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USA und Iran drohen einander mit Vergeltung nach neuen Luftangriffen

Nach dem Tod zweier US-Soldaten durch iranischen Beschuss hat das US-Militär erneute Luftangriffe auf Ziele im Iran durchgeführt. Irans oberster Führer droht mit Rache, während die internationale Gemeinschaft zur Deeskalation mahnt.

USA und Iran drohen einander mit Vergeltung nach neuen Luftangriffen
Die Lage im Überblick: USA und Iran schwören sich Rache - neue US-Luftangriffe
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Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran haben eine neue gefährliche Stufe erreicht. Nach dem Tod zweier US-Soldaten durch iranischen Beschuss in Jordanien hat das US-Militär in der achten Nacht in Folge Luftangriffe auf Ziele im Iran durchgeführt. Gleichzeitig drohte Irans oberster Führer Ajatollah Modschtaba Chamenei mit Vergeltung, was die Sorge vor einer unkontrollierten Eskalation in der Region verstärkt.

Das US-Regionalkommando Centcom teilte mit, die Angriffe hätten unter anderem dazu gedient, die iranischen Revolutionsgarden „schnell zu bestrafen“, die in der vorherigen Nacht Angriffe auf amerikanische Soldaten in Jordanien verübt hätten. Die beiden getöteten US-Soldaten seien am Freitag in Jordanien ums Leben gekommen, als sich US-Streitkräfte und Verbündete gegen iranische Raketen- und Drohnenangriffe verteidigten. Ein weiterer Soldat werde noch vermisst. Damit steigt die offiziell bekannte Zahl der im Krieg gegen den Iran gefallenen US-Soldaten auf 16.

Irans oberster Führer Chamenei, der sich bisher noch nie öffentlich gezeigt hat, ließ in einer Erklärung mitteilen: „Da der amerikanische Feind nun auf Kriegstreiberei, die Übernahme noch schwererer Kosten und eine noch größere Schande aus ist, soll er wissen, dass das geliebte iranische Volk und die Widerstandsfront unvergessliche Lektionen für ihn bereithalten.“ Die Drohung kommt zu einem Zeitpunkt, da die USA und der Iran bereits seit Wochen in einem militärischen Konflikt verwickelt sind, der Anfang des Jahres mit einem gemeinsamen Angriff der USA und Israels begann.

Nach Angaben des iranischen Gesundheitsministeriums sind seit der neuen Eskalation mit den USA mindestens 50 Menschen im Iran gestorben, mehr als 500 weitere wurden verletzt. Die Regierung in Teheran berichtet in der Regel nur über zivile Opfer; über Verluste unter den eigenen Streitkräften gibt es keine offiziellen Daten. Das US-Militär erklärte, bei den jüngsten Angriffen seien „erfolgreich“ militärische Küstenüberwachungs- und Flugabwehranlagen sowie Raketen- und Drohnenlagerstätten getroffen worden. Ziel sei es auch, die Fähigkeit des Irans zu schwächen, die Handelsschifffahrt in der strategisch wichtigen Straße von Hormus zu bedrohen.

Die den iranischen Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Tasnim berichtete, dass mindestens sechs Raketen in Gebieten am Rande der Insel Gheschm im Persischen Golf eingeschlagen seien. Nähere Einzelheiten wurden zunächst nicht gemeldet. Der Iran habe sich auf die US-Abwehrsysteme eingestellt und feuere Raketen ab, die mit extrem hoher Geschwindigkeit fliegen und während ihres Sturzflugs manövrieren könnten, zitierte das „Wall Street Journal“ US-Beamte. Die Fähigkeit des Irans, empfindliche Ziele zu treffen, schüre Befürchtungen, dass Teheran bei der Zielerfassung Unterstützung aus China oder Russland erhalte.

Der Druck auf US-Präsident Donald Trump, der sich im eigenen Land angesichts des dort unpopulären Krieges ohnehin mit Unzufriedenheit konfrontiert sieht, dürfte mit dem Tod der US-Soldaten weiter steigen. Der US-Sender NewsNation zitierte ihn nach einem Gespräch über die Todesfälle mit der Aussage, dass dies „eine sehr traurige Sache“ sei. „Wir sehen das ungern“, sagte er und bekräftigte einmal mehr, der Iran dürfe keine Atomwaffen haben.

Irans Vizeaußenminister Kasem Gharibabadi erklärte, man habe das Mitte Juni mit den USA vereinbarte Rahmenabkommen ausgesetzt und fühle sich nicht mehr daran gebunden. Trump sagte dazu, das sei ihm „völlig egal“. Das Abkommen sah vor, innerhalb von 60 Tagen einen endgültigen Deal zur Beendigung des Krieges auszuhandeln und die Straße von Hormus zu öffnen. Seit Anfang April galt zudem eine Waffenruhe, die Trump jedoch kürzlich für beendet erklärte. Seit Anfang Juli eskaliert der Konflikt wieder.

Die internationale Gemeinschaft zeigt sich zunehmend besorgt. Die Vereinigten Arabischen Emirate forderten „ein sofortiges Ende der Feindseligkeiten sowie eine rasche Rückkehr an den Verhandlungstisch“. Ohne die USA und den Iran namentlich zu erwähnen, mahnte das Außenministerium der Emirate einen „sofortigen Stopp der Eskalation“ und äußerste Zurückhaltung an, „um gefährliche Auswirkungen und ein Abgleiten der Region in ein neues Ausmaß an Gewalt und Instabilität zu verhindern“.

Der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz warnte auf der Plattform X, es werde immer deutlicher, „dass die Ereignisse allmählich außer Kontrolle geraten“. Angesichts des praktisch nicht vorhandenen Vertrauens zwischen Washington und Teheran, der zunehmend erschöpften Vermittler und eines Dialogs, der vor allem über Militärschläge geführt werde, „ist das Risiko einer weiteren Eskalation mittlerweile größer als die Aussichten auf eine Deeskalation“. Die Kombination aus Trumps Vorgehen und der Machtdemonstration Teherans während der Beerdigung des getöteten Staatsoberhauptes Ali Chamenei scheine die Überzeugung bei Schlüsselpersonen der Revolutionsgarden bestärkt zu haben, dass sie kaum eine andere Wahl hätten, als ihre Reaktion auf die US-Angriffe zu verschärfen, schrieb Citrinowicz. Unter diesen Umständen werde es äußerst schwierig, „die Eskalationsspirale unter Kontrolle zu bringen“.

Autor

Wirtschaftsanalyst

Dominik Zimmermann berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.