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Donnerstag, 3. September 2026

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AfD in Sachsen-Anhalt: Siegmunds Wahlkampf mit radikalen Netzwerken

Ulrich Siegmund, Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt, präsentiert sich als freundliches Gesicht, setzt aber auf ein Netzwerk aus Aktivisten der Identitären Bewegung und einen aggressiven Kampf gegen kritische Medien. Sein Ziel: die absolute Mehrheit bei der Landtagswahl.

Ulrich Siegmund, Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt, führt einen Wahlkampf, der auf den ersten Blick ungewöhnlich freundlich wirkt. Bei Auftritten auf Marktplätzen schüttelt er Hände, geht für Fotos mit Kindern in die Hocke und legt den Besuchern zum Abschied die Hand auf die Schulter. Doch hinter dieser Inszenierung steht ein Netzwerk aus Aktivisten der rechtsextremen Identitären Bewegung, das seit mehr als einem Jahr einen zunehmend aggressiven Kampf gegen kritische Journalisten führt.

Die Veranstaltungen Siegmunds werden von einem Medienteam begleitet, das Aufnahmen für soziale Netzwerke produziert und Live-Streams sendet. Kritische Fragen von Journalisten werden dabei gezielt unterbrochen oder die Fragesteller selbst werden vor laufender Kamera angegriffen. So geschehen bei einem Termin in Halle, als ein Streamer einem Journalisten des Deutschlandfunks sein Mikrofon entgegenhielt und laut fragte, ob dieser bei der Antifa sei. Siegmund stand daneben und lachte.

Das Ziel des Wahlkampfs ist die absolute Mehrheit bei der Landtagswahl Anfang September. Siegmund verkündet auf seinen Veranstaltungen die Formel „45 Prozent + X“. Damit wäre er der erste Ministerpräsident der AfD in Deutschland. Umfragen zufolge ist er näher an diesem Ziel als jeder Kandidat der Partei vor ihm.

Die zentrale Botschaft seiner Kampagne ist nicht Wut oder Verdruss, sondern Hoffnung auf eine Rückkehr zu früheren Zuständen. Diese Botschaft transportiert sein Team seit über einem Jahr durch eine perfekt verzahnte Präsenz in der Fläche und eine intensive Kampagne in sozialen und alternativen Medien. Jeder Handschlag wird so in seiner Reichweite potenziert und die Veranstaltungen fluten permanent das Netz.

Beobachter beschreiben das gesendete Bild als weichgespült und fröhlich, das wenig mit dem Programm der AfD zu tun habe. Hinter Siegmunds Wahlkampf stünden Radikale und Extremisten, die die Regierung verachten und an einem grundlegenden Umbau des Staates arbeiten. Ihr erstes Angriffsziel seien die Medien und der kritische Journalismus, um die Deutungshoheit in der Öffentlichkeit zu erlangen.

Ein zentrales Ereignis für Siegmunds Radikalisierung war ein Treffen im Jahr 2024 in Potsdam, über das die Rechercheplattform Correctiv berichtete. Siegmund war Teilnehmer einer Runde mit dem österreichischen Rechtsextremisten Martin Sellner. Correctiv berichtete über einen „Masterplan zur Remigration“ und zeigte die Teilnehmer auf Fotos. Siegmund soll bei dem Treffen um Spenden für den Wahlkampf geworben und radikale Ideen präsentiert haben.

Laut dem Bericht soll Siegmund hinter verschlossenen Türen gefordert haben, das Straßenbild müsse sich ändern und ausländische Restaurants unter Druck gesetzt werden. Es solle in Sachsen-Anhalt für dieses Klientel möglichst unattraktiv sein zu leben. Diese Sätze gelten als besonders hart, weil sie sich nicht gegen ausreisepflichtige Asylbewerber richten, sondern gegen Gastronomen, die in Deutschland arbeiten und Steuern zahlen.

Die Berichterstattung über das Treffen zeigte Siegmund die Macht des Journalismus, aber auch dessen Grenzen. Seitdem hat er seinen Kurs verschärft und setzt im Wahlkampf auf die Unterstützung von Aktivisten, die kritische Berichterstattung gezielt behindern. Sein Team hat eine Struktur aufgebaut, die es ermöglicht, jede Veranstaltung zu überwachen und unliebsame Fragen zu unterbinden.

Der Wahlkampf in Sachsen-Anhalt gilt als Testfall für die Strategie der AfD, mit einem freundlichen Gesicht und radikalen Netzwerken an die Macht zu gelangen. Siegmund selbst tritt dabei als Kandidat auf, der Nähe sucht und Vertrauen aufbaut, während sein Umfeld parallel daran arbeitet, kritische Stimmen aus dem öffentlichen Diskurs zu verdrängen.

Dominik Zimmermann

Autor

Wirtschaftsanalyst

Dominik Zimmermann berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

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