtling war nach Angaben von Lubinez 94 Jahre alt, der jüngste ein Jahr. Auch Hunde, Katzen, ein Papagei und ein Waschbär waren Teil des Transports.
Nach Ende der Waffenruhe, die bis Sonntagabend angesetzt war, drohen in Oleschky erneut Kämpfe. Die Zahl der Geretteten wurde von keiner Seite genannt. Die Aktion zeigt, dass humanitäre Zusammenarbeit trotz des anhaltenden Krieges möglich ist, ob sie jedoch zu einem Frieden führt, bleibt offen.
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