Lawrow verspottet Wadephul wegen abgesagtem Familienfoto beim G20-Außenministertreffen
Beim G20-Außenministertreffen in Atlanta kritisiert der russische Außenminister Sergej Lawrow seinen deutschen Kollegen Johann Wadephul scharf und stellt die Beziehungen zu den USA als unverändert angespannt dar.
Beim G20-Außenministertreffen in Atlanta hat der russische Außenminister Sergej Lawrow den deutschen Außenminister Johann Wadephul (CDU) scharf angegriffen. Er warf ihm »Familienfoto-Diplomatie« vor und sagte spöttisch: »Wenn es für sie vor allem darauf ankommt, wie sie auf einem Familienfoto aussehen und wer neben ihnen steht, dann sagt das schon alles.« Der Schlagabtausch zeigt, dass sich das Verhältnis zwischen europäischen Staaten und Russland auch gut sechs Wochen vor dem G20-Gipfel der großen Industrie- und Schwellenländer nicht entspannt hat.
Hintergrund ist der Streit um das traditionelle gemeinsame Foto aller Teilnehmer. US-Außenminister Marco Rubio hatte es abgesagt, nachdem offenbar vor allem europäische Mitgliedstaaten scharfe Kritik daran geäußert hatten. Der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski, der als einziger Gast von Rubio zu der Runde eingeladen worden war, hatte sich laut einem Bericht des polnischen Rundfunks gegen ein solches Foto mit Lawrow ausgesprochen. Nach Sikorskis Worten sei er dabei allerdings nicht der Einzige gewesen.
Wadephul hatte schon vor Beginn der Beratungen erklärt: »Es wird in jedem Fall kein Familienfoto geben, auf dem unsere europäischen Partner gemeinsam mit Herrn Lawrow sind.« Im ZDF sagte der Bundesaußenminister am Abend, der Begriff »Familienfoto« erwecke »das Gefühl von Eintracht, dass man zueinander gehören würde. Und eine solche Familie sind wir nun mit Russland zum jetzigen Zeitpunkt wirklich nicht.« Lawrow reagierte darauf mit Spott, ohne sich inhaltlich auf die Kritik einzulassen.
Auch gegenüber Polen fand Lawrow deutliche Worte. Laut russischen Nachrichtenagenturen bezeichnete er die Einladung Polens zu dem G20-Treffen als kontraproduktiv. Dies verstoße gegen die diplomatische Gepflogenheit, bei solchen Zusammenkünften einen Konsens zu suchen. Polen trage zu dem Treffen »nichts bei«, seine Wirtschaft sei zudem nicht groß genug für eine Teilnahme. Der Anspruch, Osteuropa zu vertreten, sei falsch, da dies bereits durch die Nato und die Europäische Union geschehe.
Sikorski sagte Reportern in Atlanta, die USA hätten beantragt, Polen als ständiges Mitglied in die G20 aufzunehmen, und Warschau setze sich dafür ein. Lawrow entgegnete, die Vereinigten Staaten hätten Polen ohne Absprache eingeladen: »Die Amerikaner haben den polnischen Minister einfach eingeladen, er kam und hat seinen Platz eingenommen.«
Auch im Verhältnis zwischen Moskau und Washington sieht Lawrow keine Entspannung. Anfang Oktober hatten US-Präsident Donald Trump und Kremlchef Wladimir Putin vereinbart, dass Diesellieferungen aus Russland in die USA möglich werden, wofür Washington bestehende Sanktionen vorübergehend aussetzte. Der Deal hatte international scharfe Kritik ausgelöst, unter anderem von der EU, der Ukraine, der Bundesregierung und Teilen des US-Kongresses. Lawrow sagte am Rande des Treffens: »In der Praxis sind bislang keine wirklichen Fortschritte in den Beziehungen zu den USA zu erkennen. Man sollte sich keine Illusionen hinsichtlich des Diesel-Deals machen.« Die grundlegenden Fragen zum Ukraine-Krieg würden nicht gelöst, die Sanktionen dauerten an, alle Sanktionen aus der Amtszeit von Joe Biden würden fortgeführt, und zusätzlich würden Sanktionen gegen die Ölkonzerne Lukoil und Rosneft verhängt.
Mit Blick auf die für Mitte November geplanten Gespräche zwischen der Ukraine, den USA und Russland in Abu Dhabi warf Lawrow auch den Europäern vor, sich in den Friedensprozess einmischen zu wollen. Zudem seien die jüngsten Äußerungen des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu Angriffen auf russische Ziele für die Vorbereitung neuer Gespräche nicht hilfreich, sagte Lawrow.
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