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Montag, 31. August 2026

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Sturzflut in Nepal: Fast 100 Tote und Hunderte Vermisste

Eine Sturzflut in der Grenzregion zwischen Nepal und China hat fast 100 Menschen getötet und Hunderte vermisst. Die Behörden warnen vor weiteren Katastrophen, während die Rettungsarbeiten laufen.

Eine heftige Sturzflut in der Grenzregion zwischen Nepal und China hat eine Spur der Verwüstung hinterlassen und fast 100 Menschen in beiden Ländern in den Tod gerissen. Allein in Nepal starben nach Angaben des Büros von Regierungschef Balendra Shah mindestens 95 Menschen. Hunderte weitere Menschen gelten als vermisst, darunter 484 Reisende aus Nepal und dem Ausland sowie Polizisten und Soldaten. Aus Polizeikreisen hieß es, es werde befürchtet, dass die Zahl der Vermissten in die Tausende gehen könnte.

Die Behörden gaben für die flussabwärts gelegenen Gebiete in dem Himalaya-Staat eine Katastrophenwarnung heraus. Nach Berichten der Zeitung „The Kathmandu Post“ und anderer nepalesischer Medien richteten die Wasser- und Schlammmassen große Zerstörungen in Ortschaften und an Infrastruktur entlang des Flusses Bhotekoshi an, der im Hochland von Tibet entspringt und die nepalesische Provinz Bagmati durchfließt. Bilder des nepalesischen Fernsehens und Videos in den sozialen Medien zeigten, wie zahlreiche Häuser, Wasserkraftanlagen und Straßen zerstört, Brücken weggespült und ganze Dörfer überflutet wurden.

Unklar war zunächst, was die Sturzflut ausgelöst hat. Nicht ausgeschlossen wurde, dass ein sogenannter Gletscherseeausbruch dazu geführt haben könnte. Dabei entleert sich plötzlich ein Gletschersee in Form von Flutwellen. China meldete drei Tote und 265 Vermisste. Das berichteten chinesische Staatsmedien unter Berufung auf eine erste Erhebung der Behörden vor Ort im Kreis Gyirong im Südwesten Tibets. Die genaue Zahl werde noch ermittelt, hieß es. Die Rettungsmaßnahmen liefen weiter, berichteten die Staatsmedien.

Nach aktualisierten Zahlen der nepalesischen Regierung gab es keinen Kontakt mehr zu 391 ausländischen Touristen sowie 93 nepalesischen Reisenden. Zudem seien 44 Angehörige der nepalesischen Armee sowie 31 Polizeibeamte unauffindbar. Die Fluten zerstörten 19 fahrbare Brücken und 40 Kilometer befahrbare Straße. Die nationale Tourismusorganisation Nepal Tourism Board hatte zuvor berichtet, der Großteil der vermissten Reisenden stamme aus dem Nachbarland Indien. Die Organisation berief sich dabei auf vorläufige Zahlen von Reise- und Trekkingagenturen, die Touren durch die betroffene Region organisieren.

Regierungschef Shah kündigte den Einsatz der Armee und weiterer Sicherheitskräfte für die Rettungsmaßnahmen an. Das Auswärtige Amt erklärte auf Anfrage, dass die deutsche Botschaft in Kathmandu mit den lokalen Behörden in engem Kontakt stehe. „Zum jetzigen Zeitpunkt hat das Auswärtige Amt keine Kenntnis von deutschen Staatsangehörigen unter den Betroffenen“, hieß es aus Berlin weiter.

China entsandte zahlreiche Rettungskräfte mit schwerem Gerät in das Gebiet, rief eine erhöhte Katastrophenwarnstufe aus und stellte der Region Hilfsgelder zur Verfügung. Die Schlammlawine habe die Straßen zu dem Grenzübergang sowie die Stromzufuhr und Kommunikationsverbindungen abgeschnitten, berichtete Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Videoaufnahmen in sozialen Medien und Fotos zeigten, wie die braunen Schlammmassen das Flusstal überspülten.

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping forderte, die Vermissten mit allen Mitteln zu suchen und Menschen in der Region in Sicherheit zu bringen, wie Xinhua meldete. Zudem mahnte er, das Frühwarnsystem zu stärken. Xi gibt solche Anweisungen in der Regel nur bei besonders schweren Unglücken. Zudem schickte er mit Zhang Guoqing einen ranghohen Kader der Kommunistischen Partei in die betroffene Region, um die Rettungsmaßnahmen zu überwachen.

Nepal ist ein Land, das schon lange besonders stark durch Naturgefahren bedroht ist. Der Staat liegt an einer tektonisch aktiven Plattengrenze, weshalb schwere Erdbeben jederzeit möglich sind. Das verheerende Beben von 2015 forderte fast 9.000 Menschenleben und beschädigte oder zerstörte Hunderttausende Gebäude. Während des Monsuns von etwa Juni bis September kommen Überschwemmungen und Erdrutsche hinzu. Heftige Regenfälle lassen Flüsse über die Ufer treten und destabilisieren die steilen Berghänge. Besonders gefährdet sind die dicht besiedelten Ebenen im Süden sowie die engen Täler und Bergstraßen.

Der Klimawandel verschärft die Lage. Die Gletscher im Himalaya schmelzen, Gletscherseen wachsen und Berghänge werden instabiler. Wenn natürliche Dämme brechen, können plötzlich große Wasser- und Geröllmassen ins Tal stürzen. Auch das Risiko für Dürren, Waldbrände und extreme Hitze nimmt zu. Die Sturzflut trifft Nepal in einer Zeit, in der das Land wirtschaftlich stark vom Tourismus abhängt, der in der betroffenen Region eine wichtige Einnahmequelle darstellt.

Dominik Zimmermann

Autor

Wirtschaftsanalyst

Dominik Zimmermann berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

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