Der umstrittene deutsche Regisseur Uwe Boll sorgt mit seinem neuesten Film «Citizen Vigilante» erneut für internationale Schlagzeilen. Der Streifen, der die Geschichte eines selbsternannten Rächers erzählt, der kriminelle Migranten und vermeintlich versagende Institutionen mit brutaler Gewalt bekämpft, hat bereits vor seiner offiziellen Veröffentlichung in Deutschland eine Welle der Empörung ausgelöst. Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) verweigerte dem Werk eine Altersfreigabe, was in Deutschland praktisch einem Aufführungs- und Verkaufsverbot gleichkommt. Boll selbst spricht von politischer Zensur und kündigte an, rechtliche Schritte zu prüfen.
Im Zentrum der Handlung steht ein US-amerikanischer Ex-Soldat, gespielt von Armie Hammer, der nach einer militärischen Laufbahn in der kroatischen Hauptstadt Zagreb als Immobilienmagnat tätig ist. Seine Mission: Er will die Gesellschaft von Kriminellen «säubern», die seiner Ansicht nach von einem schwachen Staat und einem laschen Rechtssystem nicht angemessen bestraft werden. Der Film zeigt in drastischen Szenen, wie der Protagonist Jugendbanden zur Rechenschaft zieht, Vergewaltiger foltert und Richter ermordet, um sie als Suizid zu tarnen. Kritiker werfen Boll vor, mit dem Film eine rechtsextreme, rassistische Botschaft zu transportieren, in der Migranten pauschal als Bedrohung dargestellt werden. Eine Szene, in der eine ganze syrische Familie hingerichtet wird, gilt als besonders geschmacklos und provokativ.
Die Besetzung der Hauptrolle mit Armie Hammer sorgt für zusätzliche Kontroversen. Der Schauspieler war vor fünf Jahren wegen schwerer Missbrauchsvorwürfe, darunter auch Vorwürfe des Kannibalismus, aus Hollywood verbannt worden. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren mangels Beweisen ein, doch sein Ruf war ruiniert. Hammer selbst gab in einem Interview an, dass er das Angebot von Boll mit Tränen in den Augen angenommen habe, da er einfach wieder arbeiten wolle. Seine Darstellung in «Citizen Vigilante» wirkt laut Kritikern jedoch distanziert und gelangweilt, als wolle er sich selbst vom Inhalt des Films distanzieren. Boll hingegen verteidigt die Besetzung und betont, dass es ihm um die künstlerische Freiheit gehe.
Boll, der sich selbst als politischen Filmemacher bezeichnet, erklärte, dass er mit seinen Filmen bewusst provozieren und «wehtun» wolle. Sein Ziel sei es, den Deutschen «in den Arsch zu treten» und eine Debatte über gesellschaftliche Missstände anzustoßen. Der Film beziehe sich unter anderem auf eine reale Massenvergewaltigung in Hamburg, was Boll als Beleg für seine realitätsnahe Herangehensweise anführt. Die FSK hingegen sah in der drastischen Gewaltdarstellung und der politischen Botschaft eine Gefahr für Jugendliche und verweigerte die Freigabe. Boll wittert dahinter eine politisch motivierte Zensur und forderte eine Retrospektive bei der Berlinale sowie eine öffentliche Entschuldigung.
Dank der Unterstützung von Elon Musk wurde der Film für 48 Stunden kostenlos auf der Plattform X (ehemals Twitter) zur Verfügung gestellt, was zu einer intensiven Diskussion in den sozialen Medien führte. Boll zeigte sich überrascht über das Angebot, willigte aber aus Marketinggründen schnell ein. Die Debatte dreht sich vor allem um die Frage, ob ein derart provokativer Film, der Selbstjustiz und Rassismus verherrliche, durch die Kunstfreiheit gedeckt sei oder ob ein Verbot gerechtfertigt sei. Während Boll auf die Meinungsfreiheit pocht, fordern Kritiker ein entschlossenes Vorgehen gegen die Verbreitung solcher Inhalte. Der Fall zeigt einmal mehr die schwierige Balance zwischen künstlerischer Freiheit und gesellschaftlicher Verantwortung in Zeiten politischer Polarisierung.
