Bärbel Bas schildert nach Rücktritt schwere Zeit und Ärger über die Union
Die frühere SPD-Chefin Bärbel Bas hat erstmals öffentlich über ihren Rücktritt gesprochen. Sie beschreibt die Zeit der Sterbebegleitung ihrer Stieftochter und kritisiert die Angriffe aus der Union.
Die frühere SPD-Vorsitzende Bärbel Bas hat in einem ersten Interview nach ihrem Rücktritt von den politischen Spitzenämtern über ihre Beweggründe gesprochen. Sie sagte, es sei manchmal schwer, morgens überhaupt aufzustehen, wenn man sich frage, wofür. Bas hatte am 12. Oktober öffentlich gemacht, dass sie ihre Spitzenämter aufgibt. Sie sitzt weiterhin als Abgeordnete für den Wahlkreis Duisburg I im Bundestag. Die 58-Jährige war zuvor Bundesarbeitsministerin und SPD-Co-Vorsitzende.
Auslöser war der Tod ihrer krebskranken Stieftochter Ende September. Bas hatte sie im Hospiz begleitet. Die beiden verband über viele Jahre eine sehr enge Beziehung. Während der Sterbebegleitung habe sie gemerkt, „dass mir die Kraft ausgeht“, sagte sie in der ARD-Sendung „Konfrontation: Markus Feldenkirchen trifft Bärbel Bas“. Es ist nicht der erste schwere Verlust für Bas: Bereits 2020 war ihr Ehemann Siegfried Ambrosius gestorben. Sie habe Zeit gebraucht, doch in politisch herausragenden Ämtern gebe es diese nicht. „Ich hatte den Kopf nicht frei für Dienstliches, für Politisches“, sagte Bas. „Und ich wusste, ich brauche länger, ich kann nicht sofort wieder zurück.“ Deshalb habe sie sich zum Rücktritt entschlossen.
Bas kritisierte zudem eine „Schweigekultur“ in der Politik. Oft gebe es kaum Menschlichkeit in diesem politischen Betrieb, selbst wenn Menschen länger krank seien, werde kaum darüber gesprochen. Niemand wolle sich schwach zeigen in diesem harten Geschäft. Zugleich äußerte sie sich zum Verhältnis zum Koalitionspartner. In ihrer Rücktrittserklärung hatte sie sich darüber beklagt, dass die Angriffe aus den Reihen von CDU und CSU in dieser schwierigen Zeit weitergegangen seien. Rückblickend hätte sie diese Kritik wohl nicht so formuliert, sagte sie nun. Hätte sie geahnt, welchen Koalitionsstreit sie damit auslöst, hätte sie darauf verzichtet.
Mit Blick auf Bundeskanzler Friedrich Merz sagte Bas, sie habe ihn über ihre private Lage informiert und sich über die Angriffe aus seiner Partei beschwert. Aus der CDU sei eine regelrechte Kampagne gegen sie und die SPD gefahren worden. Merz habe versichert, er kümmere sich, „es hat aber keinen Anklang gefunden“. Über ihren Rücktritt habe sie mit Merz nicht gesprochen; der Kanzler sei von ihrem Co-Parteivorsitzenden Lars Klingbeil informiert worden. Auch aus der eigenen Partei habe sie Rückendeckung vermisst. An die Regierungspartner richtete sie den Appell: „Ihr müsst besser miteinander umgehen. Sonst wird das nix.“
2




