Die US-Armee hat im Krieg gegen den Iran nach Angaben von Regierungsinsidern nahezu alle wichtigen landgestützten Langstreckenraketen verbraucht. Die niedrigen Lagerbestände werfen demnach Fragen zur Einsatzbereitschaft des US-Militärs für künftige Konflikte auf. Zwei mit der Sache vertraute Personen sagten der Nachrichtenagentur Reuters, die USA hätten «nahezu alle» dieser Waffen eingesetzt; genaue Zahlen nannten sie nicht.
Betroffen sind das Army Tactical Missile System (ATACMS) sowie die neueren Precision Strike Missiles (PrSM). Analysten zufolge wären diese Boden-Boden-Raketen, die jeweils mehr als eine Million Dollar kosten, auch in einem Konflikt mit China oder Russland von Bedeutung. Die PrSM gilt als fortschrittlichere Generation und soll die ATACMS mit ihrer kürzeren Reichweite ersetzen.
Auch bei anderen Waffensystemen sind die Reserven geschrumpft. Seit Kriegsbeginn habe die US-Marine knapp die Hälfte ihres weltweiten Bestands an Tomahawk-Marschflugkörpern verbraucht, sagte eine weitere Person. Diese werden von Schiffen und U-Booten gestartet. Zudem seien die Bestände an defensiven Waffen wie Patriot-Abfangraketen und THAAD-Systemen zur Abwehr ballistischer Raketen stark reduziert. Ein Bericht des Center for Strategic and International Studies (CSIS) aus der vergangenen Woche schätzt, dass zwischen Februar und Juli etwa 65 Prozent der Patriot-Abfangraketen verbraucht und die THAAD-Bestände um mindestens 38 Prozent reduziert wurden. Zwei Insider bestätigten, dass diese Zahlen mit internen US-Daten übereinstimmten.
Unterdessen hat die Huthi-Miliz im Jemen einen Angriff auf Saudi-Arabien für sich reklamiert. Militärsprecher Jahja Sari erklärte am Dienstag, die vom Iran unterstützte Miliz habe ein militärisches Ziel am Flughafen Nadschran nahe der jemenitischen Grenze mit einer Drohne angegriffen. Aus Saudi-Arabien gab es zunächst keine Bestätigung. Die Huthi bezeichneten den Angriff als Reaktion auf angebliche Verletzungen des jemenitischen Luftraums durch saudische Drohnen in den Provinzen Saada und Hadscha. Saudi-Arabien kämpft im Jemen seit mehr als zehn Jahren an der Seite der international anerkannten Regierung gegen die schiitische Miliz; im Zuge des Iran-Kriegs ist der Konflikt erneut eskaliert.
US-Präsident Donald Trump hat derweil neue Gespräche mit dem Iran angekündigt und zugleich mit drastischen Worten gedroht. Dem Iran drohe die «Enthauptung», sollte er keinem Abkommen zur Beendigung des Konflikts zustimmen, sagte Trump im Weißen Haus. Er sprach von einer «letzten Chance» und behauptete, die Gespräche fänden auf Wunsch des Iran statt. Verschiedene Staaten hätten die USA gebeten, der Diplomatie eine letzte Chance zu geben. Die Gespräche sollten sich zunächst um die vollständige Öffnung der Straße von Hormus bis zum kommenden Dienstag drehen, in einer zweiten Phase dann um die «Denuklearisierung» des Iran. Trump erklärte am Montag zudem, die Verhandlungen liefen bereits und würden von Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar unterstützt.
Die Straße von Hormus gilt als eine der wichtigsten Routen für den weltweiten Öl- und Gastransport. In der Meerenge ist unterdessen erneut ein Schiff angegriffen worden. Die britische Behörde zur Sicherheit der Schifffahrt (UKMTO) meldete, ein Frachter sei etwa 37 Kilometer nordöstlich des omanischen Ortes Al Khasab von einem «unbekannten Geschoss» getroffen worden. Angaben zu möglichen Schäden oder Verletzten machte die Behörde zunächst nicht. Die iranischen Streitkräfte haben seit Beginn des Krieges Ende Februar immer wieder Tanker und andere Schiffe angegriffen und den Verkehr dort nahezu zum Erliegen gebracht. Der Iran verhandelt derzeit mit dem Oman über die Festlegung vorläufiger Schifffahrtskorridore.
