Burnham bietet Merz Einstieg in GCAP an
Nach dem Aus des deutsch-französischen Kampfjet-Projekts FCAS hat der britische Premierminister Andy Burnham Deutschland eine Beteiligung am britisch-italienisch-japanischen GCAP-Programm angeboten. Berlin prüft mehrere Alternativen.
Der britische Premierminister Andy Burnham hat Deutschland eine Beteiligung am britisch-italienisch-japanischen Kampfjet-Projekt GCAP angeboten. Das sagte Burnham nach seinem Antrittsbesuch bei Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in Berlin. «Ich habe dem Bundeskanzler in unserem Gespräch unsere Offenheit signalisiert, dass Deutschland dem GCAP-Programm, der nächsten Generation von Kampfflugzeugen, beitritt», erklärte Burnham nach den Beratungen.
Hintergrund ist das Aus des deutsch-französischen Kampfjet-Projekts FCAS. Merz und der französische Präsident Emmanuel Macron hatten das sogenannte Future Combat Air System im Sommer für gescheitert erklärt. Neben Streitigkeiten zwischen den Industriepartnern Dassault und Airbus gab es unterschiedliche strategische Anforderungen. Paris benötigt einen Jet, der auch auf Flugzeugträgern landen kann. Deutschland setzt auf ein Flugzeug, das auch die Nato-Ostgrenze erreicht, urteilte der Frankreich-Kenner Stefan Seidendorf vom Deutsch-Französischen Institut in Ludwigsburg.
Für eine FCAS-Nachfolge bieten sich der Bundesregierung mehrere Alternativen. Der schwedische Saab-Chef Micael Johansson warb für eine Kooperation mit Schweden. «Wir stehen bereit für einen gemeinsamen Kampfjet mit den Deutschen», sagte Johansson der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». Schweden hat den Kampfjet Gripen im Angebot. Zuletzt erhielt Saab von der Nato den Zuschlag für das Aufklärungsflugzeug GlobalEye, den Nachfolger der Awacs aus US-Produktion. Der Vorteil: Es gäbe nur einen Projektpartner, und Deutschland hätte als zentraler Besteller des neuen Kampfjets großen Einfluss.
Das britische Konsortium GCAP – Global Combat Air Programme – ist das britisch-italienisch-japanische Projekt. Der Vorteil: Der neue Jet ist bereits in der Entwicklung. Der Nachteil: Das Vorhaben ist weit fortgeschritten und liefert wohl wenig Einflussmöglichkeiten sowie Aufträge für die deutsche Industrie. Von einem «Brei» – politisch, militärisch und industriell – spricht das Fachportal «hartpunkt».
Alternativ könnte Deutschland den Kampfjet der Zukunft auch in Eigenregie entwickeln. Der Vorteil: Der neue Flieger könnte an die Bedürfnisse der Luftwaffe angepasst werden. Der Nachteil: Die Entwicklung könnte lange Zeit in Anspruch nehmen und würde viel Geld kosten.
Der Sozialdemokrat Andy Burnham ist der Nachfolger seines Parteifreundes Keir Starmer, der auf Druck aus den eigenen Reihen zurückgetreten war. Starmer hatte eng mit Kanzler Merz zusammengearbeitet. Der neue Premier will sein Land enger an die EU heranführen. So hatte der Labour-Politiker zuletzt betont, dass auch ein Wiedereintritt seines Landes in die EU eine Option sei. In der EU wird allerdings darauf verwiesen, dass es dazu zunächst eine eindeutige Stimmungslage auf der Insel geben müsse. Derzeit befürwortet eine Mehrheit der Briten eine erneute EU-Mitgliedschaft, das Land ist aber gespalten in der Frage.
Burnham verwies darauf, dass Deutschland und Großbritannien die größten Volkswirtschaften in Europa und die größten Investoren im Verteidigungsbereich seien. Als Felder der Zusammenarbeit nannte er etwa die Künstliche Intelligenz und Raumfahrt.
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