Selenskyj kritisiert Schusswechsel zwischen eigenen Geheimdiensten scharf
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat einen Schusswechsel zwischen Mitarbeitern des Inlandsgeheimdienstes SBU und des Militärgeheimdienstes HUR in Kiew als „absolut skandalös“ bezeichnet. Zudem droht Russlands Ex-Präsident Dmitri Medwedew Deutschland wegen der Sanktionen nach dem Drohnenfund am Flughafen Leipzig/Halle.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat eine Schießerei zwischen Angehörigen seiner eigenen Geheimdienste scharf verurteilt. Bei dem Vorfall in Kiew seien Mitarbeiter des Inlandsgeheimdienstes SBU und des Militärgeheimdienstes HUR aneinandergeraten, mehrere Menschen wurden verletzt. Selenskyj sprach von einer „absolut skandalösen Situation“ und forderte den Generalstaatsanwalt auf, die Umstände zu klären. „Hier in der Ukraine darf nur auf russische Besatzer geschossen werden, um die Ukraine zu verteidigen“, sagte er.
Der SBU teilte zunächst mit, gemeinsam mit dem HUR sei ein aus Moskau gesteuerter Anschlag auf einen russischen Oppositionellen verhindert worden. Nach Kiewer Medienberichten handelte es sich bei dem Ziel um einen Offizier des Russischen Freiwilligenkorps RDK, das auf Seiten der Ukraine kämpft. Später erklärte der SBU, seine Einsatzkräfte seien bei einer Ermittlungsaktion von Unbekannten angegriffen worden. In dem folgenden Schusswechsel seien mehrere Angreifer verletzt worden, die sich als Armeeangehörige herausgestellt hätten. Die Aufsicht über die russischen Freiwilligen liegt beim Militärgeheimdienst HUR, der sich bislang nicht offiziell zu dem Vorfall äußerte.
Unterdessen hat der stellvertretende Vorsitzende des russischen nationalen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, Deutschland wegen der Sanktionen nach dem Fund einer Sprengstoff-Drohne auf dem Flughafen Halle/Leipzig mit Vergeltung gedroht. „Sie verdienen einen direkten Schlag gegen alle deutschen Produktionsstätten für Militärtechnik“, schrieb der frühere russische Präsident bei Telegram. Gemeint seien Rüstungsbetriebe, die für die Ukraine arbeiteten, sowie „durchaus auch einige andere Orte in Berlin“. Medwedew warf den deutschen Behörden vor, den Vorfall erfunden zu haben; Beweise gebe es nicht. Die „derzeitige deutsche Führung“ bezeichnete er als „neonazistisch“ und „extrem russophob“. Russland sehe den Fall als eine „Provokation“, die den Interessen der Ukraine diene.
Bereits am Dienstag hatte Kremlchef Wladimir Putin die von Deutschland angekündigten Sanktionen als „weiteren schweren Fehler“ bezeichnet. Bei einer Pressekonferenz in Bischkek in Kirgistan fragte Putin nach den Beweisen für die russische Urheberschaft des Drohnenangriffs und nannte die bisher vorgelegten Belege „gefälscht“. Die Reaktion der Bundesregierung um Kanzler Friedrich Merz sei vor allem innenpolitisch motiviert und laufe „eindeutig den Interessen des deutschen Volkes zuwider“, behauptete Putin. Er fügte hinzu, die Reaktion hänge mit den „bevorstehenden Wahlkämpfen“ zusammen. „Merz hat das Vertrauen der Bürger verloren, da er die nationalen Interessen Deutschlands nicht schützt“, sagte Putin nach dem Gipfeltreffen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit.
Bei derselben Gelegenheit sprach Putin über angebliche Erfolge der russischen Armee im Krieg gegen die Ukraine. Russische Einheiten seien im Gebiet Donezk bis auf wenige Kilometer an die Städte Slowjansk, Kramatorsk und Druschkiwka herangerückt, behauptete er vor Vertretern staatlicher Medien. Die Stadt Swjatohirsk sei erneut unter russischer Kontrolle, in Dobropillja gebe es bereits Straßenkämpfe. Diese Darstellung widerspricht den Einschätzungen ukrainischer und westlicher Beobachter, die zuletzt übereinstimmend eine Verlangsamung des russischen Vormarsches festgestellt hatten. Im Gebiet Saporischschja sei die russische Armee bis ins Zentrum der Stadt Orichiw vorgestoßen, in der Nordostukraine verlaufe die Frontlinie nur noch rund zwölf Kilometer von der Gebietshauptstadt Sumy entfernt. In der Region Charkiw sei am Ostufer des Flusses Oskil eine größere Gruppierung ukrainischer Streitkräfte eingeschlossen worden.
Selenskyj warnte unterdessen alle Fluggesellschaften vor Flügen über russischem Territorium. „Der russische Luftraum wird vollkommen unsicher“, sagte er in seiner abendlichen Videobotschaft. Die Ukraine drohe nicht der zivilen Luftfahrt oder einzelnen Flugzeugen, sondern es werde schlicht so viele Drohnen im russischen Luftraum geben, dass man dies berücksichtigen müsse. Der russische Luftraum werde „faktisch“ geschlossen. Erst in der vergangenen Woche hatte Selenskyj den Einsatz von bis zu 1.000 weitreichenden Drohnen täglich angekündigt. Er bestätigte dabei Medienberichte, wonach die USA für die vergangene Woche um eine Unterbrechung von Angriffen auf Moskau und Sankt Petersburg gebeten hatten. Auch ein anderer Staat habe die Ukraine gebeten, Angriffe in Richtung der Stadt Wladiwostok zu pausieren, wo von Dienstag bis Freitag ein internationales Wirtschaftsforum stattfindet.




